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2026

Be Longing

(Geh, Dichterin!)

Erstens: LIEBE

Alles, was ich jetzt noch brauche, sind Grabgefährten. Genau die haben mir noch gefehlt! Wunderbare Knochen, wie die so zusammenhalten!, die sich krümmen nach dem Fleisch, o Schreck, fast alles schon weg. Der eine Todeswink, hätt ich ihn doch unterlassen!, hat das meiste verscheucht. Was suchen Sie hier? Sie werden nichts mehr finden, nichts mehr pflegen, nichts mehr für den Juckreiz tun, der mich verlassen hat und dauernd wiederkommen mag, nichts mehr für meine Reize, die mich verlassen haben und nicht wiederkommen mögen, nicht mehr meine Oberfläche schälen, es gibt darunter nichts mehr unter der Sonne, keine Haut mehr da, meine Adern festzuhalten, damit sie nicht ungewollt abspritzen. Die gebrannte Wanderröte auch noch vertreiben, die Haut läßt nichts aus, sie verzeiht nichts, wie man so sagt. Keinen Sonnenstrahl, der es schafft, sich durch das Sonnenschutzmittel hindurchzuarbeiten. Trotzdem hätte ich jetzt wenigstens einen so gern, er schmeckte einst so fein! Es gibt nichts Besseres als Haut unter der Sonne. Wie man sie bettet, so liegt sie dann, mit neuen frischen Ausblühungen, im Spital, überzogen von Todesschweiß. 

Man schlendert herum und bewertet sie doch nur nach ihrem Strahlen, die liebe Sonne. Die Himmelsquellen muß man ausnützen. Die Adern sind jetzt leer, man hat abgepumpt, nun sitzen sie mit all ihren Verästelungen nicht mehr gutgenährt an der Quelle herum. Man sieht sie von Jahr zu Jahr besser, diese unnützen Esser gleich unter der Oberfläche, dort tauchen immer mehr von ihnen auf. Woanders, ich konnte noch nicht Wahres in Bares umwandeln, liegt noch, schon ewig, mein Flaschenpfand, keiner nimmt es an, keiner merkt, wenn ich mich wie üblich rar mache, womit er mich abgelten könnte. Sogar Automaten schweigen, sie wollen lieber in die Autos rein, mehr als einen Fuß haben sie schon drinnen, sie möchten endlich den Richtigen Gas geben. Oje, schon sind sie wieder kaputt, die teuren Gefährten, so nenne ich sie immer, Sie werden sich nicht mehr erinnern, daß ich das immer sage, in beliebigen Zusammenhängen. Auch ich würde nichts mehr für mich kriegen. Bei der Rückgabe staut es sich immer, so viele wollen mich zurückgeben, die Löcher für mich sind schon gegraben, Einwurf!, der Container fast voll, so daß man gleich aufgibt und wieder geht. Man stellt sich unsichtbar auf und wartet, bis die Aufstellung bekanntgegeben wird. Doch nicht einmal als Torhüterin wird man noch genommen. Wozu hütet man auch ein Tor, in das längst niemand rein will! 

Wer ist da? Ich höre nichts. Keiner zerrt mehr an meinen Mundwinkeln, um ein Lachen hervorzukitzeln. Mein Geist stammelt stumm im eigenen Stroh. Da hat doch einer was gesucht, ich habe es genau gespürt, ich habe es oben am Kopf, nicht drinnen, gespürt, oder bilde ich mir das ein? Diesmal nicht Fleisch, das sucht doch jeder, solang er noch kann, findet es auch, da er immer kratzt, wenns ihn juckt. Diesmal nicht, das ist keine Kunst, das Finden wärs schon eher. Aber was?

Nacktes Fleisch, aus seiner Höhle gelockt, wo es sich eingerichtet hat, ich habe es neulich wieder mal auf dem Markt angeboten, schon die Fahrt ein Albtraum, da wars mir schon fremd. Zu lang gelegen, und das noch dazu abgelegen. Ich erkannte es nicht mehr als mein Eigen, doch immerhin, eigenartig wars schon, ich erkannte es im Spiegel kaum wieder, also so gut wie eigentlich fremd. Im Spiegel muß es sowieso die Seite wechseln. Ein Wunder, daß sich überhaupt jemand dort erkennen und dem Schöpfer dann erkenntlich zeigen kann. Meist jedoch ist man unzufrieden mit der Schöpfung. Hier haben wir für mich ein ganz andres Gefühl als gewohnt. Gewöhnen will ich mich nicht daran. Ich muß mich überhaupt zwicken, ob das alles stimmt, was ich da mit meinen trüben Augen sehe, bevor sich eine dunkle Wolke über meinem Sehfeld breitmacht. Schauen Sie, mein armes verkümmertes Fleisch, um das sich keiner kümmert, wie es da rastet und wartet – es weiß nicht mehr, auf wen, es liegt schon zu lang in dieser vereisten Schweinebucht herum. Arme werden ausgebreitet, ich bleibe immer dazwischen stecken, sie sind aber eh nicht für mich geöffnet worden. Der Schlüssel lag unter einem Stein, der sich hart gab, obwohl das nie einer nachprüfte, es bückte sich keiner nach ihm. Darunter eine in der Mittagshitze gähnende Schlange. Man hat sie mir an den Leib geknallt, meine Arme, man hätte mich sonst in meinem Flügel bestatten müssen, dem hölzernen Patschen, der hat sich zu Lebzeiten schon so gestreckt nach mir, ich war leider immer woanders, ich war am Üben verhindert. Dort, im Woher, Wohin des Wegs, wäre vielleicht mehr Platz, aber nicht meiner. Ich habe keinen. Etwa schon wieder eine Bestie geboren? Somebody? War die nicht gestern erst da und hat das ganze Stroh aus meinem Kopf gefressen? Ochs und Esel ratlos, Jesus rücksichtslos, keiner sollte so geboren werden, eigentlich sollte man überhaupt nicht geboren und dem Entsetzen ausgeliefert werden, daß man irgendwo angenagelt wird. Man könnte jeden Moment herunterfallen und jemand mit sich treffen, wie die Jausenpakete in diesem unseligen Landstreifen dort, jemand, der doch nur Spaß bei Mord und Totschlag haben wollte. Ich hoffe, es stirbt in seinen Federn, das niederträchtige Biest, und muß sich die nicht auch noch ausziehen lassen. Die kochenden Fäden der Adern einfach zerrissen, die Krallen zerschnitten, damits schneller geht, daß man gründlich entwaffnet ist. 

Ein Wohin gibt es jetzt nicht mehr. Sind eh müd, meine Arme, vom Start zu einem für immer abgebrochenen, gesträubten Flug. Der wird auch später nicht mehr fortgesetzt werden. Die Treibstoffzufuhr wurde unterbunden, die spritzende Ader abgebunden. Das Fleisch rinnt überall herum. Das lassen sie frei herumrennen?, haben Sie keine Augen im Kopf, das hat sich faktisch verflüssigt! Unglaublich. Eine Frechheit ist das! Als könnte man sich irgendwo so sehen lassen. Bevor sich was vereinigt zum Meer, muß nur noch gesalzen und, wenn nötig, auch nachgesalzen werden, dieser Faserschmeichler Körper samt seiner neuen Pflegecreme, die ihn erst so gemacht hat. Drei Jahre mindestens können Sie da abziehen von dem, was Sie am Buckel haben. Ja, Sie können den Rucksack jetzt abnehmen. Doch auch die lösen sich auf, diese Fasern und Flechsen, das ganze Sehnenzeug, das Sehnsuchtszeug, das Sie ausmacht, bis Ihnen jemand das Licht ausknipst. Wer läßt schon gern los? Auf Schmeichelei hört doch keiner mehr, außer vielleicht ein Präsident. Bauch und Brüste haben vor langer Zeit schon ihre Vermählung bekanntgegeben, da waren sie sogar noch warm. Jetzt halten sie fest zusammen. Hätten Sie sich am Schicksal rächen wollen, hätten Sie sich in den Kühlschrank legen sollen. 

Es machts für mich leichter, wenn alle nackt sind, all die Mädel, die sich nicht bedeckt halten, sonst würde man sie ja nicht sehen, unter ihnen allen, unter all den vielen Häuten und Haaren und brasilianischen Wachskerzen gibt es kein eindeutiges Ergebnis, außer Sie hätten die Kontur einer Kugel angenommen, kleinste Oberfläche, größter Rauminhalt! Da kann man so einiges reinstopfen. Dieses Erlebnis, ich weiß jetzt nicht mehr, welches, ist dann aber eher eine Überflutung. Dieses T-Shirt wird von vielen leidenschaftlich gewünscht, als müßten sie sich darin einspinnen, die Mädeln, man trägt es einmal und dann nimmermehr. Danach trägt es der Altkleider-Container auf. Sie sind alle immer gespannt auf Neues, begierig auf einen oder mehrere neue Menschen, die vorher nicht da waren und danach auch nicht mehr kommen werden. Sie haben große Pläne, die ganze Erde wollen sie häuten, nachdem sie sie in Betracht genommen und jemand fast schon gewaltsam an sich gezogen haben. Es lohnt sich dennoch, auf den Einen zu warten, der dann vielleicht zum Blockwart wird. Doch ich frohlockte schon, wenn ich auch nur wieder eins von ihnen wäre, ein ganz kleines, ein Kind, noch mal ein Kind sein und diese ganze gräßliche Schutzkleidung tragen, das heißt, für den Rest des Lebens gegen alles und jeden sein. Also ich wäre ganz still, damit sie mich nicht aus mir herausscheuchen. Was hätte ich nicht alles noch vor mir! Ich müßte mich nie umdrehen. Dort wäre doch noch nichts. Ganz still jetzt! Damit sie mich nicht entdecken und all ihre Boote verbrennen unter den Knochen der Sterne oder unter dem Kochen der Sonne. 

Ich bin noch vorhanden, bloß irgendwie anders, ja, bloß stimmt: eine beinahe haarlose Kreatur, und auch sonst fehlt mir Verschiedenes, mit dem ich unter diesem Baldachin der Körperbedeckungen herumflattern könnte wie ein Habenichts, nein, ein Habicht (Habichnicht!) im Jagdflug auf der Lichtung. Ohne je abzuheben, nein, bis zum Abheben, dann sieht man nämlich, was darunter ist: so viele wie ich, die man sich gar nicht alle merken könnte! Im Alter muß man sich eher bedeckt halten. Aber jedes Licht zerbricht, das einen noch hervorholen könnte, und übrigens, was wurde aus: sich endlos Zeit zu lassen, die man nicht mehr hat? Da ist leider nichts draus geworden.

Ich schäme mich dann weniger, wenn wir zu vielen sind, meine Alterskohorte durchmißt reizlos, aber bewaffnet die eigenen Schatten. Die Waffen einer Frau hat sie längst weggeworfen, jetzt hat sie andre, das Licht liegt hinter ihr, ist schon halb verblaßt. Endergebnis wie immer: Keiner nimmt es, das Fleisch, die Kühlung muß also weiter voll arbeiten, angetrieben von meinem Heißgetränk Blut, wie soll das denn kühlen, dieses Mutgebaren? Das schmilzt doch in mir, noch bevor ich in die Hitze kommen kann! Erbarmen mit meinen Flammenfedern! Doch nicht einmal kosten wollen sie von mir! Ausknipsen den Busch, hinter dem ich mich verborgen halte, damit mich jeder sieht, dafür können keineswegs alle jeden sehen! Sie tun alle so, als wäre auch ich gar nicht dort. Da kann ich mich auf der geschlagenen Erde eine geschlagene Stunde lang oder länger wälzen, soviel ich will, es kommt keiner, mich auszuschlagen. Dafür schlagen mich jetzt alle aus, denen ich mich angeboten habe, dazu müssen sie gar nicht erst herkommen, sie können es von fernher tun, indem sie nichts dergleichen tun. Wie Fabriksirenen tuten, daß die Schicht vorbei ist. Sie müßten dafür auch gar nicht mehr kommen, man müßte sie ohnedies kickend und schreiend herschleppen, die beiden Dornbüsche, die einander abwechselnd mit Reisig prügeln, man müßte sie ausschlagen, das Feuer dabei aber eher noch anfachend, als ihm seine Wünsche nach Verbreitung und Vergrößerung einfach auszutreiben. Also bitte, hier treibt nichts mehr aus! So, und auch jeden Weg, der zu mir führt, zupfe ich sorgfältig weg. Den Bogen hab ich raus. 

Vielleicht liegts an der Zubereitung, nein, der Zurichtung? Falsche Richtung? Wohin des Wegs, Fleisch? Wo bist du denn ausgebrochen? Wem gehörst denn du (wie man zu Kindern sagt, die blindwegs daherkommen, ausnahmsweise einmal ohne ihren ständig applaudierenden Anhang)? Keinen Fluchtweg vorher ausgedacht? Auf diesem Weg befinde zufällig ich mich gerade wieder, wie so oft, passen Sie doch auf, wohin Sie treten! Der Grenzstein mir gegenüber kann mir nicht mehr sagen, wo es langgeht, meine Grenzen zeigt er mir aber auch nicht an. Kein Wunder, daß ich Übertretungen begehe. Diese Anzeige würde zurückgelegt, wie der Weg ja auch. Ja, dieser Weg, er sagt mir nichts! Und dieses Haus, es sagt mir nichts! Und dieser Körper, er sagt mir nichts mehr. Wieso so stumm, Körper? Wohin des Wegs, Jahr für Jahr? Keine Spur hinterlassen in dieser Schwärze? Und dieses Navigatorsystem, dieses Diktatorensystem von dem Satelliten, der auch mein Fernsehprogramm betreibt? Kein Wunder, aber was alles auch kein Wunder ist, das weiß ich nicht. Das jedenfalls sagt mir was, geröteten Gesichts. Vor Scham wendet das Navi sich ab, dort rauf will es nicht, den Weg anzeigen irgendwie auch nicht, es weiß, was dort wartet: sekundenlang aufscheinen, laut brennen, für etwas andres brennen, ausgehen, entsetzlich enttäuscht werden und dann spurlos vergehen. Man wurde getäuscht. Auf sowas muß man nicht warten, das kommt von ganz allein. Ich weiß aber nicht, was und worüber sich dieses nicht erdgesteuerte System schon wieder so aufregt, das ist doch nicht von dieser Welt! 

Aufregung über nichts: Freude des Alters! Aus den Fenstern dieses Fuchsbaus überschütten wir die schreienden Kinder im Hof, die schreien immer schon vorher, bevor sie Grund dazu haben. Das verstehe ich. Wenn man selbst einmal aus sich ausbricht, weil der Lärm nicht mehr auszuhalten ist, heißt es einfach nur: weg! Alles muß raus, ja, auch Sie. Weg auch mit mir, aus dem Weg! Einer bringts mir gar angebissen wieder zurück, das Schnitzerl, das diesen Namen nicht verdient, dieser Eine hat nur kurz einmal reingebissen in diese Frucht meines Leibes, dann ertönte schon das entsetzliche Geschrei dort unten, dann wurde der Haken aber nicht geschluckt, sondern ausgespuckt. Er hat sich in die falsche Öffnung verbohrt. Dazu müßte man erst mal wissen: ein Schnitzel von was? Ein Stück halt, und zwar ohne Knochen. Sonst wär ich ein Kotelett. Hat irgendwie fischig geschmeckt. Und meine schöne Einserpanier gleich mit. Die spuckt der mir doch glatt vor die Füße! Er glaubt, ich bin sein Mistkübel. Was soll denn ich mit all dem Abfall, der sich jetzt trennen muß, es ist jetzt nicht Zeit zu schreien, es ist Zeit zu scheiden, also daß wir scheiden müssen, kaum gekannt, aber hallo? Es war doch für Sie vorgesehen, mein Lieber, die Zeitenfalle schnappt ungefähr um meine Mitte zu, dort, wo die speckigen Wülste der Zeit sich gemütlich angesiedelt haben, bevor der so lang unbebaute Schrebergarten meines Leibs noch umgegraben und gejätet war und bereits danach keift und klafft, wieder besät zu werden! Auch Unkraut herzlich willkommen. Mit Frühlingsblumen? Mit Näglein besteckt, unter der Deck? Unter der Deckung? Jetzt schon? Mitten im Winter? Gefrorne Tropfen etwa in die Tropfenfalle gefallen? So muß ich denn noch länger warten, bis man mich aus meinem Städtele hinausholt und in die Erde schmeißt! 

Worauf denn warten? Daß dieser Staat und der dort drüben auch noch, den ich heute schon in aller Früh schriftlich verprügelt habe, in Stücke bricht wie mein armes Gärtchen vorm Haus? Da schreib ich doch gleich wieder was. Da steht es dann und kann nicht anders. Da haben Sies, da steh ich, und ich kann durchaus anders!, ich habe auch was gegen diese Kunstwolle, diese kunstvolle Wildnis, in der Hand, ich habe es in der Hinterhand, Sie werden staunen!, mein Garten verfault langsam, alles geht ein. Liegts am Wetter? Mein Blatt ist nicht schlecht, dieser Grashalm auch nicht, man kann sogar drauf blasen, bis er wieder nach jemand anderem schreit, der ihm einen blasen soll!

Die Wegemarken sagen Widersprüchliches, sie weisen offenbar den falschen Weg und haben sich zur falschen Adresse unter den Körperumschlag geschmiegt, auf los gehts los, nein, die Adresse stimmt schon, seh ich grad, aber der Weg nicht. Ich wollte mich Ihnen schenken, mein lieber Herr!, wurde aber schon vor der Lieferung wieder zurückgeschickt. Adressat unbekannt. Anhänger unabkömmlich. Ist eh nur einer. Der Inhalt dieses Pakets unbekömmlich. Warum dann überhaupt erst zustellen? Diese Post wird einfach weggewischt, wie Tränen. Er kann sich nicht erinnern, der Tropf, der von meinen Wangen abfällt. Er ist gekommen, wurde aber nicht auserwählt, das sind nur wenige. Die kommen allerdings auch nicht. Dabei haben Sie mir das Packl, auf das wir uns hätten hauen sollen, doch eigens geschickt, erinnern Sie sich denn nicht? Erst gestern haben Sie mir geschrieben und mich etwas gefragt, die Antwort konnte ich nicht zwingen, über meine Lippen zu treten, obwohl ich sie mit Himmelszungen beschwor. Ich glaube, das war auch gar keine Frage. Es kam nicht in Frage, so weit ist es gar nicht erst gekommen. Seit gestern flötet auch diese Amsel wieder, sie bittet förmlich um eine Nachbesetzung, daß also noch mehr Amseln herbeikommen mögen, es gibt noch so viele Telefonzeichen, die sie nachmachen könnten, nur ich verstehe keins davon. Ich kenne keine Melodie mehr. Mein Telefon ist eh immer stumm geschaltet. Ich schwöre, ich habe auch niemanden angerufen! Soll ich schon wieder mein Gestehungsdatum fälschen, daß ich mitsingen und mit dem Körper kräftig nachklingeln kann? In all seiner Verlogenheit? Ich habe das schon öfter getan, das Fälschen, fest entschlossen anzugeben, fremde Orte besucht zu haben, ein fremder Ort selbst zu sein, doch keiner hat es geglaubt. Ist das etwa der Grund, weshalb keiner in mich reisen möchte, nicht einmal mit mir als blindem Passagier des Selbst, welches eng, vielleicht zu eng, mit dem menschlichen Dasein, wie nennst du, Wiki, es?, diesem Ding unter Dingen, verknüpft ist? Oder weil ich außer mir sonst nichts kenne, und mit mir ist man schnell durch? Auf der andren Seite ist es aber auch nicht schöner, das glaubt man nur, bevor man es sieht. Das kann doch nicht wahr sein! Zehn Jahre weniger hätten wir Ihnen gegönnt, mindestens! Aber bitte nicht bei uns! Seien Sie woanders, wir wollen nicht, daß Sie hier zur Liebe gekommen seien. Sie können auch ohne Liebe sein. Was sagen Sie da?, es kostet Sie ja nichts, es muß nicht einmal stimmen. Nein, ich geh deswegen nicht in die Luft! Meine Umwelt will das nicht, es geht ihr von allein schon schlecht genug.

Daß diese vollgekritzelten Mauern ewig halten würden, haben wir nie geglaubt. Das sollten Sie alles wieder abwaschen, solang noch Zeit ist, wenigstens die Mauern auszuziehen, damit dann noch mehr drauf geht, doch diesmal was anderes. Also diese Mauern sind eindeutig nicht dehnbar. Bevor auch Sie nacktgeschrubbt die Kellertreppe hinunterfallen, anstatt eine ordentliche Hühnerleiter bis zum Boden zu bauen, fahren Sie vielleicht gleich in unsere Tiefgarage!, es wäre so viel bequemer. Sogar für eine Räuberleiter haben wir zu wenig Personal. Das Schicksal jedes Tieres interessiert mehr als Sie! Es spuckt wenigstens seinen Gestehungsort und das Datum aus (was ich persönlich verweigere), wenn man sich das Schild am Käfig dicht vor die Augen hält und zu lesen versucht. Dieses Schild schützt mich nicht. So eins hat man mir bei der Ausgabe gar nicht erst mitgegeben. Es war die falsche Ausgabe und die falsche Angabe, die ich bekam. Es schützt zwar, aber nicht mich. Mit diesem Zeichen, das in meine Rinden eingeschnitzelt wurde, werde ich nicht siegen, sondern immer nur weiter über die Ufer treten. Ich werde eingedämmt werden, schon beim ersten Schritt. Gehen Sie doch dorthin, nein, hierhin geht nicht, wird mir bedeutet, aber ich verstehe die Bedeutung nicht, dorthin, wo Ihr Tier gekämpft und geflegelt und geschrieben, gekegelt?, nein, alles geregelt hat!, mit den Außenwettern nie zufrieden war, sein Inneres leer fühlte oder sich grad erleichtert leerte. 

Aha, deshalb schreien Sie schon wieder! Drücken Sie mal diese Flasche zusammen, Ihre Kräfte werden nicht reichen! Und in dieses kleine Jausensackerl mußte hinein, was ausgeschieden, verworfen wurde. Diese Krähe zerrt schon am Papier, eine andre will auch zerren, sieht aber, daß die Tüte leer ist, in die gar nicht erst was hineingesteckt wurde, was das Tier nicht wissen kann. Da wäre was zusammengekommen, kann ich Ihnen sagen! Nein, mit Ihnen nicht! Das will allein sein, endlich. Dort, in dieses Sackerl, verworfener noch als Sie, muß das Innerste des Menschentiers hinein, das Sie sich so sorgfältig aufgehoben hatten, ja, aber doch nicht für mich selbst! Mich habe ich schon. Ich kenne schon, was da steht. Von mir aus, das Papier, das ich beschrieb, mußte dennoch dort hinein, obwohl doch jeder längst wußte, was dort stand. Wer will mich? Also das Tierische in mir, zehn Deka Extrawurst, muß jetzt hier rein, es hilft nichts! Die Vögel warten auf ihre neue Fleischhaube. Der Name einer Schlächterei steht drauf. Viel ist es ja nicht geworden, alles in allem! Diese Tiere haben nichts andres im Kopf als ihr Fressen. Alles ist in allem ist in mir nichts, was ein Supermarkt nicht auch hätte, nämlich alles. 

Meine Zunge schlägt gleich zurück, warten Sie nur! Vielleicht kriegen wir doch noch etwas zum Essen herein, vielleicht ist das noch gut, nicht nur für Krähen, etwas Anreiz und Aroma, damit Sie den Braten riechen und sich zurückziehen von diesem Eislaufverein der Gefühle in Ihrem Innersten. Wenn Sie mir den Fuß abschneiden und vielleicht noch den rechten Arm, nein, den linken, den rechten brauch ich, und wenn Sie vom Ripperl, Sie neuer Jack the Ripperl, noch was runterschaben wie beim Dönerabkratzen, dann geh ich vielleicht im Ganzen rein und bleib dann auch drinnen, im gut ausgestopften Zelt der Begierde, dem es sofort die Stangen raushaut bei meinem Anblick, dem Anblick seiner Erfüllung, welche, Ehrenwort, vorhin hab ich gelogen, jetzt aber stimmt es, etwas zu füllig ausgefallen ist. Bin ich schon drin? Okay, ich bin drinnen. Das ist aller Ehren wert. Und wärs nur, um nicht ganz draußen zu sein, um nicht von mir selbst essen zu müssen, wozu auch kein andrer gezwungen werden sollte. Jesus geht ja auch nicht zur heiligen Kommunion, um sich selbst zu fressen! Wer sagt das? Jemand wie Sie kann sogar Jesus eifersüchtig machen wegen diesem weißen Leib, den ich früher, selten, aber doch, zu mir nehmen durfte, allerdings in seiner Mini-Ausgabe, welche am Kruzifixschalter gegen eine kleine Gebühr ausgegeben wurde. 

Haben Sie auch so einen? Oder gar einen besseren oder zumindest einen ähnlichen? Dann kommen Sie zu Willhaben, sonst will Sie niemand haben. Das Fleisch des Lamms hab ich mir auch anders vorgestellt. Der Karfioltrust stellt das Beilager zur Verfügung. Fürs Blut muß ich mich separat anstellen, dort, wo die Leute berauscht und glasigen Blicks den Kelch zurückstoßen und davontorkeln, sie haben sich schon anderswo bedient. Sichern auch Sie sich rechtzeitig Ihre Zählkarte, aber zählen werden Sie trotzdem nicht!

Es würde dort schon hineingehen, mein Fleisch, mein armes Gewebe, das nur schlampig zusammengenäht ist, an manchen Stellen reißt es bereits, an andren wölbt es sich, ich ärgere mich immer wieder. Ja, gehts noch? Wenn es seinen dünnen Zorn noch etwas mehr zusammenquetschte, dann dürfte es in einen Strick-Bikini (also nicht gestrickt, sondern aus so Stricken bestehend halt, einfach bestrickend!, bitte um Entschuldigung) rein, aber von selber gehen kann es leider nicht, und wenn, dann gings nicht dort hinein, sondern gleich, ohne Umwege, hinaus, woandershin, um was Neues zu erleben, egal. Bei den anderen geht es dann, ja, gehts noch?, dort spielt die Musik, die schaffen das, gehen müssen sie schon noch selbst, die vielen, die anderen, die unübersehbar vielen, denen man nichts nachsieht, die dennoch recht fröhlich in die Tüte gekommen sind. Bis man einmal selber dran ist. Und zwar gehen sie jetzt alle fort, sie gehen gern alle fort, immer wieder, um jemand anderen kennenzulernen oder gar niemanden. Oder jemanden, der leider schon jemand anderen kennt. Mein Haus zieht eine Grimasse, es weiß schon, was jetzt wieder kommt: endloses Gejammer, Geheule, bis die Sterne nicht einmal mehr ein Klacks, nein, nicht einmal ein Klecks in all der Schwärze sind, die mich umgibt. 

Ich bleibe übrig, der Routenplaner reicht mir einen leeren Bildschirm herein, vielleicht soll ja ich ihm was reinschreiben?, ich weiß aber von nichts. Der Rentenplaner rechnet mir etwas vor, was soll ich damit anfangen und mit wem? Nicht einmal der Leuchtturmwärter dort drüben kanns verwerten, als Alleininhaber der See, der ist jetzt Vegetarier, aber auch nur bei mir, typisch! Das ist ja Fleisch, schreit einer, bäh! Da hab ich mich gefürchtet, Jahr für Jahr, und jetzt bin ich nichts mehr, nicht mehr zum Aufessen, wie meine Mama einst sagte, sie hatte mich halt zum Fressen gern, bevor sie mich fraß. Einer, nein, sogar zwei, nein, doch nur dieser eine schaut sich vorher an, was er da ißt, er forscht nach, ob da Gräten drin sind, Knochensplitter, Blutschlieren zur Zierde drübergegossen, aber bis in die Steinzeit geht er nicht zurück, nicht einmal zu mit hohler Liebe und dröhnendem Erz bewaffneten Männern, die heute Küchendienst haben, weil die Frau ihre Freundinnen trifft. Er wartet lieber, der Eine, wir alle warten mit ihm, daß etwas Besseres nachkommt, das er besser verträgt, das auf seine Allergien und Unverträglichkeiten Rücksicht nimmt, das mit dem Außenwetter und den Anlandungen und Ausscheidungen von Schiffen auch noch sich verträgt, über die er wacht. 

Doch dieser Ozean ist höchst unübersichtlich, dieser dahinströmende Ort. Ein Genießer ist er ja, dieser Wärter, doch nicht einmal die eigenen Tiere darf er genießen. Er hütet sie nur, in unserer geheimen Kammer. Die nackten Toten schlagen mit ihren Bestecken auf den Tisch, sie haben noch keinen Nachtisch gekriegt. Aber die Mergel-Leiber, die zur Auswahl stehen, sind bitter, alt wie ich, versehrt, durchlässig geworden, grundverkehrt. Nicht doch!, das ist schon Kalk! Es hat sich ausgemergelt. Was Leiber nicht sein sollten, man sollte schon wissen, wo vorn und hinten ist. Nichts paßt zu nichts. Und das hier zu keinem. Diese Schiffe machen sich an, wenn sie kentern, und verpesten einfach alles mit ihrer schwarzen Teerklebrigkeit. Und die Vögel kriegen ihre Flügel nicht mehr hoch. Sämtliche Flüge sind gestrichen.

Dann halt auch Tierisches, von mir aus, nehm ich es halt, wenns mir schon hingehalten wird und nicht ich es bin, die man ständig hinhält, das Animalische wächst ja auch nicht auf jedem Baum! Woher ich weiß, daß sich das so verhält? Na, weil es sich so verhält! Das macht aber nichts, andres Fleisch und noch mehr Fleisch reichlich vorhanden, bloß an den falschen Stellen. Und auch dieses ist schon abgenützt, nicht einmal töten lohnt sich noch, ein Probebiß ins Genick des Gesunden beweist es, wir haben dieses Fleisch geschnitten, wir haben unsere Messer geschliffen, wir haben uns geschnitten, wir haben das Korn ebenfalls geschnitten, das sich geduldig einbringen ließ, viel Zeit hätte es nicht mehr gehabt, es ist da anders als die Zeit, die sich einfach nicht einbringen läßt. Wir haben diesen Menschen dort geschnitten, doch er hat gar nicht gemerkt, daß wir uns von ihm abwandten. Es ist ihm gar nicht aufgefallen, daß ich ihm nicht gefalle, er mir aber schon, nützt ja nichts, wenigstens nützt man sich nicht ab. Er hat meine Augenpredigt nicht verstanden. Die (wer?, die?, wer soll das denn sein?) sind alle inmitten ihrer eigenen Menge, gleichstarke Menge Mehl und sonst noch was, die nichts sonst neben sich duldet, mit großem Abstand um mich herumgeschlichen: mit uns nicht! Mit uns entsteht hier kein Gleichschwer-Kuchen. Mit jemand anderem aber schon, gell! Wie soll mein Animal da reich werden? Wie soll es ein Reich werden, in dem man müßig herumgeht, bis die Füße splittern?, bis die Balken im Auge brechen? 

Herumgeht also das Tier, das die Jubelschale nicht bloß spürt, sondern sich ergießt, aber schon das Bloße ist eine Zumutung, man sollte es bedecken, man schreit: Das bin ich ja selbst! Bloß ich bin das, was selber ist, nur keine Angst! Ich zeichne mir das hier an, falls ich darauf zurückkommen möchte. Welches Seiende innerhalb der Seinsfrage die vorzügliche Rolle übernimmt, wird nicht erörtert. Das Dasein ist zwar ontisch nicht nur nahe oder gar das nächste — wir sind es sogar je selbst! Ende der Durchsage. Beginn des Aufschubs. Mit mir kommen Sie nirgendwohin, und mit meinem Denken schon gar nicht!

Doch selbst ist der Mann (selber ißt er schon, ißt er auch brav? O Gott, ihm schmeckts nicht!), wie soll sein Tier also endlich herausgelassen werden, nachdem seine Tritte schon alles, was schön war oder was ich mühsam unter einem stark vergrößernden Spiegel aufgetragen habe, alles auf meiner Gesichtswand mühsam Aufgetragene wieder zerkratzt haben, bis es abgetragen und abgeschabt war, wie soll das gehen?, was bitte soll das Tier dann machen? Wenn es da hilflos am Fuß der Kletterwand liegt, die bei mir eine Klettenwand ist, ein Klettengewand, weil ich an fremden Menschen immer gleich so hänge! Kaum habe ich einen Menschen auch nur einmal gesehen, schon hänge ich an ihm, schon hängt es am Haken, mein liebes Tier. Es wartet nur darauf! An mir hängt es nicht. Mich will es dauernd wegwerfen. Aber nein, das macht es nicht, wo ist es heute überhaupt? Ach, dort klebt es ja, am Boden!, inmitten seiner Beine, seiner armen Gebeine. 

Wozu das alles? Keiner verwehrt ihm doch den Zutritt, es weiß nicht mehr, wen es noch treten soll, die Tür steht doch weit offen. Nein, es wartet nur, das zitternde, ängstliche Vieh, es wartet nur, daß noch einer zutritt, wenigstens einer noch!, dann fällts ganz auseinander, und dann ab ins Grab einer fremden Brust. Der Rest ist Erde. Sofort, kaum berührt, manchmal schon vor dem Tritt, ist es mürb und müd geworden, das Fleisch, mein alter Untermieter, der so viel zahlen muß, nur damit er da sein darf, doch wahrscheinlich gehört ihm inzwischen die ganze Wohnung. Es will nicht mehr warten, will nichts mehr lesen vor dem großen Einschlafen, die brustschwache Birne flackert, bitte, wer kauft mir das denn noch ab, mein Fleisch, wo es doch längst in den Schönheits- und Jugendfabriken hätte gezüchtet werden können aus ein paar Zellen, nein, nicht Parzellen!, aus denen es dann noch ein einziges Mal furchtlos heraustreten hätte können, zum Genuß geeignet, hoffen kostet ja nichts. Doch über meinem Fleisch bin doch ich aufgespannt, sehen Sie das denn nicht?, na ja, gespannt würde ich nicht grad sagen. Dort spannt er, mein Schirm aus Menschenhaut, er reißt beinahe, wie Sie leider sofort merken, ein Schirm, der nichts abhält und auch nichts mehr reinläßt. Da zieht ein Gewitter auf, mich verschont es wohl im Wetter meines Herzens. Die Tropfen würden springen auf meinem straffen Fell! Überall sonst sind jetzt die Schlüssel ausgetauscht worden, eine vernünftige Maßnahme gegen mich, denn jetzt finden Sie das Loch nicht mehr. Dabei ist gar nicht abgesperrt, sehen Sie das denn nicht? Sie haben es nicht einmal probiert, geben Sies zu! Ich muß wohl warten, bis sie sich alle erneuert haben, die Zellen, angeblich dauert das zehn Jahre, und die hab ich nicht. Ich weiß ja schon jetzt nicht mehr, warum ich überhaupt eingesperrt worden bin.

Die Worte: nicht meine, meine schwanken noch vor Fassungslosigkeit, aber die wichtigen kommen schließlich aus Farmen, auch sie gezüchtet und sofort gezüchtigt in irdischen Schüsseln (die beiden Wörter, ja, die mit züchten, kommen bei mir immer zusammen, ein bisserl was geht immer, aber nicht überall, züchtig ginge hier vielleicht auch noch, sie kommen jedesmal wie gerufen, die Guten!), als sie die Augen aufschlugen. Eier als Spiegel!, die vor dem Frühstück schon sterben mußten von ihrem eigenen Anblick. Auch das habe ich nun wirklich schon oft gesagt. Bei meinem Leben! Da erwachte meine Lust und wurde gleich aus ihrer Höhle gestoßen oder gestochert (danke dem Dichter, der mir hier aushilft!). Ich schlage Erde, bis sie schaumig wird, dann gieße ich sie über meinen knappen Vorsprung, den ich vor anderen habe, aber die haben doch auch alle einen! Jede Frau hat ihren eigenen Vorsprung. Sie sieht nur nicht, vor wem, sie darf sich ja nicht umdrehn nach ihrem Stab, den sie vergessen hat, wenn sie hoch springen will. Das soll der Mann aber nicht machen, Vorsicht!, sonst tötet er die Frau mit seinem Steinschlag. Die Messer rotieren derweil ums Fleisch, darum geht es immer, es muß ja überall was weg. Dieser Sprung muß also weg, er würde sowieso fehlgehen, wenn man ihm eine klebte, das sieht man doch gleich! Die Richtung stimmt schon mal nicht. Fürs Anstückeln wiederum braucht man ein andres Gerät, das sich mutig, aber wenig anmutig in die Säulen der Liebe stürzt, damit es getragen wird wie dieser Stab und nicht mehr selber gehen muß. 

Ungestümer kleiner Körper, was machst du da? Du versperrst dir den letzten Ausweg, zersplitterst in deiner eigenen Hand, statt auf eine fremde zu warten. Etwas wird gestürzt, und dann ist es wieder ein Stück mehr geworden unterm Glassturz, in dem es auch schon knackt wie in einem fehlgebrauchten, abgenützten Gelenk. Wie haben wir uns das vorzustellen? Sie werden es uns gleich sagen. Ein Pudding, an die Wand genagelt vielleicht? Darf ich servieren? Nein. Ich kann nicht mehr warten, bis er aushärtet gegen mich, bis er sich verhärtet. An meiner Zeit ist innen, wo mein Narrensaum ist, nichts mehr vorhanden, das noch angestückelt, und nichts, was noch zugegeben werden könnte. Diese Frau ist nur Stückwerk, ja die! (sie meint mich!, eine Frechheit sondergleichen!), sie ist das, was dort geht und noch widersteht, das andre wieder ist sie nicht, was man grad für eine Reparatur brauchen könnte, für die man das alles ausgeschlachtet hat. Und wenn es einmal um etwas geht, dann: wohin? Ist egal, es folgte ja doch keiner, es folgt mir keiner nach, und wer mich liebt, der folgt mir schon gar nicht. Dieses Fleisch hat keinen Nachfolger gefunden, es muß in die Erde, und zwar allein. In diesem irdischen Höllentümpel darf es nicht verweilen, in dieser Klärgrube, in der ich herumstochere, bis sie sich jedem andren auch noch öffnet, o Gott, da sind ja tausend tote Schlangen drinnen!, hängen über den Rand des Kübels, mit dem man sie ausschöpft, die unnütze Grube. Was die wohl dort gesucht haben? Nicht einmal ein Tier macht dort noch rein. Schon lang nicht mehr. Es hängt sich eher noch selbst rein, wir erwarten eine kleine Leistung von ihm, sonst essen wir es auf. 

Ein Schlangenschlachthaus! Sowas haben Sie noch nie gesehn! Wer soll das jetzt aufräumen, die sind dermaßen ineinander verknotet, keiner kann sie wieder trennen, die Liebeskörper, nein, die Todeskörper, die trauernd, ein einziges Gewimmel, über die Ränder baumeln, wer soll diese Verlorenen bändigen auf dem Irrweg, den sie gekrochen kamen? Wer kratzt es aus, ihr Grab, wer nimmt die Reste, wer trägt sie aufs Feld, damit es besser gedeiht? Das macht wieder mal nur einer, das Ausschöpfen des Sickergrabs, ein Schöpfergott, der uns aber lieber schröpfen will, der keine Arbeit scheut und genügend Brennmaterial hat, daß er eine Feuerstelle draus machen kann, wenn er will. Damit wir warmes Wasser haben. Was? Ich bins, die gefeuert wird? Und da machen Sie mir noch Feuer unterm Hintern? Damit es schneller geht? Dem Tod soll kein Reich mehr bleiben, danke, Dichter, daß du mir auch hier ausgeholfen hast. Kein Gewand mehr, das zu groß wäre: die Zeit. Alles zu eng, wie soll man sich da bewegen?, Bewegung jedoch nicht mehr nötig. Außerdem kein Platz mehr dafür. Hier war nur Platz für eine einzige Bewegung. Vielleicht kommt sie ja wieder.

Taktgeber springen an, springen Menschen an, doch die bleiben taktlos und empfehlen für diesmal den Englischen Gruß. Kennen Sie den? Ein Körper wird angekündigt, in Bethlehem ißt man ihn gern roh, der sich durch ein Dickicht seiner eigenen Kraft, von der er in Kenntnis gesetzt wurde vom Vater, hindurchgekickt und eine Jungfrau nebenbei auch noch geknackt hat, ohne daß sie überhaupt was merkte. Doch es hatte Folgen! Die Folgen hat man an einem wahnsinnig tollen Mann gesehen, der aber derzeit noch reinwachsen muß in seine Krippe. Er war da und ist schon wieder fort. Das kann schnell gehen, daß man stirbt und sich in die Wolkenscharen hineinzwängt. Oje! Die Kraft hat er unterwegs verloren, das, was vom Körper übrigblieb, und dann ab mit dem Rest in die Gruft, aus der man nach drei Tagen eh wieder rauskommt und, im ziellosen Schlendern, zufällig ein paar Anhänger trifft. Noch von früher. Die kennen einen noch und haben sich inzwischen sogar ausgebreitet. Na, geht doch! Die Schrift schon nicht mehr leserlich, also die Anhänger können sie jedenfalls nicht mehr lesen, denn viel geht nicht drauf auf das Fenster des Telefons. Sie müssen die Vorhänge zuziehen, sonst sehen Sie ja nichts! Von mir aus, schauen Sie: Mich hat er nicht getroffen, der Herr, ich bleib drinnen und hab meine Ruh. Das gebe ich vor, weiß aber nicht, wem. Etwas viel Vorgabe, doch keiner nimmt sie an und rechnet sich was aus. 

Das Alter wurde mir vorgegeben, es wurde mir schon in der Wiege gesungen, aber von mir nicht vernommen, denn da stand bereits Mama und wollte sich stattdessen in mir verewigen. Hat nicht geklappt. Ich bin da, sie ist weg. Dabei sollte das Alter doch irgendwie unten dran, angestückelt werden, nachdem man den Krebs überstand, dort, wo man nicht so genau hinschauen darf, also irgendwie halt daneben, wo das frischgewachsene Fleisch nicht gleich ausreißt, wenn man dran zieht. Wenigstens der Saum sollte ausgelassen werden können, weit wird er nicht kommen, doch so wars geplant. So lang ist es auch wieder nicht her, daß Sie das gehört haben und ausgelassen aus sich ausbrachen. Sogar Bäume hätten Sie ausreißen können! Ich brauch sowas nicht zu können, was kann ich schon!, aber ausgelassen bin ich, wo ist das passende Fest dafür? Bin grad so schön im Schwung. Sie sehen ja, was draus wurde. Nein, dieser Ort strömte an mir vorbei. Was über der Erde nichts mehr zu suchen hat, findet es darunter, aber dort sucht erst recht keiner mehr danach, in der Knochenmühle unter dem Sterngebein.

Da wirft sich freiwillig so ein blöder Fetzen von mir, was halt noch übrig ist, vor den Hund der Gier, der schnappt gleich nach mir, hat vorher nicht geschaut, wer da kam, der arme Hund, hat auch sein kleines Reich verloren, er hat aber einen Zettel an seine Hütte gemacht: Unbekannt verzogen, nehmen Sie sich, was Sie wollen, ein paar Knochen müßten noch übrig sein, nicht mehr viel dran, das Wasser sollten Sie wechseln, Ihren Körper bei der Gelegenheit auch gleich austauschen oder ändern lassen, was nicht immer eine Verbesserung bedeutet, Willnichthaben! Also Sie wollen nichts, vor allem mich nicht?, das gefällt mir aber gar nicht. Sie sind ein typischer Fall von jemand, der alles bekommen kann und nichts will. Nein, umgekehrt, der alles will und nichts bekommt. Der Schlüssel zu mir ist unter diesem Stein, der auch einst ein Körper war, sich jetzt aber leider aus der Steinzeit ins Unbekannte verzogen hat. Jetzt sollen sich ruhig andre ausziehen und auf sich aufmerksam machen, für die ein Aufdecker eigens mit seinem ganzen Himmelszelt angerückt ist, damit man sich gegen das dumme Strahlen der Sonne verborgen hält und einem niemand den grauen, rauhen Kopf hochreißt und die Falten beiseiteschiebt, um die Kehle zu finden. Hätte ich meine Kehle noch, welche durch ein stereotaktisches Gerät ersetzt wurde, ich würde lauthals singen. Taktik ist das aber keine! Ich könnte auch einen Himmel versprechen oder irgendwas andres, egal, dem Tod soll kein Reich mehr bleiben, das habe ich schon öfter gesagt, und nicht einmal ich, ein andrer, der nicht ich ist und sich darüber sehr freut. Jetzt steht er endlich im Freien, da ist er total nackt. Viele interessieren sich jetzt für ihn. Der Abdecker wäre hier zuständig wie in meinem Antlitz auch, rufen wir ihn an. Wen interessiert Außer-sich-Sein? Es gibt alle, zur freien Entnahme, außer mir, die schwer zu kriegen und irgendwann stehengeblieben ist, damit man sie auch ganz sicher erreichen kann. Er sieht mich immer noch nicht, dieser Streber!: nicht mit mir! Und für den bin ich aus meiner Hütte gekrochen? Hütte ist übertrieben für mich gute Haut. Er ist gekommen und auch schon wieder gegangen. Kaum meinen Namen hat er sich gemerkt. Oder nur den Namen, mich aber nicht. Ich bin außer mir! Warum sollte sich denn ein andrer ausgerechnet dort aufhalten, wo ich nicht bin? Als ich mich endlich entschieden hatte, blieb mir auch dort nichts mehr übrig. Sogar die gemähte Wiese hat der mitgenommen, wer immer, der Zahlen zählt und Namen nennt. Ich arbeite mich hier unter meiner Steppdecke tempelhüpfend (Himmel oder Hölle?) Karo um Karo vor, um Ewigkeit zu schaffen. Doch das ist kein Haus, das sind ja bloß Kreidestriche am Boden! Nein, für immer ist nichts. Denn anders gehts auch. 

Mach weiter, mach endlich voran, Dichterin, irgendwann bist auch du wieder fertig! Abschreiben werde ich doch wohl noch können, dann gehts nämlich schneller! Für den geilen Mann bei mitternächtlich krummem Lodern des Herzens Hufeisen schmelzen? (Da habe ich was ausgelassen, nämlich des Löwenkopfes Ferse, klar, jeder Kopf braucht eine Ferse, meine hat mir dieser Achilles geklaut, schon lang, er hat ihr davor noch den Sporn gegeben.) Das Fleisch braucht sich nicht mehr zu fürchten, kein Zauberstab verwandelt es mehr, gieriges Fettgewebe (konnte es wohl nicht erwarten, über die Ufer zu treten?, Treibgut loszutreten?, Teile zusammenzufügen, die jeder vernünftige Mensch lieber getrennt sehen würde und auf jeden Fall woanders?) wuchert von den Augen herunter über den geschwollenen Genußmund, der so recht hervortritt und noch zusätzlich treten möchte, doch keiner tut es, er kann auch anders, man hat ihn doch extra dafür operiert!, aber er tut es nicht, und ich kann nicht anders als ihn bemerken, dafür wurde er ja geschnitzt und an die richtige Stelle geschoben, die aber die falsche war, während dieses Zahnimplantat ungewollt in die Zahnhöhle wanderte – typischer Fall vom Richtigen im Falschen!

Man sieht es unwillkürlich ständig an, man braucht es ja auch ständig, dieses Loch im Antlitz, man kann nicht ungesehen bleiben mit diesem prallen Mund, ob man will oder nicht, man bemerkt ihn, wenn er da aus dem Gesicht herausspringt wie ein wütendes Boot, das zu stark aufgeblasen wurde, zu klein immer noch für die verzweifelte Flüchtlingsschar, welche die Überfahrt wagen möchte, aber die Überfuhr längst verpaßt hat. Also wirklich, Elfi, gehts noch? Jetzt hast du dich aber überhoben! Wenn das hier noch dicker werden soll, mußt du dich im ganzen auf die Tastatur legen! Und spricht und spricht und spricht, dieser Mund, und ißt und ißt und wieder spricht und widerspricht, in einem bösen krummen Licht, der Stab, von Zauber keine Spur mehr, wüßte nicht, was verwandeln und, vor allem, was in was verwandeln. Was anderes wurde gewünscht, sehr gern, bitte sehr, wann darf ich servieren und vor allem: was? Von allem was! Das frage ich immer noch. Was hat es da schon wieder gemacht, das andre, hat es das andre auch schon gemacht, hat es was anders gemacht?, werde ich es Ihnen jetzt sagen können? 

Was hast du gemacht? Genau diese Worte sprach ich, als jemand, während er noch an meinen tropfenden Lippen hing und dabei nicht rechtzeitig vom Telefon wegkam, um zu löschen, mit seinem Toaster die ganze Küche angezündet hatte. Nichts von alldem hätte gereicht, um wieder rasant und jung zu werden, damit man rechtzeitig rauskäme. Diese Küche hing am andren Ende der Datenleitung, und sie brannte lichterleicht, nur das Telefon nicht, in welches ich sprach. Sowas passiert. Dem Kleid eines Kindes in der Kirche ist es auch passiert, hopperla, das sich in die Teelichter dort getaucht hatte, fast wäre auch ihm eins gewidmet worden. Eine Frau schlug jedoch mit Feuereifer die Flammen aus. Ich? Was fragen Sie nach mir, bei mir und für mich hat ja nichts und niemand gebrannt! Was mir alles ausgeschlagen worden ist, fast alle meine lieben Wünsche! Ich hätte meinen Narrensaum glatt hineingetunkt, als Docht für meine große Flamme, die aber auch längst weg ist. Zeit wars!, daß sie sich verdrückte, zwei Finger um den Docht gelegt, und ich?, gefangen in meinem Laut und Lauf, die mich beide nirgendwohin brachten. Mein Wort, es drischt auf alles ein, was ihm in den Weg kommt, na servus!, dieser Mund erst, der schlägt um sich! Na servus! Dort, bei ihm, soll es rauskommen. Doch das alles kommt aus seinem verlassenen Schneckenhaus nimmermehr heraus. Das Grab und mein unruhiger Leib sind nicht versperrt für dein Kommen wie Stein, und der endlose Anfang von alten Kinderwünschen findet hiermit sein Ende. O, wär ich doch mitgegangen! Tschinn bumm krach! Das Kind hat am Watschenbaum gerüttelt. Oje, tut mir leid, es hat aber noch Zeit, wieder gesund zu werden. Alles hat, alle haben noch Zeit, nur ich habe keine mehr.

Da schlägt einer schon wieder auf meine schmerzliche Niederlage ein, damit sie noch schmerzlicher wird. Aus der sollte eigentlich rasch und unkompliziert eine letzte Runde Ruhe werden können, wenn man nur ein bisserl herumschraubt und sich dazu in den Plastiksack lügt, den man am Hals fest zuziehen muß, dann tropft wenigstens nichts heraus, man kann noch ausatmen, aber nicht ein. Da ist doch tatsächlich noch einer zum Abschiednehmen gekommen, sieh mal an, ein Nachzügler, der aber die Zügel nicht gefunden hat, nun ist er allerdings schon wieder weg, ja, schon länger. Nun hat auch meine Stimme, etwas verspätet, mein Haus verlassen, sich aus meinem Wassergewinde hinausgewunden, damit keine Spur bleibt. Nichts konnte sie halten. Auch ich selbst nicht. Nicht mehr zum Verzehr geeignet, steht eh auf dem Etikett mit dem Datum, haben Sie nicht geschaut? Hat er natürlich nicht gelesen, der Kontrolleur, nein, Kondoleur, er hat sich kurz täuschen lassen. Dieses schreckliche Verfallsdatum, das muß mein Feind erfunden haben!, von mir kann er es nicht wissen, ich weiß es ja selbst nicht. Wer kommt schon auf eine solche Idee, mir eine zu kleben, ausgerechnet jene Hand haut er mir rein, mit der er mich aus der Truhe erwählen wollte, mitten in mein Antlitz, auf der mein Gestellungsdatum draufsteht und wo ich mich dann zu melden habe, genauso, wies auf diesem verfallenden Packl Fleisch steht, das einer dann doch noch mitgenommen hat, im letzten Moment, es war nämlich echt stark verbilligt, cool. Das schont das Börserl. So rettet sich der Profit, indem er sich klein macht. Das hat dieser Mensch doch angestrebt, das hat er doch absichtlich getan!, dafür ist er stundenlang im Supermercato gestanden, bis das Preisschild geändert war und er endlich zuschlagen konnte. Doch er hat den Wirt ohne die Rechnung gemacht, denn was er sich vielleicht ersehnte, mein mit Botschaften verpflasterter Leib, nein, das ist nur mein Leiberl!, und alles selbst geschrieben!, das war gar nicht mehr drin im Warenkorb. Nicht einmal für die Statik, nein, die Statistik taugt er noch. Da hat wohl ein andrer Hand angelegt, ein Hiwi für Hades. Bin schon unterwegs!

So, und soeben erfahre ich, daß der gar nicht für mich bezahlt hätte! Daß er mich sogar gar nicht gesucht hat! Hat mich noch an der Kasse weggelegt! Er wollte nur die Preise vergleichen!, sagt er. Daß er gar nicht mich gemeint hat! Genau damit hatte er gerechnet, daß er Fleisch kriegt ohne Verfall, aber dafür stark, ihm aber noch immer nicht genug verbilligt, das bin doch nicht ich!, daß ich sterben soll, jetzt schon?, jetzt schon!, daß ich gar schon tot bin und eingeschweißt, noch vom Todesschweiß her, windig und leer, nein, windig nicht, in der Packung ist ja mit voller Absicht alles luftleer gemacht worden, ausgesaugt alles ungesagte Unsägliche. Und unterdrückt, ich meine unter Unterdruck. Nicht magnetisch wie ich ja auch nicht: das Schild. Eher magisch? Nein. Zauberei ist das keine. Spricht auf etwas an, das ich nicht kenne, das in einem kühlen Kreisel um den Abfluß herumjagt, irgendwie abschätzig spricht es oder wird von ihm gesprochen. Der Kunde hat falsch geschätzt, aufschätzen hätte er sollen, abwerten geht aber auch, wenn der Schätzpreis nicht eingehalten werden kann. Wer mich geschätzt hat, hat mich nicht geschätzt. 

So wird Dauer betrachtet, wenn man nicht einmal für die Zeit hat, keiner weiß, wie lang es noch dauert, das ist es, was ich suche: Dauer!, Dauer, aber von nichts. Wer liebt, der dauert mich wirklich! (Ja, ja, ich weiß schon! Dauerkalauer! Schreien Sie nicht so!) Ich schau der Zeit schon nichts ab, wenn sie sich entblößt oder andre dazu verleitet, sich zu entblößen, am Sand. Dabei können die Herren es doch gar nicht, aus dem Stand jedenfalls nicht, und sollten es auch nicht. Auch keine Pickles von sich verschicken mit Schwanz drauf, das ist jetzt verboten. Man muß dafür zahlen. Scheiß drauf! Den muß man nicht zeigen, der fällt schon nicht ab, man kann ihn später auch noch in Ruhe fotografieren, was aber keinen interessieren würde, wenn nicht ein Mensch dran hinge. Also ich sehe keinen. 

Und sehen Sie was andres!, nicht einmal dieser Moment, in dem abgedrückt wird, gehört mir allein, er ist verflossen, eine Woge von Gift wurde in die Bananen gesprüht, wegen der australischen Springspinne wärs, die wissen ja, daß ich keine großen Sprünge mehr machen kann. Nein, geschätzt wird hier nichts mehr, die Letzte beißen die Hunde. In meine regengegnerisch geschützte Zunge, diese Krawuzikapuze, beißt keiner mehr hinein. Ist man zum Verkehr nicht mehr bereit, dann leuchten dennoch die Ampeln immer weiter und fort und sofort, als wär nichts gewesen. Wenn man sich nähert, weit über ihre Zeit hinaus leuchten sie, es leuchtet auch mein Strahlen, falls da jemand doch noch meine kleine Welt queren möchte, wie jener Kleinwagen einer automobilen Pflegerin, der mich am Zebrastreifen niederstieß. Die meisten Gefährder (wie die Gefährdeten) brauchen aber gar kein Licht, um die Straße zu überqueren. Sie sehen schon von hier aus, daß ich dort nicht bin, und gehen beziehungsweise fahren in ihre Beziehung los, die nicht meine ist.

Sie müssen ja nicht teilnehmen an dem, was da anrollt, diese Lichter, die blöden, die immer falsch gepolt sind oder woanders hinleuchten, wenn man wenigstens einmal noch vor dem Übergang ins Andere durchstarten möchte, noch schnell über die Kreuzung, wie dieser kleine Wichtel, der mich beinahe überfuhr, beinahe wäre der über mich drübergerollt, macht ja nichts, dann wäre er trotzdem kein SUV geworden, obwohl er mich weggeputzt hätte wie nichts, ja, genau dort, wo ich einmal umgestoßen worden bin, nein, sogar zweimal, ja, schauen Sie nur hin, und bedecken Sie Ihren Kopf, es wird gleich regnen. Der Himmel hat sich schon verdeckt, die Körper sind verdeckte Ermittler, deshalb sehe ich sie ja nicht, mich decken sie aber nicht zu, das muß später der depperte Schnee machen, der Schnee, dieses stumm leidende Sportgerät: Geht da noch was? Es geht immer abwärts, sonst würde man diesen Sport ja gar nicht üben, einüben und ausüben, es sind doch jede Menge Ungeübte unterwegs, oder man müßte die Landschaft kosmetisch operieren, damit sie zu den Ungeschickten, die nicht einmal wissen, wer sie geschickt hat, paßt. Man müßte sie oben ein wenig anheben und unten ein wenig absenken, diese Landschaft, und davor muß man natürlich erst mal hinfahren. Was folgt daraus? Hundertmal laute Leute und ihre Laute, geschrien auf diesen Pisten, daß ein andrer sofort ausweichen soll. Man ist immer schneller, vor allem, wenn die andren langsamer sind. Das macht er ohnedies, der flotte Läufer, der traut sich was!, nicht ausweichen, ums Verrecken nicht, sein Motto, seine liebste Dosenmusik stets im Ohr, die ihm genau das Gegenteil sagt, bitte bleiben, ja, genau dort, genau mittendrin, wo es jetzt auf einmal richtig laut wird!

Wo du hingehst, dort will auch ich dahingehn, sagt die Musik. Nicht für mich, nicht für meine Ohren geeignet, zu jugendfrei, aber vielleicht können andre die Melodie noch brauchen, hast du Töne! Nicht mich hat man, nicht einmal im Ohr hat mich einer. Für mich steigt er nicht einmal vom Leitersprissel, mit dem er sich über mich erhöhen wollte. Für mich steigt er nun ab und auf mich drauf. Und dann hupft er ein bisserl aus dem Stand. Lassen Sie mich mal schauen: Da war doch niemand, da war keiner, auch oben nicht, und unten kein Trampolin, das müssen Sie geträumt haben, haben Sie etwa vom Sieg im Sprung, ich meine, im Springen, geträumt? Woher denn! Wenn ich wüßte, woher, würde ich ihn mir nehmen oder stehlen, diesen in der Luft erstarrten Sprung. Habe ich jetzt Skier an den Füßen beim Absprung, oder bin ich dabei ganz allein, ganz allein dabei? Sterbe ich vor meiner Schlafenszeit, etwa sogar vor meiner Schaffenszeit? Die hätte ich mir sparen können! Ich werde keinen Unterschied merken. 

Haben Sie sonst noch Wünsche? Gut, dann mach ich halt, was Sie wollen, aber Sie wollen ja nichts, ich weiß daher nicht recht, was tun, zwei Schritte vorwärts, drei zurück? Einen aufwärts, womöglich den letzten? Das Rechte wird mir nicht gelingen. Oder nein, da sind ja noch Wünsche, drängen sich zur Paarung wie Würstel, haben Sie noch einen Wunsch, fragen Sie da? Nicht nur einen! Zum tausendsten Mal: Versehrt kann es werden, mein Fleisch, wenn schon nicht verzehrt. Zum Verzehr eignet es sich eindeutig nicht mehr. Klar, daß er ein andres möchte, wer auch immer, der immun gegen mich ist. Schritt für Schritt, immer einer nach dem andern, ist nach dem Tod geboten, hat mir eine Trauerbegleitung gesagt, leider als der Betrauerte schon weg war, außer Haus. Nicht alles auf einmal ausgeben, aber man hat dann eh nichts mehr übrig, für niemanden.

Durch Heubetten traben, wer sagt das?, am Ende sag ich es Ihnen, falls Sie es noch nicht kennen. Lieben, arbeiten und töten, ich spreche hier auch für Tiere, die können das nicht, ja, das machen wir jetzt alles, wo wir uns grade befinden!, in diesem munteren Licht, das aber nicht von der Natur, sondern von der Leuchtspurmunition eines Schiffes kommt, der Wärter merkt jetzt auf und wertet mich und mein schönes, wildes Fieber erst mal gründlich ab: Das kann Schiffe unmöglich gefährden. Das ist bestenfalls erhöhte Temperatur, kriegen Sie sich wieder ein! Die hat doch eh Zeit, die Natur, sonst wäre sie schon längst vor uns geflüchtet! Ein Verschimmel steckt hier alles in seinem Umkreis an. Kiloweise frisches Obst verschwindet im Pelz, wie Venus. Ein falsches Licht ist das gewesen, ein Fake, nicht jede Verkehrsampel gibt Licht wie Milch, manche haben einen Knopf, den man noch drücken könnte, daß etwas eingeleitet wird (gibts noch diese Munition, mit der Schiffe um Hilfe schreien, gibts die überhaupt noch?, irgendwas sollte einem schon noch heimleuchten), und doch kommt es, und es kommt noch schlimmer. Die letzte Ölung, die Versuchung?, nein, die Vorsehung?, nein, der Versehgang, den ich natürlich immer aus Versehen gehe, ständig in die falsche Richtung, wohin ich vor Vorwürfen fliehe wie die Achaier, diese Arschgeigen, nicht einmal ihre Sprache spreche ich, wie schade!, nein, die flohen vor was andrem, eifrig also los jetzt ins Unbekannte, das mir bekannt schien, es muß das Unbekannte sein, denn ich komme nirgendwo an, um jemand etwas zu schenken, das mich nichts kostet, das ich mir schenken kann, und wäre es Gesundheit. Und da meine ich noch nicht einmal mich selbst!, danke, mir gehts gut, zumindest so lalala!, also kanns nicht der letzte Gang sein, der ist dann nämlich für mich allein reserviert, mein Slot wird schon an der Nummerntafel angezeigt, dort werde ich keinen Anstoß mehr erregen, der Ball ist ja längst im Out. 

Neben mir wird in diesem kalten Gang keiner mehr Platz haben. Ich probiere es gleich noch mal und gehe los. Ein Versehen, wie man sagt, davon könnte ich noch und noch mehr anbieten, davon hab ich noch viele. Wer im Reich der Sinne grillen will, dem schmeiß ich eine Sonne entgegen!, er braucht aber eher Fett, einen gewissen Schutzfaktor, genau den braucht er. Kann man auch zum Anbraten nehmen, wo das Fleisch noch ganz schutzlos daliegt. Es ist unsere Grundnahrung, so ein Fleisch, um andre damit fertigzumachen, daß sie vom Tisch aufstehn, bevor sie noch genügend satt sind. Oder sich nach eingehender Prüfung gar nicht erst hinsetzen. Wo Augen fehlen, wo niemand meine Botschaft vernehmen will, sollte doch zumindest dieser Mund hin, aber natürlich woanders. Und hat man einmal einen Mund, weiß man wieder nicht, wohin mit ihm. Nicht in ein fremdes Antlitz pressen wie eine alte Blume in ein Buch! Und auch nicht das eine Antlitz aufs andre pressen! Da muß sogar der Mond grinsen, er ist neuerdings erreichbar, eh schon länger, aber auch nicht von jedem. Nachdem der Mund sprach, wollte er aber gleich wieder seine Aufbaunahrung einnehmen, in flüssiger Form natürlich. Jetzt muß ich das ganze Obst und Gemüse durch ein Elektrogerät treiben! Sogar der Mond würde davon wieder voller. Damit Sie wenigstens anbauen können, wenns für die Höhe im Hochbett nicht reicht, nein, damit Sie woanders was anbauen können, das noch halbwegs irgend jemand schmeckt, obwohl bio. Dieser Mund bringt Früchte ein, spuckt sie aber gleich wieder aus. Windschief steht leider mein Körperhäuschen daneben, wie könnte ich es noch stützen, und vor allem: Wer bringt das noch? Na, meine Worte bringens sicher nicht! Die beziehen nicht einmal Stütze, nicht einmal das eigene Bett.

Ja, vielleicht bin ich wirklich genau die, welche zuviel ist? Auf meiner Seite ist nichts los, das ist die, die sich geneigt hat, doch meine Neigung will keiner sein oder höchstens einer, der selbst schon Stütze braucht. Mich braucht er nicht. Meine Zuneigung will wiederum jemand andrer, der mir neulich geschrieben hat, natürlich ohne Adreßangabe. Das hat er absichtlich gemacht. Was soll ich jetzt schreiben, und vor allem: wem? Am besten gar nichts mehr. Mich und mein Wort, nicht einmal ein Ehrenwort, mich kriegen Sie höchstens als Zubrot dazu, wozu? Sie aber sind doch schon satt, Sie sind total angefressen, mit mir haben Sie nicht gerechnet! Mich kriegen Sie als Zugabe, eine dauernd beleidigte Leberwurst, aber Brot kriegen Sie keins dazu. Das Nötige kriegen Sie nicht, das Überflüssige haben Sie bereits erhalten, Sie haben den Rückschein unterschrieben. Das Nötige bekommen Sie nicht, weil nämlich ich es nötiger habe als Sie, ich wäre zuerst dran, also ich meine: Ich habe Sie nötig, und ich habe es nicht nötig, Sie nötig zu haben. Egal, die Verteilung ist sowieso eingestellt, die wunderbare Vermehrung des Brotes durch diesen Religionsgründer historisch verbürgt und zum Patent angemeldet, damit man endlich die Kirchensteuer einheben kann. Mein Schoß vermehrt sich jetzt nicht mehr, er schlingt Saatgut hinunter und macht nichts draus, die Erde ist ihm nicht zu leicht, sondern zu hart. Er will einfach nicht rein. Die macht sich aber nichts draus. Und gut wars auch nicht, soviel davon hätte ich gar nicht gebraucht, um das zu merken und mir endlich zu merken, daß ich dort nicht mehr hingeh, nicht einmal in die Nähe, auch wenn mich leise Laute aus meiner gefrornen Gruft locken. Der alte Witz: Das Essen im Altersheim ist grauenvoll. Ja, und auch noch so wenig davon! 

Sie halbe Portion! Gehen Sie zur Seite, Sie sind nicht betroffen, aber Sie sind da, ich meine, mein Schoß hat vorhin laut angeschlagen und die Zähne gefletscht, wahrscheinlich deshalb sind Sie nicht reingekommen, Sie haben sich nicht getraut, Sie hatten keine Zeit, Sie wären gekommen, hätten Sie Zeit gehabt, dabei wären Sie es diesmal gewesen, der die Klingel hätte drücken sollen oder das Glöckchen für den Pfarrer läuten, der hat das Öl zum Kochen, Braten, Backen und Sterben bei sich. Kommen hätte ich schon auch wollen. Ist Ihnen nicht eingefallen, gelt? Mir fällt es auch nicht ein, das sehen Sie ja. Der letzte Satz war zu lang. Da stehn Sie jetzt an. Bitte warten Sie, neue Körper kriegen wir erst wieder rein. Ohne mich, gegen meinen hat niemand auch nur tauschen wollen. Wenn Sie sich davon was versprechen, daß Sie einfach nur da sind, wenn Ihr Körper jetzt laut anschlägt, Sie Dilettantin des Existierens, dann muß ich Sie auch enttäuschen, höre ich; dieser Körper hat niemanden getäuscht, sagte man mir auf peinliches Befragen hin, das mein peinliches Betragen überdecken sollte. Ich muß jetzt nur noch die Tür zusperren. Wenn Sie bitte so lang warten wollen? 

Also ich werfe jetzt gleich den Schlüssel weg, darauf müssen Sie gefaßt sein. Sie sind schließlich auch kein Edelstein. Wegen Ihnen verliere ich nicht meine Fassung! Sie wollten vielleicht noch was, daß jemand den Strom Ihres Atems nachzeichnet in klarer Luft, daß Sie gut Freund werden mit einer, die fremde Worte aufklaubt, die noch gut sind, und hinschreibt, wo noch keine sind, aber ich bin doch da!, ich kann nicht mehr warten, ins Leere kommen sie jetzt, die Worte, in den Müll dort und fertig. Aus meinem Kopf schlagen die Flammen, was sonst noch ausschlägt, das wollen Sie gar nicht wissen, Ihre Haut aber schon. Ist es die Früh-Erde, nein, eher die späte, die mich schon halb bedeckt, die arme, getretene Erde, mitsamt ihrer neuen Metall-Armierung? Kriegs-Alarmierung? Krümmt mein Kopf einem Haar nur den Fuß?, fragt der Dichter, aber nicht im Ernst. Das kann nicht sein Ernst sein. Ich frag mich ja nichts mehr. Ich muß wohl oder übel noch tiefer in diese Erde einsinken, damit wenigstens die mich liebevoll beschließt und all meine Beschlüsse abschließend zunichte macht, sie kann mich nicht mehr hervorwürgen mitsamt meinem rot angelaufenen, überspülten Haar. Die Beschlüsse schließen mit sich ab, sie können sich nicht mehr bis an die Oberfläche durchkämpfen. Pro forma sage ich, ähnlich dem, was die Spinne zu der Fliege sagte: Kommen Sie nur herein, ich habe gerade eine neue Idee geboren, und meine Glieder sind bereits nackt dafür gewesen unter diesem letzten Hemd, das eigens gebügelt wurde, damit ausgerechnet Sie auch nicht über mich drübergehen und es wieder zerknittern. Ich bremse auch für Würmer. Sie sind ausdrücklich zugelassen, wenn auch nicht von der Polizei, die würde das nicht erlauben, und das sind nur wenige, die da kommen. Ich habe nur wenige Mitglieder, die aber schnell merken, daß ihr kleines Häufchen, selbst wenn ich meins aus Asche dazurechne, die Mehrheit der Lebewesen repräsentiert, die sofort, wenn man nach ihnen schnappt, davonrennen, um Platz für noch mehr Mehrheiten zu schaffen, wenn der gleißend helle Gang sich öffnet. Den wollen natürlich wieder alle sehen. Eine Sensation, falls man davon berichten kann. Kaum ist die Rede von etwas Ungewöhnlichem, wollen alle es haben. Wer ohne diesen Gang stirbt, der hat die falsche Gangart gewählt, der zählt nichts unter dem Totenheer, der wird nie ein erfahrener Kämpfer, der kann gar nicht richtig tot sein. Zudringlichkeit auch ausdrücklich erwünscht, nur kann ich es nicht in der nötigen Dringlichkeit ausdrücken. Geh ich halt selbst und erkläre es persönlich, obwohl ich schon keine Person mehr bin.

Alle Bürger wurden hier immer satt, inzwischen wirds keiner mehr. Ich kleiner Nimmersatt, der aber nicht einmal eine dünne Suppe abkriegt. Diese fette Raupe, die muß ja auch einmal ernährt worden sein, vom Blatt, das sie ruiniert hat, die Raupe, bis hinein in ihre Schmetterlingsexistenz. Ich schaue der Nähe nach und sehe keine, die Nähe ist wohl inzwischen fern geworden. Ich sinke hin, die Menschen sinken auch dahin und dann dorthin, wie sie fallen, verbürgert wurden sie nicht, und wenn, dann nützt es ihnen nichts. Dieser Boden gehört ihnen nicht, ihre Kinder wollen nichts lernen und sogar andre noch am Lernen hindern, gut, dann werden sie abgeschoben, doch ein Wohin gibt es für sie nicht. Ihr unvermessenes Land ist kaputt, der Samen ist abgeschossen, ins Leere. Egal, schieben wir erst mal tüchtig (und dann noch einmal) die ganze Verwüstung zusammen, sie müssen zuerst ins Gatter, die Leute, damit man sie dort konzentrieren kann, das ist wie mit diesen modernen Rinderschlachthöfen. Die Viecher müssen sich ja für ihren Tod, nach der Idee einer genialen Auster, nein, Autistin, welche diese Höfe eigens erdacht und konstruiert hat, wenigstens halbwegs geordnet anstellen dürfen, das beruhigt sie dann, die Tiere. Wie Menschen im Spital. Und auch diese werden ans entsprechende Gate getrieben und ab die Post. Keiner schiebt einen Menschen her zu mir, die Schieber haben nie einen übrig, obwohl ich mich wie mit einem Donnerschlag eigens öffnen würde, doch der Schlag ging leider daneben. Achtung, Zug fährt ab!

Sogar nach meinem Ladenschluß noch, der bereits eingetreten ist, wäre ich bereit und würde wieder aufschließen. Mir tritt ja niemand die Tür mehr ein. Nicht nötig, es hat geklingelt! So machen Sie doch auf! Da steht ein Mensch von achtzig Jahren. Na, dann nicht. Ich habe die Klingel gehört, und ich würde schon auch noch ein paar Menschen nehmen, aber länger aufnehmen würde ich sie nicht, ich würde diese Maschen glatt fallenlassen, ja, die verkehrten auch. Nur Frauen wissen, was ich meine. Es kommt drauf an. Das lasse ich hier stehen, obwohl es nicht hierhergehört. 

Die Sonne hat mein Gesicht getötet, sie hat es buchstäblich verzehrt, einer muß es ja tun, eine Flammenschrift wurde dazu nicht mehr gebraucht. Nein, wenn Sie schon fragen, nach mir verzehrt sich niemand. Die Sonne, das alte Aas, das allem und allen Leben schenkt, es nur mir allein vorenthält! Die hat natürlich auch kräftig mitgemischt, wie üblich. Am anderen Ende, dem eigentlichen Ende, funktioniert es inzwischen aber auch recht gut. Es geht was weiter, muhend und schiebend. Was diese Viecher für einen Lärm machen, nur damit sie sterben dürfen! Also diese Frau von vorhin, die ausschließlich unter dem Einfluß ihrer Gedanken stand, hat aber die Bedingungen von Schlachthöfen und deren Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, bevor ihre KlientInnen abtreten müssen, sehr verbessert, das muß sogar ich zugeben. Nur am Ende gibts keine Zugabe mehr. Meine Augen weiten sich, ich schaue genau hin und her. Auch Tiere sollen sich doch amüsieren, es ist eine Freude, da ganz bei ihnen zu sein. Okay. Das Messer senkt sich schon wieder und ab die Post. Meine Stirn ist taub von einer Sonnenoperation, meine Ohren sinds auch bald. Ich höre Geschirr klappern, das große Besteck, mit Näglein besteckt, o, ich sehe: Mein Schlupfunterdiedeck wurde schon einmal rausgeholt, will aber gleich wieder rein, nachdem es sich kurz umgeschaut hat; Teller klirren, Geschirrspüler spülen und dann noch einmal, unter dem Einfluß von Tabletten, sogar die spielen mit mir, eine Unverschämtheit! Als ob ich das nötig hätte! 

Ich schwimme Langstrecke, immer um ein rotierendes Loch im Kreis herum, nein, das Loch bleibt heute still. Ich nicht. Ich dreh mich eitel in meiner Amtskleidung herum, unter der es überall herausquillt, das Fleisch muß dringend weg, es will schon gehen, ich noch nicht. Ich wollte, es ginge schneller und dauerte länger, doch mehr Wasser habe ich nicht, kann allerdings auch nicht schwimmen, wie ich grad merke. Es treibt mich trotzdem um. Kapitulieren wir doch noch einmal und dann wieder zurück: Ich sehe der Welt bis auf den Grund, da ist endlich wer, der es noch nötiger hat als ich und auch nicht weiß, warum! Ich trau mich dort nicht rein. Laß, o Welt, o, laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, die ich nicht geschenkt will haben, laß mich dieses Herz alleine haben, ohne Wonne, ohne Pein. Und treten Sie nicht immer gegen den Mistkübel, als wollten Sie meinen Dreck verbieten. Das kommt nicht gut an, bei wem auch immer.

Zweitens: KRIEG

Wir sind zu viele, wir brauchen weniger Menschen, die wiederum dann weniger Geräte brauchen, um sich fortzubewegen und andre an Bewegung zu hindern. Und wer bitte soll die Überflüssigen dann kaufen? Die liegen schon zu lang, sie riechen schon streng! Am Ende wird sich dann feststellen lassen, wer den Bogen raus hat und nicht nur kühn im Reden und Rechnen ist. Am Schluß steht ein Einziger, Einzelner, mit seinem Flitzebogen, und fängt wieder von neuem an. Die Menschenerzeugung kommt langsamer voran als der Menschen Entfernung. Oft müssen sie über große Strecken verschoben werden. Der Tiroler Helenos ist als Gefangener bei uns, er ist ein großer Star, nein, eher ein Seher, sieht aber kaum was. Den behalten wir uns, er ist unsere Trumpfkarte und spielt auch Tennis. Er ist einer von uns, wenn ich nur wüßte, wer er ist. Er googelt gern medizinische Themen und stellt unsinnige Thesen auf, der Lügenherold. In seiner Hand hält er nur mehr der Pfeile Macht, die auch die Seine ist. Alles andre hat er verloren. Mehr Macht hat er nicht mehr. Er erklärt seinen Freunden ihr Leid, das sie sich nicht erklären können, er erklärt es als selbstgewählt. Er ist auch ein Spezialist fürs Heer, dem er etwas zu erklären hat. Die Anschaffung ist dann aber zu teuer. Er wirft mit Zahlen um sich, die uns alle noch furchtbar treffen werden. Doch vorläufig Zutritt zum Heer nur vor und hinter den Fernsehern gestattet, sonst nirgends. Jeder kommt durch, keiner kommt rein, sind ja nur Bilder!, bei mir könnten sie schon kommen, tun es aber nicht, ich sage herzlich willkommen. Meine Tür müssen sie nicht erst eintreten, aber wer will das denn, meinetwegen eine Tür zu meinem Irrwegbett demolieren! Zuschauen geht auch. Krieg besteht aus Bildern, die, die eh schon ihr Bestes gegeben haben, werden vor das Objektive gejagt, mit dem sie betrachtet und bewertet, bevor sie an unsre Augen weitergeleitet werden. Beim Zoll stapeln sie sich, man kann sie nicht einmal als Brennholz benutzen, diese Körper alle, die sind ja schon gebrannt. Gebrannte Kinder, von ihrer Zeit geröstet wie Lebekuchen-Mannderln zur Wehrmachtszeit. 

Die Zeit der Geschosse ist schon wieder angebrochen, ich hätte es gar nicht gemerkt, aber jetzt läßt es sich nicht mehr verleugnen, sie bröseln nur so in die freudig aufgehaltenen Menschentüten hinein, die eh schon voll sind, erfüllt von sich und ihrer Mission, und aus denen man sie kaum herausziehen kann, jedenfalls nicht im ganzen, man muß den Sack schütteln und mit dem Knüppel kräftig schlagen. Dann kommt was raus dabei. Mindestens eines, ein Geschoß, sollte es sein, einem genügt schon das eine, welches für möglichst viele Klienten gedacht ist, wir müssen schließlich sparen, jedem das Seine, doch immer ein andrer will etwas mehr, aber nicht für sich; sie soll auf andre drauf gehen, die Mörserjause, damit die draufgehen, der Tod sitzt ihnen dauernd auf dem Schoß. Die jammernde Stadt, das klagende Land, überhaupt all die sich unaufhörlich wegen Hausfriedenseinbruchs beklagenden Städte, wie schaut denn das aus, wie wir jetzt ausschauen, wir können doch nichts dafür! Nicht zum Anschauen ist das! Diese eilfertigen Waffen könnten auch mal diesen eleganten Bogen versuchen, den sie echt raushaben, die Flugbahn als Parabel für endloses Vergnügen, das so oder so ausgehen kann, die Enden treffen einander sowieso nie. Ich höre grad, das können sie eh, in Bogen herumfahren, ja, die haben den Bogen raus, nicht nur am Skihang, auch in der Luft, Roll- und Gierbewegungen nicht zu vergessen. Man muß sie vorher eingeben, meine beste Eingebung ist dies hier nicht, Sie könnten es trotzdem wenigstens nachlesen! Und dann weiter nachschlagen, Sie werden schon jemand finden, der sich drunterlegt und bald unterliegt. Dieser Einfall bringt nichts, seh ich grade, ich habe das alles schließlich abgeschrieben, noch bevor der Feind bei uns einfiel. Wenn ich das geahnt hätte, daß mir die Tür dermaßen auf die Finger schlagen würde! Daß andre die Einfälle schon vor mir hatten! Wo so viele abgeschrieben werden aus dem Buch des Lebens, darf ich das auch, was wollte ich sagen, ja, aber das wissen Sie schon: Sie werden gesteuert, die kleinen bis mittelgroßen Dinger, die Dingsdas, wie elegant sie vor unseren ebenfalls wohlgeformten Blicken herumkurven, bis zwei von ihnen zwei verschiedene Menschen, unabhängig voneinander (das sind so die einzigen Freuden dieser Parabel), erwischen, als wären sie ausgelotet worden und müßten jetzt rasch wieder aus dem Lot gebracht werden. Das wäre keine kleine Leistung, einer würde schon genügen, ein einzelner, den es trifft, ein Haus natürlich besser, wenn man es erwischt, da ist mehr drin, eine Schule, ein Theater am allerbesten, dort sammeln sich gern Menschen, die den Tod zwar leiden können, aber nicht ihren eigenen. Dafür ist der nicht vorgesehen. Gerade hatten sie das Licht in die Arme geschlossen, als der Suchscheinwerfer auf sie fiel, schon müssen sie es wieder hergeben. Ich glaube inzwischen, das Kurvenfahren können sie nicht so gut wie ich dachte. Was muß ich zuerst einschalten, die Drohne oder die Fernbedienung, mit der sie sich sehen lassen kann? Mich trifft das alles nicht. Aber ich an der Fernbedienung für die Drohne, das sollten Sie sehen!, ein guter Kompromiß.

(Foto: Hubert Bail)

Ich stelle mir vor, wie ich die Welt in meinen Schatten stelle. Ich schlage jetzt ein, nein, auf, ich schlage auf, treten Sie zurück, Zug für Zug fährt ein! Für mich müßten sie nicht herumfliegen, die Geschosse, nicht unbedingt in meinem Schoß landen, der nicht kennt, was ihn da geschlagen hat, noch bevor er in Ruhe verblühen oder verglühen kann. Woanders geschlagen, auf einem andren Feld, wo es auch weh tut, das würde ich vorschlagen, in dem Scheinlot, in dem ich mich befinde, nur scheinbar aufrecht, alles bringt mich aus dem Takt, aua, mein armer Körper! Für einen aerodynamisch korrekten Kurvenflug hätte er jene Schräglage einnehmen müssen, von der mir immer so schwindlig wird, bei der die Fliehkraft dem Seitwärtsgleiten (oje, die Fliehkraft hätte ich jetzt nicht nennen sollen, die wenigen, die überhaupt gekommen sind, stieben schon in eiliger Flucht auseinander, und das Heer braucht doch jeden einzelnen, er wird überall gebraucht, egal wo, lebendig oder tot!) aufgrund der Querneigung genau entgegenwirkt. Das bewirkt, daß alles in der Luft einen Augenblick stillesteht, bis die Ampel endlich auf Grün wechselt, die Toten allerdings keine Zeit mehr haben, ihre Kleidung zu wechseln, obwohl sie dringend zu ihrem Termin müssen (also ein Arzt nimmt die nicht mehr!, sie sollten davor wenigstens duschen!), vom Todesschweiß bedeckt, so wie sie eben sind. Wären die übrigen, die so dringend auf dem Feld der Ehre gebraucht worden wären, nicht geflohen, könnten wir Billigflieger alle miteinander sauber durch die Luft gleiten, wohin wir wollen. Wie die Weltmeister. Wir wären alle noch da. Und das zu diesen mäßigen Preisen! Es wären dann allerdings zu viele da, bei denen wir Anstoß erregen würden, weil wir doch tot sind. Man würde gar nicht mehr sehen, wer Erster geworden ist.

Der Sieger nimmt nichts, die Maschine hat schon alles übernommen, nur sich selbst nicht, sie kann es nämlich, in jeder Lage, der Sieger nimmt nicht mehr alles, weil nicht alles mehr vorhanden ist. Er nimmt nichts. Nein, er stellt auf allgemeinen Wunsch das Nichts her, und dann nimmt er es sich. Er hätte auch mehr haben können, doch was bleibt ihm übrig? In dieser Schule wurden diejenigen dahingemäht, die dereinst als Beste hätten gelten können, hätten sie zuvor überhaupt was gegolten. Wir haben sie nicht gekannt. Wir kennen nur ihre Zahlen, aus dem Fernsehn und dessen Speise, die es sich zuvor im Einkaufsnetz geholt hat. In die Zimmer kann man jetzt von außen hineinsehen und seine Neugierde befriedigen, ohne deswegen hinein zu müssen. Die Zeit der Landverschickung, zur Erholung im Urwald, bricht an, während Städte einbrechen, nachdem man in sie eingebrochen ist. Ihre Häuser sind zerbrochen worden, und sie vermissen ihre Grundmauern und ihre Grundfestigkeit doch sehr. 

Wir müssen leider weg, wir müssen leider draußenbleiben, wir müssen draußen liegenbleiben, weil wir gar nicht erst hingekommen sind, Wanderer, kommst du nach Sparta, berichte, daß du uns nicht habest liegen sehen, weil wir uns nicht einmal den Billigflieger leisten konnten, jetzt muß ein andrer kommen und schauen und berichten, daß er uns mit seinen eigenen Augen dort nicht erblickt hat, ja, du zum Beispiel, bis du siehst, was du mit deinen eigenen Original-Augen dort gesehen hast, dicht an dicht, und zwar auf Liegen, nicht am Boden, so lang, bis man mit uns aufgeräumt hat und wir selber nichts mehr berichten können. Doch es waren leider andre, die er gesehen hat, der Wanderer. Man nennt das bei uns dahoam Ferien. Für die Opfer heißt es anders. Ferien also. Sie bringen Pein und Peinliches, weil die Menschen sich dann dauernd die Kleider vom Leib reißen müssen, es aber besser nicht sollten. Das rate ich ihnen, wenn sie vor dem brennenden Hauptgestirn die Kehlen entblößen. Ihr Körper hält sich nicht diskret die Hand vor, wenn er außer sich geraten will. Er kann sich doch zeigen, wie besessen will er endlich kommen, egal wohin und weshalb. Sie haben nicht die Wahl, die Kämpfer, obwohl ich mich ihnen als Geisel angeboten habe, was die Städte nicht taten. Die wußten schon, warum. Mein Los ist es nun mal, nicht angenommen zu werden, obwohl ich ihnen alles hinhalte, was ich habe. Zur Ansicht. Was sie aber auch wieder nicht wollen. Sie wollen lieber eine Aussicht haben, und wäre es auf einen Totenacker, wohin der einzige Weg führt. Sie fahren mit dem Auto hin. Sie wollen wählen können, wohin es mit ihnen geht. Heutzutage haben nur mehr Waffen die Wahl der Waffen. 

Wo kommen Sie denn her? Sie halten wiederum mich hin! Ich warte, bis die schläfrige Miene des Tages sich zu einem Gähnen verzieht. Das Warten ist mein Leben, weil nie einer kommt. Daher kann ich es so gut. Das weiß ich endlich, mein Vater war Sisyphos, meiner Mutter war der Stein zu klein, typisch!, sie hat natürlich einen größeren verlangt. Sie hat sich gern übernommen, indem sie alles übernommen und an sich gerissen hat. Verausgaben wollte sie sich nicht. Wie diese Städte, die sich niemandem hinhalten, also nicht direkt jedenfalls, aber trotzdem eingenommen werden. Es verschwinden laufend Menschen, aber auch wenn sie nur gemütlich gehen, unterwegs zu ihrem Ableben oder als Touristen, unterwegs auf ihrer Tour; und wenn sie nicht laufen, werden sie krank und sterben vor lauter Bewegungslosigkeit. Aber das muß nicht so sein! Eine Neunzigjährige ist hundert Kilometer in Hauspatschen aus dem Filz, aus dem man keine Träume, sondern Wirklichkeit macht, gegangen, um sich in Sicherheit zu bringen und sich dort ein bißchen zu wiegen. Sieh an, sie hat abgenommen wie ihr Vieh, jetzt schleppt sie sich, keine Bestie via Bethlehem, sondern als ein Kräuterweiblein (irgendwas muß sie ja essen, das sind bitte über hundert Kilometer!) in weichen, haltlosen Schuhen in eine Stadt, die auch noch sehen wird, wie ihr geschieht und was ihr dann noch übrigbleibt. Auf diese alte Dame hat sie schon gewartet, die Stadt, dann verschließt sie sich in der Männerabteilung, also sie schließt sich dort ein. Die Männer werden weggeschickt, ins Schulland des Krieges. Mein Traum! Ihre Tiere hat sie zurückgelassen, die würdige Greisin in ihren Flügelschuhen, die sich an ihren vierbeinigen Freundinnen schon abstützen mußte, um ihnen ihren Ertrag zu entziehen. Oje, wer melkt jetzt die ganzen Kühe?, komisch, das denke ich mir immer sofort bei verlassenen Gehöften und Weilern, die derweil lieber was andres verlassen hätten, als aus ihrem Innersten heraus dauernd deppat herumzuschreien. Leider waren sie verhindert und mußten bleiben, wo sie waren.

Na sowas: Hier haben wir ja noch eine Bewegung!, unsere stählerne Reserve, nehmen Sie erst mal die, weitere Bewegungen werden folgen, die liefern wir nach, der Produzent (jeden Tag muß eine neue Bewegung geboren werden, da kennen wir kein Erbarmen!) hat Lieferschwierigkeiten. Wir ziehen uns zurück, wir ziehen uns schon wieder aus, was soll das!, es ist wie ein Zwang, ich hätte nicht gedacht, daß wir uns das noch einmal trauen! Ich beschreibe es nicht. Das war hier schon zu oft, alles war schon zu oft, erinnert sich nimmermehr ans rechte Maß, an das erste Mal, es gibt ja auch zu viele Körper. Wir wissen kaum noch, wohin damit. Könnte ich mich heutzutage noch zeigen, wäre ich zum Beispiel gestern natürlich sparsamer mit mir umgegangen. Selbst der unschuldige Tod, der die Wahl hat, zuckt vor uns Friedlichen zurück, ein bisserl mit uns gerungen hätte er schon gern. Bitte verzeihen Sie mir das! Bittebitte, da ist nichts zu verzeihen, ich habe meinen elfriedlichen Namen (autsch!) ja schon gelöscht, und auch dem Tod haben Sie nichts zu verzeihen, es ist jedesmal seine letzte Zuckung, seine letzte Lockerung, meine letzte Lockung?, nein, es ist ja keiner mehr da!, das ermüdet ihn nicht, den Tod, aber dann ist er auch uns Wehrlosen ganz schön ausgeliefert, während er Metallsplitter abspritzt, immer zu früh, seine Partner haben gar keinen Spaß dabei, müssen aber fleißig mitmachen. Fit, mach mit! Er ist der Erwählte, ja, der Tod, ich würde ihn nicht wählen, hätte ich die Wahl. 

Jeder braucht ihn zumindest einmal, dann ist das Kind aber da und schon wieder totgemacht, in einem Atemzug schon am Abzug, ziele einmal, nimm zwei!, ja, die Konkurrenz ist groß, bis in die letzte Brenn-Kammer hinein hört man es rauschen, wo man wieder wird zum Kind und nach Mama und einem Glas kühlen Leitungswassers schreit. Die Vögel lassen ja auch dauernd etwas fallen, Maschinen tun es ihnen gleich und können es besser. An ihnen wurde länger gearbeitet. Man muß sie allerdings vorher füttern, man muß ihnen ihr Futter eingeben, dann zischen sie los und schmeißen es wieder weg. Bitte, was wollen die? Die leben ja von uns! Man macht sich an vor Angst, man schafft es nicht mehr bis zum Klo, das es eh nicht mehr gibt. Ein entsetzlicher Gedanke für die Schamzerpörten, dieses Wort habe ich auch geklaut, weiß aber nicht mehr, von wem. Von den extra Ausdrucksstarken. Zu denen gehöre ich nicht. 

Wer erbt jetzt mein Fleisch, um Gottes willen? Der Türsteher vor des Hades Tür hält schon die Hand hin, in einer voll automatisierten Geste, auch er mußte mit der Zeit gehen, Boston Dynamics konnte sie grade noch drehen, im letzten Moment, da man sie noch Zeit nennen konnte, auf daß wir stets mittendrin sein dürfen in ihr, ohne Automatisierung wäre das gar nicht gegangen. Der Roboterhund, der mich bald pflegen wird, ist schon erschaffen und zusammengelötet. Hoffentlich rennt er nicht in die falsche Richtung, wenns meinem Körper brenzlig wird. Zusammen schaffen wir das, eine alte Forderung, an uns alle. Bloß hat sie keiner gehört. 

"crowning" © Esther Strauß 2024 (Fotograf: Ulrich Kehrer)

Höchster Ruhm dem Schöpfer, ich glaube an ihn, den allmächtigen Vater und seinen eingeborenen Sohn, der soeben geboren wurde, einmal mußte es sein, und dieses eine Mal hat er es jetzt endlich geschafft: punktgenaue Landung. Wie Neugeborene machen Geschosse furchtbaren Krach, wenn sie bei uns aufschlagen. Was machen wir mit seinem bleichen Besitz?, ich meine den Sohn, viele haben einen Sohn, viele haben aber keinen Besitz, also fassen wir die beiden hier zusammen! Überall hängt er ab, der Sohn. Wer von uns bis dahin zugrundging vor Qual, weil jemand seinen Lebensfunken angeblasen hat (der flackert aber nur, er flunkert einem Leben vor, das es so nicht mehr gibt), der soll sich bei mir melden, nein, nicht der Funke, der Schöpfergeist, mit dem ginge hier alles gleich einfacher. Geist allein wäre auch nicht schlecht, ein guter Anfang, wie dreitausend Anwälte auf dem Meeresgrund: uralter Witz! Die eigentliche Schöpfung mach dann schon ich, ich mach überall hin und erwarte mir dann, daß die Leute schauen kommen, wie sie meine Welle am besten abreiten könnten. Alle schauen, keiner tut etwas. Und sogar dabei ist eine gestorben, aber auf einer andren, der Eisbachwelle, man sollte nicht glauben, daß Eis auch noch Wellen schlagen kann, doch es geht. Man sollte nicht glauben, daß Ihr Haar durch diese Überspülung und den Spray dort noch schöner werden kann, doch es geht. Wenn er mitten in seinem Leben aufgehalten wird, der Schöpfer, aber noch nicht gehen darf, er muß ja noch diese jammernde Stadt endlich einnehmen und ausschöpfen bis auf den Bodensatz, da kaum noch was übrig ist, dann, ja dann ... ich sage jetzt nicht, wann, er muß halt auf jeden Fall doppelt so einnehmend sein wie jeder andere, dieser Schöpfer, sonst würden wir ihm ja nicht folgen. 

"crowning" © Esther Strauß 2024 (Fotograf: Ulrich Kehrer)

Meine Einnahmen verbieten es mir, weniger zu sagen, denn hier ist mehr auch wirklich mehr. Außerdem wird es überprüft. Und weil ich es zu oft gesagt habe – ich verdiene ja Geld damit, obwohl ich alles immer mehrfach sage (warum immer anders, wenn es so einfach auch geht?!) –, wird die Künstliche Intelligenz mir alles wieder wegstreichen und es dann noch einmal genauso sagen. Damit steigt die Summe ordentlich, jede andre Intelligenz ist schneller als ich, die Steuer liest mit, wenn auch das Falsche, das Richtige ist wohlverborgen, egal, dann, also dann wird sogar doppelter Dank fällig, wenn ich auf mein Lebensergebnis schaue. Danke für diesen guten Morgen, danke für diesen neuen Tag, danke, daß ich all meine Sorgen auf dich werfen mag!, füllen Sie hier den Autor aus, also seinen Namen, sonst sind Sie dran. So wird es mir reingesagt, genau!, das hat schon einer gesagt, ich sollte hier den Namen nennen, sonst kommt der Zählerableser, zu meinem Nachteil natürlich, wie üblich! Ja, so steht es geschrieben, so haben es auch andre erlebt. Wie hätte ich sonst wissen können, wie es hier weitergeht? Es geht genauso weiter, wie ein andrer es schon vorausgesagt hat. Gähnende Leere bei mir im Oberstübchen, doch meine Tränen steigen mir bereits zu Kopf!

Was mit meiner Haut passiert ist, der lieben, alten, treuen, guten?, es würde mich echt interessieren. Fuß, Fuß, was soll im Leben in Zukunft ich mit dir noch tun und mit dem anderen auch? Also was man mit den Füßen macht, zum Beispiel abstimmen, das geht noch, es trägt aber nicht, es trägt nicht mehr richtig und nicht mehr weit. Freunde, kommt! Kehrt doch zurück zu mir, ihr wollt nicht? Na, wenn ihr nicht wollt, dann halt nicht. Außer man ist außer sich in einem Sturm voll der Qual, dann ist man entschuldigt, gegrüßet seist du, Maria, wenn wir schon bei den Wurzeln der Volksfrömmigkeit angekommen sind, die wir immer schon ausreißen wollten, gelungen ist es nie, je vous salue, Marie, wie wir in der Klosterschule sagten, du hast auch viel durchmachen müssen, gegrüßet seist du, wer du auch seist und für wen auch immer dieses ausdrücklich gewollte Sein gedacht war, direkt aus dir heraus, am Kioskverkauf, wo man die Wahl hat. Meine Güte, dieser Kiosk ist ja riesig! Und die Decke so schön bemalt!, da gibts nichts. Besser gehts nicht. Meine Mama hat bestimmt von dir gelernt, du Gottesmutter. Genau das wollte sie auch werden. Immer dem Kind nachfolgen, bis das Kind dann dir nachfolgt in eine Freiheit, groß wie der Tod! Ist da noch jemand? Ein Vierbeiner oder ein Verneiner? Ich will, daß du es bist. 

Man müßte endlich was tun, mit der Zunge zuschlagen, mit dem Schwanz peitschen, den Schnabel behauen, daß er noch in die kleinsten Öffnungen reinkommt, ich weiß es nicht. Nicht schlecht, Herr Specht! Und Sie, was ist mit Ihnen los? Bitte abhaun das Haupt und die Glieder mir, wenn es nicht zuviel Arbeit macht, die das Glied dann letztlich besorgen muß, sonst bietet sich niemand an; also zuerst bitte das Haupt abschlagen, damit das Glied in Ruhe und mit Fleiß weiter arbeiten kann, an mir?, na, sicher nicht! Es darf nehmen, was übriggeblieben ist. Wir brauchen einfach mehr Menschen, die wir aber anketten müssen, sonst klaut sie wieder wer. Eine Hand wird vergraben in diesem Haar, mein dünnes Altersteilzeithaar könnte nicht einmal ein Käferlein verbergen. Nein, ein Kind auch nicht, kein geheimes Kind rührt darin um, es wäre jetzt wohl um die sechzig Jahr, es rührt auch mich nicht, es rührt keinen, nicht einmal im Geheimen. 

So, die Mauer bricht bald ein unter der Sturmflut von Haar, jetzt kommt es daher!, wo ich es nicht mehr brauchen kann, weil kein Schwein mehr herguckt, da alles andre an mir auch schon genug abstößt der Menschen Söhne und Enkel, Haar, das könnte ich eigentlich doch noch brauchen, wenn ich ehrlich bin, darfs ein bisserl mehr sein?, ja, es gibt jetzt so viele interessante Shampoo- und glänzende Pflegesorten. Dabei wird von den Menschen doch an sich schon ständig Sortenreinheit verlangt und erbeten. Derweil brauchen es aber andre nötiger, all die schönen Haare, das Gift hat sie vielen leider weggefressen. Vor dem geht jeder ein, vor diesem letzten und äußersten Trumpf und Triumph der Frauen, Haar, so dünn ist ihre Gegenwart in sie eingebrannt, daß jedes Haar gezählt werden muß, mit dem sie alles stechen, was da noch hinfällt und nicht mehr aufstehen kann, es ist eine Pracht!, hören Sie hier, nein, hören können Sie es nicht, nah ist und fern mein Gott, hören können Sie den aber auch nicht, der zieht jetzt woanders sein Programm durch; also bitte, kommt da noch was? Nicht hören können Sie also das leckere Wort des Fleisches, jedenfalls nicht sein letztes, das wollen Sie dann nicht mehr hören, keuch keuch. 

Na, hören Sie schon zu!, hören Sie und sehen Sie das längste Haar in der Geschichte der Frau! So trägt man es jetzt, tut mir leid. Die Männer wollen das so haben. Unglückselige Hände, unglückselige Füße, ja, auch ihr seid gemeint!, der Rest auch ein einziges Unglück, sie alle werden nach Eiterung zur Erheiterung des Feinds amputiert werden, wem fehlen die?, nur ihren Besitzern, die sich ewig kränken müssen, auch das eine Folge von Kriegen und Krankheiten, eine Kränkung, diese Göttin der Pest, gesunde Menschen werden oft von einer unscheinbaren Kränkung bei lebendigem Leib aufgefressen, die ewig anhält, eine Demütigung, weil man nicht mehr da sein darf, nicht mehr vorhanden auf der Welt, in der niemand Nachsicht oder Mitleid hat. Wir falten die Hände und beten still, danach beschäftigen wir uns mit was anderem, um unser Selbstbewußtsein zu stärken.

Besser fürs Vaterland sterben, da hat man wenigstens was, von dem man in dieser Ewigkeit, in die man gleich den Fuß wird setzen, zehren kann. Viele werden ihr Heim niemals wiedersehen, hier nur ein Wort von mir, es enthält viel Unausgesprochenes zwischen uns: Es bringt Ihnen nichts, dieses Wort, wenn es sonst keiner kennt. Und mir gibt es nichts. Es hat dennoch ein wenig über sich gesprochen und sich danach verdünnisiert. Ich hab es jedenfalls nicht mehr, Sie können gern Nachschau halten in meinem angeranzten Hirn, das mühsam an seinem Deckel festhält, damit es nicht ganz verdunstet oder heraushupft: keine Worte mehr, außer diesen, die mir leider nicht eingefallen sind!, keine Ahnung, was ich mit ihnen mache, da ich nicht gegen Tod vorgesorgt habe, es wäre eh nur mit Worten gegangen, aber mit andren Worten: Schon vor dem Tod bin ich gestorben. Ich hab mein letztes Wort verloren, hätte besser achtgeben sollen, mein Haar auch, na ja, ein bisserl was hab ich mir zur Sicherheit aufgehoben, zur Seite geschafft, oben ein Heuschober drauf, ein Nestversteck für diese neue, köstliche Überspülung meiner Wellen, die ich nicht habe. Die Wogen gehen über mich hinweg und wissen danach nicht, wohin. Macht ja nichts. Etwas Fleisch hätte ich auch noch zu vergeben, und vergeben auch Sie mir bitte! Doch dieses Fleisch will ums Verrecken nicht mehr Wort werden! 

Ich habe meine Kraft verloren, meine Stärke, Sie können in meiner Handtasche, in meinem Rucksack nachschauen, da ist sie auch nicht, diese Kraftbrühe, dieser Brühwürfel von Haar, der sich auf meinem Kopf wegen der Hitze, die von meinem Gehirn aufsteigt, bereits aufgelöst hat. Wen soll ich da noch schonen? Wo wäre es sonst denn hingekommen? Wenigstens haben Sie nur außen nachgeschaut. Und natürlich nichts gesehen, ja, an mir hat die Natur versagt, und so muß ich immer Sachen sagen, die nicht sehr interessant sind, vor allem deshalb, weil ich sie selbst nie richtig kennengelernt habe, nicht das, was dahintersteckt. Klar haben Sie nichts gefunden! Da ist ja auch nichts dran. Ich weiß von nichts.

Ich bin ungenießbar, wurde aber einst mit Sorgfalt hergestellt von ziemlich alten Leuten, welche der Krieg durch eine Kriegslist Mamas verschont hatte. Und außerdem haben Sie, dies nur ganz nebenbei, an der falschen Stelle gesucht. Sie haben anderes gefunden, das ich zwar auch liebgewonnen hatte, aber nicht meine Kopfverzier, die nicht, die ist meine Erfindung und schütter wie diese. Ich schütte den Inhalt meines Handtaschls vor Ihnen aus: Sie haben meine Waffe also nicht gefunden, mit der ich früher die stärksten Männer, also nein, die stärksten warens nicht, fragen Sie Samson!, gefesselt habe, lang, lang ists her. Ich habe ihnen die Waffe vorgehalten, und sie gaben auf, legten nieder ihre Armierung und mich rein, zum Glück war die nicht in ihren Körper integriert worden wie die Waffen einer Frau, die ich nicht kenne, aber gern kennenlernen würde. Wahrscheinlich sind sie anständig an ihr befestigt, die Haare, nicht so husch pfusch. Gut so, ich würde so und so neidisch werden. 

Sie aber, Sie sind auf der richtigen Seite – ich habe nämlich rechtzeitig aufgegeben, Moment, ich schau nach, ein Brief wars nicht, von dem einen an dieser Stelle immer abgeraten wird. Also gilt weiterhin: niemals aufgeben, ohne vorher nachzuschauen, was es überhaupt ist! Was ich hatte, mußte ich später im Handyshop bei den Remittenden, den Rücksendungen, wo es sich ausruhte und um mehr Zeit bat, abliefern. Doch die Zeit kommt immer mit der Zeit und geht dann mit jemand anderem mit. Na ja, meine wars nicht, die da wer mitgenommen hat! Ich hätte dort noch gar nicht hin müssen. Keine einzige Waffe mehr, nicht einmal einen Helm, wozu auch?, ich fahre nicht mit analogen Waffen, und mit den neuen schon gar nicht, die beherrsche ich nicht. Und mit seinen Waffen sollte man sich schon auskennen, sonst sind sie ja nutzlos und hindern einen nur am Wegrennen. Wozu auch Waffen? Geh bitte! Diese Spange? Nein, wirklich nicht! Die? Eine Waffe? Sie spinnen ja! Was soll ich mit der denn anfangen? Die befindet sich doch hinten am Kopferl, für mich nur schwer erreichbar, aber praktisch, wenn ich jemand umarmen möchte oder, um Gottes willen, jemand mich! Dort kann er sich dann anhalten. Sogar die Russen finden leichter ihr Ziel. Bitte, kommen Sie! Ich lebe ohne Rettung hier! Aber kommen Sie von vorn! Seien Sie so freundlich!

Nach Mord steht der Sinn mir nicht, ich würde auch weniger tun, es wäre immer genug, es wäre auch immer genug gewesen, weniger zu tun. Dort hat eine Sphinx die Lösung ihrer Rätsel gewußt, aber schon vergessen, keiner bietet sich an, alles muß man selber machen. Das soll eine Sphinx sein? Die sagt ja gar nichts! Die paar Fleischklapse, die man ihr versetzt hat, damit sie es endlich ausspuckt, das Wahre, Richtige und Gute, die quellen überall aus Schnüren und Verstrickungen, schlagen um sich, das Fleisch kommt überall ganz groß heraus, grüß Gott, das trägt man jetzt so, man sieht es jetzt einfach überall. Leicht zu entsorgen, wenn auch sorglos, es gibt ja genug Menschen, die ihres loswerden wollen, aber doch nicht alles! Sie wollen nur ein wenig abnehmen. Aber doch nicht so! Was wiegt so ein Haar schon! Ich verbiete mir hier die Schilderung menschlicher Skelette, die ich im TV gesehen habe, dafür fehlen mir die Worte, für andres leider nicht, sagen Leute, die schon genug von mir haben. Aber diese Künstlerin bedient sich noch recht eifrig daran. Ein dreifaches Hoch!

Sogar Häuser schleudern überdrüssig überschüssige Körper aus leeren Fensterhöhlen hinaus. Soviel Grauen, wie ich vor meinem Spiegel sehe und andre vor andren Spiegeln, kann der Krieg gar nicht bieten. Auch wenn er Körper um Körper verschlingt. Doch, er kann durchaus, er kommt vorne rein und hinten wieder raus, der Körper des Menschen ein Durchhaus, ein Wort, das nur Wiener verstehen, die über ihre Nasenspitze bis zum nächsten Haus hinaussehen können. So bin ich ja überhaupt erst in die Kirche gekommen! Aus der Laudongasse zur Pfarrkirche Maria Treu. Ein unsichtbar vorgezeichneter Weg, übersichtlich, wenn auch vorübergehend eingeschränkt, genau!, durch dieses Durchhaus, diese Enge im Gebäu der Stadt. 

Und außerdem: Das Fleisch braucht doch einen festeren Halt, als das Alter ihm bieten kann, schauen Sie mich an. Schauen Sie einmal, nein, mehrmals, damit Sie es auch glauben, Mrs. Sanchez an, sie hat für Mr. Bezos eigens angehalten und sich in kleine Stücke hacken lassen, um für den Genuß des Übermenschen, der sich nicht gern anstrengt, das muß er ja auch nicht, geeignet zu sein. Darunter wirds aber gleich wieder eng, auch für sie, für alle wirds jetzt enger, manche lassen sich sogar zwei Ripperln ziehen, die untersten; wir verknappen unser Angebot, indem wir mit einer Extraportion Fleisch locken, aber an den richtigen Stellen!, Fleisch, das wir gut sichtbar in die Auslage legen. So viele sind besessen davon, ganze Säcke davon schleppen sie davon. Fleisch ist das, was die Frau vor sich herträgt, bis es ihr ein andrer abnimmt. Da hat man sich eine angezündet, anstatt den Funken der Liebe anzufachen! Das Fleisch langweilt sich zu oft. Es kommt unberufen so lang, es ist dann kurz einmal weg, bis die Berufung durch ist, dann kommt es wieder, mit einem neuen Preisschild, das Fleisch, diese Knochennummer, man kriegt es aber auch ohne, also nicht als Kotelett, sondern als Schnitzerl, gern auch in einer Semmel, bis es für verschwendet erklärt wird. Fleisch darf halt nicht rasten, nicht ruhen, dieser Ladenhüter, vor dem sich auch die anderen alle hüten, diesem gemütlichen alten Haus, das sich gern von Wolken verdecken ließe, wenn das ginge, dafür ginge man sogar bis ins Gebirg. Im Krieg hat es einen verschwindend niedrigen Wert. Man riecht es schon von weitem, es riecht nach einer guten bis besseren Imprägnierung, die stärkt, nährt und kräftigt. So viel regnet einem hinein, und manchmal schneit sogar jemand herein. Der Bildschirm vor dem Fahrersitz zeigt einen Ausweg an, wie man jemanden herlocken kann. Mal schauen, wer oder was noch alles auf der alten Schachtel steht. Nein, da steht keiner.

Bis es endlich kommt, das Fleischgebinde, spricht die Sonne am Strand ihm gut zu, sie lockt sie aus sich selbst hervor, diese verderbliche Ware, bleib doch, der Augenblick wird, genau wie du, auch nicht mehr schöner! Ja, das Fleisch ist ein breiter Strom, der sogar die Meere noch überschwemmen kann, bitte, mehr davon, bis am Strand einmal mehr Menschen sind als im Wasser vorhanden, mehr als man brauchen kann, das haben wir jetzt davon! Die einen haben mehr, die andren weniger. Es strömt aus den Tankspitzen und Tangas, es drängt mit Macht oder ohnmächtig hervor, man hat ja nichts andres, aber was man hat, das soll man gefälligst sehen! Da kommt was zusammen, kann ich Ihnen sagen. Ich sage strömt, weil es uferlos ist und nicht gebändigt werden kann von den paar Schnürriemen dieses Kleidungsstücks, haben Sies nicht ein bisserl kleiner? Paßt schon. Da wird vielleicht ein Schuh draus, wenn sich dieses Geschäft konzentriert. Nur der Tod wird seiner Herr, dann verwelkt er, der bepflanzte Schoß. Was sagt uns das? Die Einweg-Abwegspritze wäre jetzt fällig, ja, der Umweg zum Abnehmen, es geht aber auch direkt. Man verstopft dem Fleisch dann gezielt alle Auswege. Mehr kann nicht einmal ein dicker Stein an einem Kindskopf von sich sagen, welcher bereits fällig geworden ist und seither lose herabbaumelt. So früh? War das denn nötig? Wenn das kein Kampf ist gegen das eigene und das fremde Gewicht, dann weiß ich nicht, warum man überhaupt noch kämpfen sollte und wogegen. Krankheit kann einen nur befreien! Aber weshalb will sie dann keiner?

Du doppeltüriges Gebild, komm jetzt, Krieg, so komm doch endlich her, unberufen, irgendwer ruft ihn immer. Hier gehts rein, dort wieder raus. Die einen wollen nicht rein, die andren wollen nicht raus, und dennoch gibt es ihn: Hierher, zu mir, wir brauchen noch einen Krater, zumindest zum Schlafen, dann sind wir zufrieden. Ich kehre fleißig vor meiner eigenen Tür, damit du hereinkommst, willkommen, der Schatten deines Rauchs quillt durch die Risse und Sprünge im Boden, im Mauerwerk, kein Rauch ohne Feuer, kein Schatten ohne nichts, doch nichts ist er selber, der Rauch. Der Ruach – verwechseln Sie ihn nicht mit dem Ruachler, der zu geizig ist, sein Fleisch loszulassen, er fürchtet, daß es ihm jemand stiehlt! – nein, Ruach, der Geist, der wärs gewesen. Was sagen Sie? Aber der Geist ist doch so viel mehr als Luft! Er ist heiße Luft, Luft plus Energie. Und auch wenn Sie nicht so viel von ihm haben, ist er dennoch viel mehr als Luft, wenn auch leichter als diese, leichter als mein Atem, leichter als Muskelkrämpfe zu bekommen sind. Er ist: bewegte Luft, na, das können wir uns schon eher vorstellen. Das ist echt bewegend. Wir sind davon umgeben, was ich vom Geist nicht unbedingt sagen würde. Er geht durch alle Mühen, selbst ganz mühelos, hindurch, die man sich mit dem Töten gemacht hat, er ist Wasser auf unseren Knochenmühlen, man braucht einen dunklen Hintergrund, um ihn zu sehen, den wir aber selbstverständlich zur Verfügung haben, gerade wird er hereingeschoben, einer dunkler als der andre, dieser Rauch wird auch immer billiger. Alles, was brennen kann, brennt. Und immer dunkler wird er, je nachdem, was er sich einverleibt hat. Je mehr ihren Hintergrund verlieren, desto mehr stauen sie sich vorn, vor uns, sie scheuen sich kein bißchen.

Die Menschen verschwinden am laufenden Band, auf dem man sie doch so mühsam hergestellt hat, ganze Festmeter von ihnen. Manchmal hats auch Spaß gemacht, so ein Fest zu feiern. Wenn er nicht verschwindet, der Rauch aus Menschenstirnen – ja, so heftig müssen die hinter ihren Türen nachdenken, wie sie einander schaden können –, wenn er also nicht und nicht weggeht, schiebe ich ihn zuverlässig wieder hinein, den Rauch, ins brennende Haus, aus dem er kommt und das mit Brennen noch nicht fertig ist, aber immerhin wenigstens oberflächlich verarztet wird. Man sieht ihn jetzt endlich, den hellen und den dunklen Rauch, der Kriegsreporter ist auch schon da, um ihn zu interviewen, jetzt sehen ihn alle, er hebt sich ab, wir haben genauso abgehoben, da sind Menschen zuunterst gelegen gekommen, die uns nicht lagen, ihre Lage mußten sie alleine beklagen, sie, die nur einfach so hier gelegen sind, die aber uns nicht gelegen waren, alles Menschen, man glaubt es kaum, daß es so viele sind, und ab mit ihnen! Von denen gibts noch mehr! Die finden Sie überall, wenn Sie ein Auge dafür haben. Diesen Weg kann man ausdrücken wie eine Wursthaut, es kommt immer noch was heraus. 

Du hoffst etwas?, mir nach! Ich hoffe auch auf etwas, ich will auch einmal unten liegen, schauen, wie sich das anfühlt, da wären über mir aber nur noch Tote, die Lebenden sind jetzt weg, die haben sich geschlichen, als ich einmal nicht geschaut habe. Kreide an der Wand, durchgestrichene Striche, was haben die zu bedeuten? Und ich, was mach ich jetzt? Es ist halt so: Ich lebe nicht mehr im Licht. Ich kann mein Gesicht nicht mehr zeigen, Hilfe! Das Licht ist jetzt hingefallen, o weh!, nicht meine Schuld. Ich habe mir doch mein Selbstbewußtsein gebrochen! Ich bin es selbst, doch ich bin zu wenig. Ich bin diejenige, die nicht mehr selbst ist und nicht mehr selbständig ißt, die im Bett liegenbleiben muß, weil keiner sie aufhebt, die einen Schlag abgekriegt hat wie das Kind, das sie wieder geworden ist, sich erinnern muß und es nicht kann. Weil da vorher nichts war. Vielleicht bin ich, vielleicht ist sie, die ich jetzt bin, ja gar nicht mehr da? Wir haben sie gar nicht mehr gesehen, es ist uns gar nicht aufgefallen, daß sie weg ist, geduckt hat sie sich schon vorher verkrümelt, wir haben es gar nicht gemerkt. Ihre Einträge ins Tagebuch haben sich doch ganz flott gelesen. Diese Greisin an der Kriegsstatt, nicht an Krieges statt, leider nicht, die liegt da unter Goldfolie, oje, es scheint ihr was passiert zu sein!, der wurde an der Wiege nicht gesungen, daß sie einmal in Gold eingewickelt werden würde. 

Eine Bitte habe ich noch, obwohl kein Wort von mir zu überzeugen weiß: Geben Sie mir meine Waffen, geben Sie mir wenigstens die Waffen einer Frau wieder zurück, es ist nicht das erste Mal, daß ich darum bettle!, warum tun Sies dann nicht?, weil ich nicht mehr damit umgehen kann?, ich hatte sie doch vor kurzem noch!, jetzt sind sie verlorengegangen mit diesem fortgegelten, nein, nicht geregelten, mit Gel überzogenen Menschen, der sein Haar nicht mehr suchen muß, es klebt ja fest, mit dem wollten Sie sich auch gleich abseilen, segelten schon fast los, nur die Leinen hingen noch an ihrem angestammten Land. Warum verpissen Sie sich, und das auch noch so plötzlich? Wer setzt denn noch beherzt seinen Fuß vor mich hin, soll etwa ich etwas machen mit dem Herzen, das hier fußt? Mit dem Fuß, der sich in mein Herz gepflanzt hat? Nein, das wäre zuviel. Wenigstens die Armada folgt brav, nur eine ganze Flotille konnte den von mir fortbringen, das können Sie mir glauben, nein, Sie glauben das nicht. Da haben Sie ganz recht. Diesen wachen, in die Wirklichkeit gut eingesäten und eingegossenen Menschen hat man mir weggenommen, man hat ihn entführt, anders kann ich es mir nicht vorstellen. Freiwillig wäre der nie gegangen, vielleicht hat er sich aber auch von ganz allein abgesetzt, weil meine Absätze zu tief für ihn eingesunken waren, nein, Blödsinn!, jetzt hör aber auf!, nicht mein Absatz, sowas trage ich nicht, ich meine die Zahl meiner Profile hat ihn vertrieben, nein, auch nicht: Profite, die warens!, die ich mit mir gemacht habe, weil die jetzt wirklich fast auf null gesunken sind. Meine Bank, auf der doch einiges zusammengekommen ist, zum Beispiel dieses schöne Alpenmassiv gegenüber, die hat den Geist aufgegeben und den Körper gleich mit einkassiert. Wer gibt noch etwas für mich, Vergeltsgott, tauchen Sie Ihre Hände in Unschuld, nein, besser in dieses Kirchengefäß mit geweihtem Wasser, das führt den Stellvertreterkrieg mit Ihrem Verschulden geduldig, vielleicht kommt ja noch was dazu. Da ist noch ein ganzer Schuldenberg abzutragen.

Die Menschen tragen Lose aus den Trafiken heraus, als Notwendigkeit, die ihnen auferlegt worden ist: über andre zu siegen. Nein, Sie warens eh nicht! Sie waren damit beschäftigt, die Gegend mit einer Zahnbürste, nicht sehr effizient, zu reinigen. Das Gerät ist so klein und fürs Reinigen so wenig geeignet, daß man es später immer verleugnen kann, auch ohne daß ein Hahn danach kräht. Also: Eine andre Gegend als diese hier. Stellen Sie sich das vor! Eine andre Zeit auch noch! Kommen Sie aus diesem Schmollwinkel wieder heraus! So, und jetzt haben Sie auch noch das ganze schöne Wasser im Kirchenschüsserl mit Ihrer Handcreme verdorben! Hör mal, ich sage es, so gut ich es vermag: Laß mich wenigstens erdulden, was zu erdulden du über mich verhängt hast, laß mich dir irgendwas in die hohle Hand geloben, das dir hindurchrinnt wie ein ganzer Badesee, den dir dein Körper versalzen hat, das Salz hast du doch eigens hineingeschüttet, in Bitternis, gibs zu! Es ist eindeutig zuviel, was ich mir von jemandem verspreche, auch was ich sage, ist schon zuviel. Sie wollen nichts davon. Ich fürchte, hier staut es sich schon. Ja, hier, hinter meiner neuen Zahnbrücke mit Bezahlmaut. Die war echt teuer! 

Was fragen Sie mich denn, welche Untat ich damit begehen will? Ich will begangen werden, nicht begehen! Ich will eine Begehung und hören, was ich noch zu besorgen hätte in den Waffenfabriken der Frauen. Dort bekomme ich immerhin Altersrabatt, um meine armseligen Rabatten zu pflegen, nein, das darf ich nicht mehr sagen, das wird gestrichen, durchgestrichen, irgendein andrer wird das schon in die Hand nehmen, aber dafür keine Worte finden. Meine will er absolut nicht aufklauben und noch mal verwenden. Auch ich bin andren Sinns als vorhin, da ich noch gar keinen Sinn hatte. Ich rede, was genauso sinnlos ist, ich meine eher nicht, daß ich Sinnloses rede, sondern daß es sinnlos ist zu reden. Ich rede wie ein Bösewicht gegen eine schiere Wand, eine schwarze Piste, nein, die sollten Sie wirklich nicht befahren, Sie sind nicht mehr in Übung! 

Was sagt ihr? Ich gehe hier zugrunde? Leider tun das Tausende andre auch, ihre Häuser brechen erschöpft zusammen. Ich habe kein Alleinstellungsmerkmal, obwohl ich inzwischen ganz alleine hier herumstehe, wie kein Haus es täte, der Grund wäre zu teuer, und irgendwas gestehe, das niemand interessiert, etwas, das an mir reibt oder reiben soll, wenigstens kitzeln, wenn mein Geschlecht grade friedlich in der Hängematte liegt. Es traut sich eh nicht mehr raus. Der heilige Strom quillt aus der Steckdose und überspült meine lieben Geräte, soll ich sie Geräte nennen?, es gibt keinen Kraftstoff mehr für sie. Wie betätige ich nur meinen Anlasser, doch anlassig möchte ich auch wieder nicht werden in meinem feuchten Dunkel. Sowas spricht sich schnell herum. Ich muß mich endlich beherrschen, da es kein andrer tut. Der Strom also, darfs ein bisserl mehr sein?, ich werfe ihn einfach weg, damit ich nicht in Versuchung komme reinzusteigen. Dann bleiben auch die Geräte endlich stumm. Die Stromrechnung habe ich nicht mit ihrem Wirt gemacht, der mich vorhin doch mit einem fadenscheinigen Angebot erst in diese neue Stromrichtung hineingelockt hat, die alte hab ich gekündigt, jetzt steigt er mir schon bis ans Kinn, der Donaustrom, nein, der nicht, aber der hat auch einiges zu bieten. Ich hebe mich anmutig heraus, stütze mich auf die wellige Oberfläche, es ist keine Dauerwelle, es verschwindet wieder. Ich muß sagen: Der böse Wirt stellt mir die Rechnung aus, er macht einen schönen Profit mit mir, und dennoch, ich profitiere ja auch von schwerer Krankheit und trüber Sehnsucht Qual, die zu beschreiben ich versuche, doch das Blatt bleibt seltsam leer und fällt irgendwann einfach runter. Sag, hast du denn keine andren Sorgen? Ich habe nur Sorgen, diese und andre. Ganze Netze werden zusammenbrechen, das ist das nächste, was uns droht. Geschieht ihnen recht. Dieser Strom hat mich ins Tiefe hineingeschmissen, ohne zu schauen, ob ich auch schwimmen und überhaupt mit dem Wasser umgehn kann. Ich kann es nicht. Ich glotze auf das Schirmchen auf dem Eis, das man mir dauernd schickt, wozu diese Verzierung, wenn sich doch keiner eine Pirouette oder einen Achter zutraut auf meiner spiegelglatt polierten Fläche, die ich darbiete, man muß den Leuten ja einen Grund geben, zu kommen und einen zu betreten. Er könnte doch einfach auf die Klingel drücken und hereinkommen zu mir. Na, vorhin hat es ihm nichts genützt. Es war Mord. Ich höre nichts mehr. Ich lausche. Wer da?, frage ich. Als Endverbraucher ist man halt immer der Trottel. 

Er hat sich einfach umgedreht und ein andres Schaf ins Trockene gebracht, jetzt geht mein Föhn auch nicht mehr, wenigstens ist er wesenlos, der Strom, sein Anbieter nicht. Hinein in den Trockner gehts mit frischer Kraft, na, der geht wenigstens. Ich dagegen will noch nicht gehen, ich will noch länger dagegen sein und warte diesbezüglich ständig auf Angebote, die einander unterbieten. Die Dose erbebt vom Anprall, wir haben eine spitze Zeit, sie wackelt (ich glaube, ich meine jetzt die Dose) von den Sprüngen aus dem Stand, die ihr zugemutet werden, und wenns schleudert, wird es noch enger für diesen lieben, wenn auch begriffsstutzigen Energiebolzen, den Elektrostreber. Kleiner Kraftmeier! Er sucht nach dem Stabmixer für mein vermischtes Getränk, diesen Teig hier nimmt er gleich auch noch mit, Moment, entschuldigen Sie, was Sie da Teig nennen, das ist mein Körper!, steigen Sie runter, sofort! Das ist typisch, mein freundliches Gerät, welches die ganze Zeit schon eifrig bereitstünde, das sucht er nicht, der behelmte Held. Ich habe es in der Hand, es schaut nach nichts aus, das soll mir gehören? Irgendwas darin wird doch noch genießbar sein, hoffe ich. Keiner will es. Ich kann hier paddeln wie ein Hund, den Kopf wie üblich hochgereckt, damit mir nichts in den Mund, sondern aus ihm rausrinnt, auf diesem Weg bin ich jetzt schon lang, den Führerschein hab ich zurückgelegt. Den kann jetzt ein andrer nehmen, diesen Weg auch, von mir aus, ich brauch ihn nicht mehr. Ich lege ihn zurück. Welche Absicht werde ich nun verfolgen? Oder verfolge ich wen anderen? Was sagt ihr dazu? Ihr sagt: Wir werfen mit Waffen, wir wissen sonst niemand, den wir rufen könnten, freiwillig unsere Vorräte aufzustocken. Die Batterien stehen nutzlos herum, dennoch ist es unberufen. Diese Waffen treffen, zumindest würden sie, wenn sie könnten; das ist nicht wie mit dem Pfeil, der endlich den Bogen raushat. 

Der Wetterstrahl der Blitze schleudert zu Boden folgendes, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge: Geräte, Turbinen, Zentrifugen, das Atom selbst, unseren kleinen Totalverwüster, unseren kleinsten Baustein in der Spielecke. Dabei gibts auch woanders so große, weite Wüsten, die dort schon geboren wurden, wo sie zu besichtigen und zu begehen sind, was meist nicht weit führt. Wehe dem Fliehenden! Welt hinaus Ziehenden! Fremde Durchmessenden, Heimat Vergessenden, Mutterhaus Hassenden, Freunde Verlassenden, so, jetzt reimt sich wirklich nichts mehr, ich bins doch gar nicht gewesen!, ich habe das nicht gewollt!, ich fahre fort, folget kein Segen, ach! Auf ihren Wegen nach! Applaus, Applaus, schreit Kermit, der Frosch. Miss Piggy ist geschmeichelt, weil man ihr das Lesen zutraut. Jetzt hatten auch Sie etwas besonders Schönes zumindest zu überfliegen, aber alles Schöne endet einmal. Dieses genau hier. Jenes dort, an einem unbekannten Ort.

Warum nehmen Sie nicht derweil diese hier, die wird auch bald eine Verlassene sein? Diese vielen Menschen liegen hier schon lang herum, die stinken ordentlich, sind dafür aber sortenrein. Sie wurden wiederum in ihrem eigenen Staat, welcher sich woanders befindet als sie derzeit, in jahrelanger Mühe gezüchtet. Und jetzt rennen ihm die Bewohner davon! Dafür rennen andre jetzt her! Nichts Neues unter der Sonne, der es längst zu heiß ist. Steht eh alles da, der Menschen Herkunft und Heimkunft wurde vermerkt, von mir, gemerkt hat sie sich keiner, es war einfach nicht nötig, dabei steht es doch da, auf diesem metallenen Blättchen, das nie einen Baum gesehen hat, dessen Familienname auf einem kleinen Schild verkündet werden könnte. So, und was machen die jetzt alle hier am Waldfriedhof? Ich frage mich das schon. Nur hier haben die Bäume Platz, umringt von lieben Toten. Wer kennt die Zahlen, nennt die Namen, wie sie hier zusammenkamen? Und wenn man sie kennt, kann man sie nicht aussprechen. Wir wollen sie aber eh nicht ansprechen. Man kann sie einfach nicht auseinanderhalten, die einen von den andern. Genau wie meine Worte liegen sie da, ein gemischter Satz, der gekommen ist, um zu bleiben, obwohl ich einiges davon streichen sollte? Die kann man vergessen und tut es auch. 

Sollte ich Ihnen eine wohlbesonnene Beratung anbieten? Der Gefangene oder was er ist, der wird gerade, ja, schauen Sie nur hin!, mit Handschlag übergeben, mitsamt seinem Bogen, den wir nun raus haben, er hat es uns gezeigt, die Parabel der Flugbahn entlang, seit Flugzeuge zu tragen gelernt haben, dafür wurden sie schließlich ersonnen. Und seit der Boden tragfähig wurde und die Erde wieder gefestigt, wurden auch die Waffen zusätzlich noch verstärkt, die müssen ja die ganze Arbeit machen. Also ihr Bestand wurde vergrößert, eine allein kann aber auch schon ganz schönen Schaden anrichten, keine Ahnung, wieso die dauernd überall herumfliegen, unsere Stärke bleibt davon unbehelligt. Schon seit die Atome herumfliegen, will man sie spalten. Der Mensch kann nichts sein lassen, wie es ist. Jetzt kommt sogar das kleine Atom noch zum Handkuß. Nein, im Gegenteil, es ist unsere Stärke! Wir küssen ihm den Arsch. 

Die Flüge gehen nach oben, zur Seite, und sie werfen mit Zeug auch nach unten, sie dringen ein, du liebe Erde, mein lieber Schwan, immer nur rein in den Boden, wo der ist, gibts noch mehr davon. Sie können ihn ganz einfach bestellen, Ihr Zellentelefon geleitet Sie alle, wie Sie da daherkommen. Ich glaub, ich werd nicht mehr. Jetzt hab ich mich schon wieder verklickt! Ich werde nicht mehr ganz, weil ich die Teile zu lange nicht erkannte, wozu dienen die überhaupt? Ich persönlich glaube, meine persönlichen Teile, ich spreche noch nicht von Krieg, das hier ist privat!, sind zu lang nicht mehr anerkannt worden, das ist mein Problem, wozu diene ich noch? Also mir nicht! Ich erkenne Teile auch nicht, teile ungern und mache alles verkehrt. 

Der Weg kommt jetzt auf mich zugekurvt, er kippt mir entgegen, dabei wollte ich doch zu ihm gehen. Dies verhaßte Leben hält mich noch aufrecht, Weg, laß mich dich begehen, du Pilgerweg, den Tausende gehen, die genau wissen, wohin mit sich. Das Ziel wartet, es müssen nur noch die Koordinaten der Gottesmutter und/oder ihres Sohnes (auch der Apostel Jakobus ist sehr gefragt, antwortet aber nie), wenn die Mutter tagsüber nicht zu Hause ist, eingegeben werden. Der Sohn trägt seine Adresse auch auf einem eigenen Schildchen, wie die Bäume im Lehrwald, damit man ihn zustellen kann, falls gewünscht, dort steht sie doch eh, Ihre Computer-ID: INRI. Wohin des Wegs, das fragen sich viele, die in den Himmel schauen, ob man diese schlecht angezogene Frau in ihrer Art von Schlafrock dort schon sehen kann, bis zum nächsten Mal wird es wieder 126 Jahre dauern, sagt man, sie ist immer in Blau, das wurde ihr vom Erzeuger vorgegeben, der sie lebendig, so, wie sie ist, einst wieder zurückgenommen hat. Das ist selten. Es wär nur, weil es droben so komisch knattert (oder was weiß ich, was für ein Geräusch diese Flugkörper halt machen), in den siebten Himmeln, wo sie auch bald zu sein hoffen. Sie sind dabei aber von anderen abhängig, ob sie leben oder sterben, das ist egal. Wenn es aufhört zu toben in den Lüften, Moment, ich schaue nach, summa summarische Wespen im Anflug, aha, darunter kann ich mir was vorstellen. Motorengeräusch, klar, wie sollen die denn sonst fliegen, wenn sie nicht fliegende Motoren sind, alles andre wäre ihnen ja zu schwer, sie müssen aber doch auch irgendwas tragen? 

Einen Moment noch, bitte: Was gibts vor meiner Höhle für ein Geschrei? Dort ist doch niemand! Die sind alle woanders, immer ausgezogen, woanders, dabei soll nichts von ihrem strahlenden Lächeln ablenken, ihr Körper aber schon auch wichtig. Ist mir nur recht, doch diese Drohnen fürchte ich mehr als Drohungen, klar, die wollen sich an mir auf ungute Weise gemütlich tun. Auf einen Rat von jemandem versuche ich, mich hinzugeben, das heißt natürlich, wie üblich: mich aufzugeben. Wird auch immer häufiger verlangt, allerdings nicht mehr von mir. Ich habe noch keinen Adreßanhänger erhalten, er wäre mein einziger Anhänger, ich glaube, das habe ich schon mal gesagt, oje, das Alter! Jetzt hat es voll zugeschlagen! Auf meinem Schild steht nichts drauf. Solche Drohungen, daß einmal wer kommen könnte, fürchte ich nicht, wie gesagt, es kommt eh niemand, aber diese Hand, diese Hand da, die fällt, die fürchte ich, denn sie fällt nicht auf mich, nie mehr. Ich habe lang gewartet, sie ist nicht erschienen. Sie ist unentschuldigt ferngeblieben.

Das Flugzeug dort, ja, das kann man auch nehmen, wenn man Zeit zum Stehen und dann noch ein Ziel zum Fliegen hat; seiner Nahrung beraubt, wird es nicht einsam verschmachten, das Luftgefängnis, es holt schon wieder Futter für die Erde und Brot für die Welt. Wir wollen nicht nur in die Luft, wir wollen, kaum sind wir oben, schon wieder nach unten, wenigstens die Geschosse dorthin abwerfen, die uns beschweren und über die sich dann wiederum andre beschweren. Tief dringen sie ein, die kleinen Wirbelwinde, schon beneide ich den Boden wieder, die Ungeborenen werden dafür mich beneiden. Mein Fleisch ist mürbe, und der Geist ist auch schwach. So weit wir nach oben kommen, so weit können wir noch nicht ganz nach unten, später, spät, aber doch, vielleicht noch weiter runter, tiefer, immer noch tiefer die Bunkerknackerbande, das ist schon sehr tief, und es geht noch tiefer; wenn die Maschinen sich wirklich bemühen, dann geht das. Wir treffen in tiefinnere Gebäude, hinterlassen unsere verblassende Unterschrift, unsere Beglaubigung, in Festungen, in Erdreich, die Energie der Körper bricht sich Bahn (bloß: Es ist eine Lokalbahn und wird eingestellt, balde, an ihrer Endstelle wurde nichts gefunden, und niemand ist ausgestiegen), die man sich nicht so simpel wie unsere vorzustellen hat, wo man wenigstens weiß, wo oben und unten ist. Anfang und Ende. Energie durchbricht alles, sie durchbricht auch diese Dose, daraus sollten Sie aber keinen Kurzschluß ziehen! Sie sind montiert, die surrenden Luftgespenster, und sie montieren alles ab und nehmen es dann mit. Stellen Sie sich vor, Sie müssen das ganze Fett, das Sie so mühsam abgenommen haben, weil es kein andrer tat, in Ihrem Tragesackl vom Supermarkt ständig mit sich herumtragen! Es ist ein Kreuz. Doch Moment mal: Auch Menschen werden immer gern genommen, bitte sehr, hier haben Sie die Auswahl, hier liegen sie dann ja und haben viel Zeit. Nichts zu danken. 

Was wollt ihr, Fremdlinge?, ihr müßt es nicht sagen, ihr bekommt es, auch ohne daß ihr es sagt. Die Durchschlagsmöglichkeiten in Beton sind unendlich wie der Ewige selbst, unsere Adern schlagen in Angst gegen unsere Haut, wollen unbedingt raus, wir fangen uns knapp über dem Boden, der Mutterboden unser Fallschirm, denn jetzt gehts hinab. Die Stricke erscheinen unter der Haut und zeigen genauestens das Alter an. Es pumpt etwas unter felsiger Erde, es spielt mit seinen Muskeln. Vorher jemand zu erwischen, abzufangen, das wäre wahrscheinlich besser und preisgünstiger gewesen, doch unten scheint die Sonne nicht und in die Tunnels schon gar nicht, da sieht man uns nicht im Fernsehn, wenn mal was passiert und wir es wert wären zu erscheinen. Andrerseits, viele wollen gerade dorthin, wo die Sonne eben nicht scheint. Irgendwo treffen sie sich, am Zenith ihrer Fähigkeiten und Fälligkeiten, das Gras legt sich gehorsam vor ihnen nieder. So. Wir fangen uns diesmal also nicht, das soll gefälligst ein andrer tun, wir werfen alles ab, die Plazenta aus dem Stoff, aus dem keine Träume sind, wir steckten drin in dieser Funktionskleidung und haben den Stoff von innen her kontaminiert. Blöd von uns. Dieser Stoff war das einzige, das noch funktioniert hat. Aus der Traum. 

Wir fahren gleich wieder in die Höhe, na ja, etwas fährt, aber nicht mit uns, also bitte, ist das denn kein Lift? Bei dem Schild „Außer Betrieb“ hätte man das doch vermutet, nein, kein Lift, nicht alles, was nicht funktioniert, ist ein Lift. Wir fahren noch tiefer noch schneller wieder nach unten. Entscheiden Sie sich, rein oder raus? Aber stehen Sie nicht im Weg, wenn unsre Bomben kommen! Überlassen Sie das nur Ihrem Haus!, das weiß schon, was es zu tun hat, es legt sich nieder. Sieh an, noch ein Bodenknacker! Da fliegt er doch, gleich neben uns! Wo habt ihr seinesgleichen schon gesehen? Aber wir haben ihn noch nie gesehen! Und wollen das auch nicht nachholen. Wir haben keine Minute zu verlieren, denn es ist unsere letzte. Wenn wir ihn sehen, ist es schon zu spät. Natürlich schauen wir nur, wenn alle sich versteckt haben und keine Gefahr mehr besteht. Dann suchen wir alles, was wir wollen! Schon wieder alles hin! In dieser öden Fensterhöhle steht noch ein halber Tisch mit einem halben Teller und einer halben Salatschüssel drauf, vielleicht ist ja noch was drin. Wenn wir zum letzten Mal die Tür hinter uns zugeschlagen haben und uns wieder dem Knochenzwang übergeben, schauen wir gelassen aus uns heraus. In unsere Nagelbetten können wir uns nicht legen, doch eine Decke wäre fein. Nichts da! Müssen wir jetzt etwa zu Fuß in die Ewigkeit? Einen Fuß haben wir doch gar nicht mehr, nein, den andren auch nicht! Wo kann dieses Loch, dieser Krater besichtigt werden von denen nach uns, wer soll das sein?, das Feuer erklimmt schon die Treppe, welche derzeit im Freien zu besichtigen ist? Was, das Feuer immer noch nicht aus? Okay, wir buchen gleich jeden Flug vom dritten Stock aus, irgendeinen, auch wenn der noch nicht im Buche steht, daher kennt die Flugsicherung ihn nicht. Wen soll ich rufen? Soll ich Felsen rufen, damit sie geknackt werden, soll ich in den Boden hineinrufen, bis ich das Ziel kenne, das mir von dort zurückschallt und in Pulverform erstirbt? Soll ich die Krähen rufen, daß sie Nüsse knacken, soll ich ein Fahrzeug rufen, daß es uns die Knochen knackt, damit wir uns selbst leichter fressen können und es auch andren leicht machen wie die Erde?

Hören Sie auf meine Worte, es gibt schönere, das gebe ich zu, doch meine Worte gebe ich Ihnen trotzdem, ob Sie wollen oder nicht. Notfalls dränge ich sie Ihnen auf. Betrachten Sie sie vorurteilsfrei, mein Aussehen sollte Sie nicht dazu verleiten, meine Worte zu verwerfen, bloß weil es so viele sind! Die fallen sonst auf Sie runter, und Sie haben den Regelschirm für sie vergessen. Und es ist unmöglich, auf das Wort der Feldherrin nicht zu hören, die sich gebückt vom Acker macht, die sich schleicht, die Saat ist ihr abgestorben, bevor sie noch im Boden war, sie selbst ist redlich und ehrlich mit den Worten gegen den Staat, immer gewesen. Ich hab sie gehört, Sie haben es gehört, ich hab sie verwendet, ich hab sie verschwendet, die Worte, mein Gott, wirklich so viele!, etliche von ihnen noch frisch, andre wieder schon gegessen, obwohl niemand Hunger hatte. Meine Worte waren unnötig! Hilfe! Wie ist es möglich, daß andere anderen Sinns geworden sind, als sie diese Quelle sahen, neben der stumpfsinnig die Blumen herausragen? 

Ich habe es nicht bemerkt. Über all der Schönheit, die ich mir, durch Fernhandel erworben, über die Brust gelegt hatte, einen echt chinesischen BH, von so weit her!, hab ich es aus den Augen verloren. Ich hatte nur Augen für mich. Alles andre weggespült plus Weichspüler, Tiefspüler oder Flachspüler, alle weg? Mir fehlen die Worte! Schauen wir einmal nach, also meine halten noch, sie halten sogar besser, wenn man ihnen einen Gips anlegt oder den Kalk verwendet, der schon da ist. Daß der Haken dran nur nicht rausreißt, an dem ein fremdes Bild hängt von einem Menschen, wo kommt der denn her?, an dem wiederum ich hänge. Mich aber halten sie nicht. Die Menschen halten mich nicht, ich bin der Übertrag, nachdem ich alles abgezogen habe, was sich in meinem Abflußsieb gefangen hatte. 

Nachdem sie mich gesehen haben, die Kämpfer, die Monstren in ihren Monturen, und zusätzlich haben sie noch so Sachen an sich montiert, damit man sie besser sieht, da waren sie auch schon wieder weg. Sie haben gesagt: Ein andermal, wenn Sie es schaffen, so lange durchzuhalten, bis Sie in ein Werk fließen dürfen. Wir melden uns, versprochen! Haben diese Worte sich etwa umbesonnen und wollen woanders ihre Fühler ausstrecken? Vielleicht kommt ja ein Wortklauber und nimmt sie mit? Als Restebucher an der Restebörse buchen die, verbüchern sie sich, ein fixes Zeichen für ihre Geburt, das Billigticket, daß sie weiterkommen werden, ist ihnen alles, darauf verlassen sie sich, da nie einer kommt, nicht einmal in der allerletzten Minute. Dann nur noch sie übrig. Legen Sie sich jetzt bitte auf diese Untersuchungsliege, ich baue Sie gleich ein, egal, was Sie haben. Und auch von Ihnen bleibt nichts übrig, wenn all die Reste gegessen und Sie abgebaut sind. Es wird sofort alles billiger, wenn man Sie nur anschaut. Na, dann schauen Sie mich halt an, ich gebe es schon längst billiger, das haben Sie noch gar nicht gemerkt!, ich würde mich und meine Worte auch gratis geben, da kommt schon einer, der wäre angeblich interessiert, aber nein, ich soll gefälligst für mich selbst auch noch bezahlen, obwohl ich wie üblich für andre zahlen wollte, nur für mich nicht, weil ich mich nach diesem Mahl dermaßen übergeben mußte! Wieder mal keiner da. Ein Trinkgeld für mich selbst? Trinkgeld marschiert. Ich muß zu mir noch etwas dazulegen, unbedingt! Was reden Sie da! Und überhaupt.

Schnell, gib diese Maschine her, es geht keine andre mehr, das ist die letzte, Menschentrauben hängen an ihrem Gestell, von den Flügerln, von den was-weiß-ich, wie man sie nennt, mit dem sie in der Luft abhängen: Rücksendungen eines verwüsteten Lands!, sie soll aufsteigen, die Lufthexe, und was abwerfen, vielleicht kann man sie noch für den letzten Rest anhauen und auspressen, vielleicht kann man so diesem unseligen Land den Rücken kehren? Nein, ich meine: ja, Blut ist ein besondrer Saft, auch für Mixgetränke durchaus geeignet. Diese Menschen, Beute der eigenen Heimat, wollen nur noch weg, und wärs als Marmelade, diese Früchterln, die auch für mich noch etwas abwerfen, ja, auch mit sich selbst werfen! Ich brauche das alles nicht und lasse es liegen, lege mich sogar dazu. Schnell, gib das Schiff her!, es soll endlich Maschinen losschicken, Pflicht und Gemeinwohl verpflichten mich zu nichts, sagt der Feldherr, der andre drüben sagt auch was, ich konnte aber nicht so schnell mitschreiben, und schon hat es sich wieder geändert. Schnell, gib deine Waffe her, sagen wir, das ist unmöglich, wehe, wenn sie losgelassen, sie hört aber nur auf das Wort des Feldherrn, ich höre es auch, alle hören es, du Höllenbrand! Du Höllenhund! Du Ungeheuer! Nimm die Waffe aus meiner Hand zurück, schau noch mal ordentlich nach, da ist sie doch, was jammerst du, daß immer nur die andren Waffen haben? Du beneidest sie doch sogar um ihre Ladehemmungen! Daß wir losschlagen müssen, weil auch die andren Waffen haben könnten? Daß die anderen kommen, und wir haben noch keine Waffe zur Hand? Da tropft etwas von der Klinge, der Tod stirbt hier noch vor den Menschen. Was tust du hier überhaupt, was tust du mir an? Du schwörst mir was? Du kannst mich mal! Steigst einfach auf und knackst meinen lieben Boden mit deinem stählernen Körper, der nicht einmal geschult werden mußte in der Muckibude des Kriegs, der konnte alles schon von alleine. 

Das war noch davor, glaub ich, daß du in die Schule des Lebens gegangen und durchgefallen bist, bis in die tieferen Erdschichten und Lebensgeschichten hinein, die auch oft recht tief sind. Der hat schon davor alles gekonnt, was nötig war, dieser Körper. Was sagt er da? In dieser Schule lernt man am meisten? Man lädt Schuld auf sich und schultert Wohl und Wehe, was halt so kommt? Wehe, wenn sie losgelassen!, keine Ahnung, der Körper macht keine Geschichten mehr, und wenn, dann kann er es nicht mehr weitergeben, das heiße Eisen, also ich hätte nichts dagegen, heiß zu sein. Man gibt sein Innerstes preis, und schon reißt einer den Preiszettel ab, daß niemand denkt, er kann es sich leisten. Was, ist das Ihr Ernst? So können Sie doch nicht auf die Straße gehen! Da wirft einer mit Stöcken und mit einigen seiner Glieder, einem wichtigen, nach den Bewohnern, an denen er selbst bald eingehen oder sich vergehen wird. Die Zeit vergeht auch, wie üblich, es ist bloß die Normalzeit. Die rechte Hand ist nach einer Waffe ausgestreckt, die linke weiß es noch nicht. Sie weiß nicht, was die rechte getan hat, und sie war es danach nicht. Niemand war es jemals. 

Der langen Rede übliche Sinnlosigkeit: Die Erfahrungen in einem Krieg sind einfach unbezahlbar, man kann sie auf viele andre Sachen oder Probleme auch anwenden, sogar ohne sich in Gefahr zu bringen. Das würde ich gern probieren, ich würde Gefahren gern vermeiden, aber da ist kein Körper mehr neben mir, nur noch mein trübes Leben, das man mir schon die ganze Zeit als schönen Lohn für das vorherige verkaufen möchte, in dem ich irgendwas gemacht haben soll, keine Ahnung. Dabei kann ich nicht einmal hindurchschauen auf ein andres, nicht einmal auf eins, das schon abgelaufen und günstig abzugeben ist. Ich habe alles vergessen. Da ist ein Vorhang davor, vor dem Tempel meines Leibes, der sich gabelt und die Ziellosen mit selbstgemalten Transparenten leitet, auf denen ein Blödsinn steht. Beide Wege führen zu mir, beschweren können Sie sich bei den Felsen, die sich wiederum bei der Sonne beschweren, daß mit Schneekanonen auf sie geschossen wird. Immerhin werden sie dann am Ende leichter, wenn sie ihre Bekleidung und ihre Ladung ins Tal geschmissen haben. Sie sagen aber vorher: Hören Sie auf, sonst kommen wir runter! 

Hören Sie, Sie können mir doch nicht das, was ich gar nicht habe, aber gern hätte, als meinen Profit verkaufen! Wenigstens Worte geben, wenn schon nicht Körper, der am Saum ausfranst wie mein kurzer Atem, den ich mir überhaupt erst holen muß? So haben Sie sich das gedacht! Wenigstens die, ja, die meine ich, meine Worte, sie nähern sich mit ihrem schwachen Luftantrieb, wenigstens kostet er nichts, was sind die schon, die kleinen Kerle! Überstandenes, nein, überständiges Leben hat sie mir diktiert, das hat eine Zugabe verlangt, eine Grabbeigabe. So schnell kann ich doch gar nicht tippen, wie ich verliere! Schon vorhin konnte ich es nicht mehr, und da war es noch einfacher, da hat der Schöpfer persönlich diktiert. Er war schnell am Ende. Ich halte länger durch. Bei mir wird alles zu lang. Ich lüge hier, Erde auf mein Haupt!, aber wer sollte es sonst gewesen sein? Und wer hat es ruiniert, was da stand? Mir fällt ja nichts ein, davon aber sehr viel. Und wir? Wir müssen erst noch eindringen ins Wörterbuch, denn man sagt: Ein Mann, ein Wort, eine Frau, ein Wörterbuch! Sie können auch absterben wie diese oder falsch sein, auch wie diese. Ja, das sagen Sie! Alles, was leicht gesagt ist, sagen Sie! 

Was? Ich sollte noch etwas ausharren hier, dann wird mir vielleicht noch was einfallen, das dieses Wetter erhellt? Vielleicht wird das gar kein Blitz sein, sondern etwas eher Unnatürliches, das die Tür eintritt? Sind da welche, ein paar letzte Worte, die um Schutz dich ausdrücklich gebeten hätten, hätten sie sich ausdrücken können? Du sollst sie lieber spenden, als sie hier hinzuschmieren, sagen Sie und gieren nach meinen Wortspenden mehr als nach mir. Mit diesem Geschoß raubst du Leben und gibst nichts zurück! Doch dort, auf der Klappe steht es, unverbrüchlich, da stehen brüderliche Worte, die ich Betschwester verfaßt habe. Meine Bitte: daß ich mich noch eine Weile halten möge und mich dabei schön anziehen kann. Dafür spende ich gern. Was ich noch erbitte: Nachbarschaft halten mit allen, mit Tieren im Gebirg, mit Fischen im Wasser, mit Hasen in Wurzelsauce. Wir haben dafür (die müssen wir ja alle umbringen, damit wir sie uns einverleiben können) das falsche Werkzeug mitgenommen! Das, was wir getan haben, wird nie halten, dieser Schraubenzieher ist ja dünner als eine Wimper! Solche Schrauben gibts ja gar nicht! Ich bin wirklich dümmer als mein Wort erlaubt. Gehen wir also mit schwererem Gerät ans Werk: Nachbarschaft zu brechen, sind wir gekommen, Lebensfäden zu reißen, in Felsen, schroff und steil, einzuschlagen wie Blitze. Dafür hat es sich doch gelohnt, oder?

Drittens: KRIEGSFOLGEN

(Josephinum – Medizinische Universität Wien)

Dazu (wozu noch mal gleich?) sind wir gekommen. Ein paar andre Gründe gabs auch noch, die ewigen Spiegelgründe (inzwischen umbenannt), wohin der Herr Professor damals, als alle das taten, wenn sie die Gelegenheit bekamen, die kranken Kindlein, in Kenntnis ihrer kindischen Persönlichkeit, die einer Behandlung bedufte, und zwar einer völkischen Endbeobachtung und unheilpädagogischen Endbehandlung, zur Weiterverwertung geschickt hatte. Dafür muß man ein langes schwieriges Studium schaffen, damit man Menschen human wieder wegschaffen kann. Gehirne mußten extrahiert und haltbar gemacht werden! Für die Nachwelt. Die Welt verlangte das. Von Fördermaßnahmen zur endgültigen Beförderung ins Ungewisse kann bei gewissen Leuten nicht die Rede sein. Das macht außerdem alles Arbeit, genau, wie ich sage. Das muß bei Beurteilungen mit bedacht werden. Jetzt durfte er sich endlich davon erholen, der große Mann mit dem unsterblichen Namen, der Heiler mit dem heiligen Namen, mindestens jeder in meinen Kreisen hat ihn schon öfter im Mund geführt oder sparte ihn für seine Kinder auf. Dieser Mann durfte sich vom Ende andrer inzwischen nachdrücklich erholen, er durfte neu anfangen, er durfte diesen Abenteuer-Erholungsurlaub hier antreten, wo er im Hauptteil und auch in ein paar Randnotizen seinen Auftritt hatte. Mein Ton ist gemessen, meine Zeit bereits abgemessen und teils auch gegessen. Gekommen sind wir doch alle, uns auszubreiten und Freunde mit Bedacht zu beleidigen, daß sie endlich verschwinden, außer sie sind schon weg, wir können nichts dafür. Wir können nie was dafür. Und wer holt uns jetzt ab? Hier haben Sie mich verloren, holen Sie mich bitte wieder ab, nehmen Sie meine Spur wieder auf, ich zeichne sie Ihnen ohnedies vor! Ich warte. Für heilpädagogische Behandlungen ist es aber längst zu spät. Das Unheil wartet schon. Wir wissen niemand, den wir zu Hilfe rufen können, also rufen wir uns selbst. Wir haben den Ruf erhalten und unsren Ruf zu erhalten. 

Verschickt werden wir nicht, wir werden nur beobachtet, ob sich das Porto lohnt, was keinerlei Folgen oder Konsequenzen haben wird. Nur die Stärksten kommen durch ins ferne Land, unnahbar unsren Fußtritten, zu denen gehöre ich nicht. Ich biete mich an, was soll ich denn sonst machen?, wo soll ich denn sonst hin?, ich schleiche mich an den Herrn Professor an, wer tut sowas schon freiwillig?, das mußte ich, das war damals die Aufgabe, die uns Heiligen, nein, zu Heilenden von diesem Herrn gestellt worden war. Ich schleiche also dahin, ich schleiche mich nicht, ich stelle mich dieser Aufgabe, trotz größter Konkurrenz, die auch fleißig am Schleichen ist, so viele haben das vorgemacht, wer geht denn heute noch aufrecht!, ich robote mich also vor auf die Lichtung, mein Kleidchen schon durchgeschwitzt und verdreckt, wo der Herr Professor Asperger, dies sein großer, teurer Name, höret!, sieh an!, merken Sie es sich, nein, sehen kann man ihn nicht mehr, der ist nun woanders ausgestellt, wo er auf Zeugnissen draufsteht, bei den wächsernen Ewigkeitsfiguren, sagen wir so, es ist mir ja total gegenwärtig, ich richte mich nach ihm als Fixstern, mitten auf dieser Lichtung, wo er schon fix auf mich wartet, jener eine, der dann aber dafür mich nicht sieht. So schauts aus. Er glaubt natürlich im vorhinein, ich sei der Aufgabe, die er gestellt hat, nicht gewachsen. Er nimmt nicht an, daß ich die Aufgabe überhaupt verstehe. Er versteht alles, er muß nicht wachsen, er ist schon groß. Und er soll die sichtbar machen, die nicht gesehen werden wollen. Die sowieso niemand mehr sieht, sind natürlich mitgemeint. 

Auf los gehts los! Ich behielt ihn im Auge, er mich nicht, er hatte mich gar nicht drin, nicht auf dem Röntgenschirm, sowas hätte er aber nicht gebraucht, die Gegend war höchst übersichtlich. Über die Weiten dieser Stadtsteppe wird niemand mehr in die Kanonenöfen, ins Gaswerk oder zur medizinischen Weiterverarbeitung transportiert werden, alle hier, die Kollegen Beklopften, die müssen sich jetzt einmal selber bewegen, wie der Hammer auf den Amboß, das ist gesund. Aber natürlich nicht beim aufrechten Gang. Man muß schon lernen, sich bei Eigenbedarf zu bücken. Was soll das? Will er mich nicht sehen, oder was? Bin ich zu klein? Zu groß? Nein, das auch nicht. Sprechen wir von etwas anderem, das solche Leute schließlich sind. Für die ist alles etwas anderes, wenn sie es tun. Sie machen alles hin, und hinterher erklären sie einem, was das war. 

Seine geblümten Töchterlein, keine von uns natürlich, also müssen es seine sein, nicht wahr, haben doch glatt, ja, glatt ist es gegangen, so wie sie einst aus dem Leib ihrer Mutter geglitscht sind, waren das Zwillinge?, weiß ich nicht mehr, die haben sich also spielen dürfen, aufspielen, schön auf- und abspielen, als sie noch kaum in dem Spital der Spitzenklasse angekommen waren. Diese Töchter eine einzige Bußübung in Sachen Gesundheit. Gesünder als die konnte niemand sein, darf ich vorstellen? Nein, geht nicht, sie verstellen mir die Sicht. Auch heute noch. Und ich krieche im Staub. Diese beiden betreffenden Kinder wurden natürlich nicht transportiert, nicht abgeschoben, waren keine Betroffenen. Sie kamen viel später an, als die Züge schon wieder fröhlich ins Salzkammergut und auf den Semmering fuhren, alles gut, nichts wird ihnen dort versalzen. Versprochen! Wir Langzeitpatienten haben sie das ganze Jahr nicht gesehen, wir wußten nur, daß es sie gab, die beiden. Nur als Jesus zu seiner Geburt eintrudelte, wurde mehr Lärm gemacht, und so kamen sie denn auch an, etwas zu früh, sie mußten ja noch proben, immer gemeinsam, diese beiden, aber nicht in einer Doppelrolle, jede hatte ihre eigene. Ihr Schöpfer und gleichzeitig Erlöser stand unverrückbar da, wie er immer dagestanden war, ein Menschen- und Tierfreund. Er mußte nicht zu ihnen, die Tiere kamen zu ihm. Nein, die waren schon da bei ihm, als er geboren wurde. Im Stall standen sie herum und schauten blöd. 

Ein paar Jahre Vorbereitungszeit hats ja doch gekostet, bis jemand wie ich fertig zurechtgeschnitzt war und im Herrgottswinkel stehen durfte. Ich kam direkt aus dem Bergwerk meiner Mutter, die mich von Anfang an zu Höherem berufen wollte. Es mußte nicht gleich ein eigener Lehrstuhl sein, von wo aus man besser sieht und sich dabei gleichzeitig ausruhen darf. Wieso kann ich das nicht besser sagen? Ich sollte es besser gar nicht sagen. Weil solche Leute wie Löwen von Gittern beschützt werden? Spucks endlich aus, es ist kleiner als ein Kirschkern, hat aber einen großen Fußabdruck hinterlassen, wie der Mensch auf dem Mond und wir alle in der Natur! Diese zwei Mägdelein haben also viele Jahre die Hauptrollen in all den lustigen Professorenstückeln gespielt, alle selbstgemacht!, aus dem Nichts heraus gebastelt, ja, schauen Sie nur nach, Sie werden den Unterschied sofort merken. Sie spielten sich die Seele aus dem Hals, die zwei Aspergermäderln, lieber Mond, sitzt mein Mützerl noch gut?, dies eine Textzeile, nicht von mir, daher schreibe ich sie aus meinem Hirn einfach ab, wie vieles andre, das auch nicht von mir ist, dies sogar besonders gern, damit sie auf der Welt ist und ich von fremdem Ruhm naschen kann. 

Ziehen Sie bitte eine Nummer, dann bekommen Sie gratis noch eine dazu, zu diesen großartigen und artigen Töchterchen. In den Kinderstücken für die kleinen Psychopatienten, die neuerdings, doch so neu ist es auch wieder nicht, wieder leben durften. Ja, Erwachsene dürfen auch zuschauen. Wir begrüßen unsere Zuschauer und wünschen ihnen viel Spaß. Dies hier – wie mühsam doch das Schreiben ist!, wenn man einmal die Wahrheit sagen will, hakt es sofort – dies hier ist hauptsächlich für kranke Kinder bestimmt, die ich leider nicht kenne, zur Weihnacht, obs stürmt oder schneit, da steckten sie drin, da steckten sie tief drinnen, damit man nicht merken sollte, daß anderswo ein ganzes gesundes Kind zur Welt gekommen war und relativ bald, ruckzuck erwachsen, wieder eingeschläfert wurde, obwohl es auch als Erwachsener total in Ordnung wäre, sogar ein Leader, was hätte man denn machen sollen? Jesus kann froh sein, nachträglich noch, falls er uns was nachträgt, andre Kinder hatten es nicht so gut wie er, die durften nicht einmal das offizielle Kreuzigungsalter erreichen. Andre wieder sind, obwohl lebendig, dauereingeschläfert, schauen Sie mich an!

Man hätte noch viele andre Kinder dafür aus der Welt schaffen können, alle Fehler der Natur ausbügeln. Das Schicksal dieses und jenes Kindes wäre auf jeden Fall ein entsetzliches geworden, hätte man es diesem Kind gelassen. Nur die Standfesten dürfen überleben. Jeder weiß inzwischen in großer Gelassenheit, warum sich heute noch so aufregen?, wie das ausgegangen ist, wen störts? Der Herr Professor wußte das damals noch nicht, er mußte schließlich mit der Zeit gehen, es mußte das alles erst mit der Zeit erforscht werden, die Zeit gleich mit, die läuft halt so mit, die Zeitnehmung, also die Zeit, die man anderen im Sauseschritt nimmt. Zugegeben wird nichts, man wird ja auch nicht gefragt. Nach nichts. Dieses Kind war eindeutig kaputt, ja, sehen Sie das denn nicht? Doch, klar seh ich das, man sieht es ihm ja an!, das ist doch die Hauptsache an ihm!, wie soll es da ganze Sätze bilden, wenn ihm Bildung komplett fehlt und auch keine erhältlich ist? Es wollte aber trotzdem was essen, das arme Kind (zufällig nannte Papa mich auch manchmal so, die meiste Zeit schwieg er allerdings und nannte meinen Namen nicht), was ihm nicht gewährt werden konnte, die Umstände hatten es sich verbeten, im Krieg kann schließlich nicht jeder essen, der will.

Heute haben wir längst eine andre Währung, und was andren nicht gewährt wurde, das haben wir rechtzeitig vergessen. Wir geben dem Kind zum Abschied ein schönes Weihnachtsstück? Nein, geben wir nicht. Die Zeit hat sich gewandelt, und auch wir haben ein andres Gewand an, jeden Tag was andres, solange der Vorrat reicht. Viel weniger Kinder werden krank, das kommt noch dazu, keine Kinder kommen mehr weg. Das Theaterspielen gibt uns dann später was, das heben wir uns für bessere Zeiten auf, die jetzt schon angebrochen sind, weil wir das alles an die schlechten Zeiten, welche damals herrschten, plus einigen andren Personen, die ebenfalls herrschten, einfach angestückelt haben. Das Leben konnte leider nicht verlängert werden, das betrifft uns alle. Und jetzt sehen es auch alle. Das ist keine Kunst. Und Sie: Führen Sie sich nicht so auf! 

(Josephinum – Medizinische Universität Wien)

Wir hatten damals, für diese rauschenden Festivitäten zu eines fremden Menschen Geburt, sogar eigene Fachleute, die in Gesichter hineinmalten, ich mache das noch heute so, wenn ich schön sein möchte, ich mache das selbst, in Heimarbeit. Das erledigten dazumals diese Volksbildner gratis, die Hiwis kamen von überall her, welche Gesichter fürs Theater erschaffen konnten, wenn auch nicht für jeden Hergelaufenen, der auch eins will, ein schönes neues Gesicht. Wir sollen uns keine Bilder machen von den Menschen, nein, auch keine Selbstbilder, wenn man selbst am Abgrund steht, sonst fällt man rein. Sie blühten nicht nur zur Weihnachtszeit, es gab auch Gesichter, wenn es schneite, welche verziert wurden, als wäre das Gesicht allein nicht schon Zier genug für einen Menschen oder für zwei, oder zwei Gesichter (wie der Herr Professor mit seinem Januskopf), auch dieses Antlitz ist nicht ohne, das gebe ich zu. Sogar ohne Bemalung hatte es irgendwie irgendwas. Die zwei Töchterchen jedenfalls sind schon zur Weihnachtszeit bunt angelaufen wie Ostereier, mehr geht wirklich nicht! Sie sind gerüstet. Mehr geht nicht mehr drauf, sie sind ja schon ganz mit Farbe überzogen. Das geht auf keine Kuhhaut, liebe Vögel, liebe Braut, wer auch immer hier zuschaut! Kein Wunder, daß die alle Stückeln gespielt haben im steilen Hörsaal, der wie eine drohende Mure über uns aufragte. Verkleidet, angemalt, bewundert, erhaben, erhoben, hatten sie sich auch noch mit frischem Atem eingedeckt, damit sie eine Reserve für ihr Sprechen hatten (und daß sie sich nicht kratzen unter der Decke, wenns juckt), wenn kleine, einstürzende, lebende Leichname an ihnen vorbeieilten, um uns unten zu treffen, da sogar ihnen vom Nichtstun fad war. Die drängeln alle so, immer, natürlich in Richtung Himmel, abwärts will ja kaum je einer fahren. Die aber schon. Sie kamen über uns. Die drückten sich nicht scheu herum, wie in den schrecklichen Zeiten des Jahres Schnee. Heute haben wir eher zehrende Hitzeperioden, falls es Sie interessiert. 

Dem einen, einzigen, der da in umgekehrter Richtung zu ihnen runterkam, machten sie bereitwillig Platz auf ihrem Zug nach oben, Himmel!, der mußte mal dringend ankommen und seine Eltern mit sich erfreuen. Die Kindlein alle, o kommet, kommet doch all!, ja, die auch, o kommet doch all zur Krippe, ins Gasthaus gehts aber auch. Doch geradewegs auf dem krummen Weg zu ihm sind sie grade in die Zielgerade eingebogen, wie seltsam!, die wollen wohl rechtzeitig zur Zählung gelangen, na servus, da kommt einiges zusammen. So viele sind es auch wieder nicht, wird mir bedeutet, aber Bedeutung hat das keine, glauben Sie nicht alles, was zu beweisen war! Erst wenn es alle wissen, dürfen Sie es glauben. Manches ist zu unbedeutend dafür. Nur keine jüdische Hast! Jeder kommt dran! Dort droben kommt jeder rechtzeitig an, darauf können Sie sich verlassen. Wenn man sein Leben verkürzt, kommt man eher zu früh und findet die Himmelstür noch verschlossen vor. Beim Herrn Professor können Sie geholfen werden. Bitte nicht klopfen, steht da. Es wird euch trotzdem nicht früher aufgetan!

Wo waren wir vorhin? Ich vergesse wirklich alles, und zwar in kürzester Zeit, neuer Rekord! Sommerliche Rekordtemperaturen! Daran ersehen Sie, daß sich das Klima seit damals geändert hat. Damals ist es nie so heiß geworden, wie man es essen mußte. Auf der Wiese, auf die wir willkürlich geworfen worden waren, um uns anzuschleichen, waren wir das Tagesgericht, die Aufgabe des Tages, schwer zu toppen: Heute machen wir mal was Lustiges und gleichzeitig Aufregendes in der freien Natur, wurde uns bedeutet. Sowas haben die Buben gern, sich anzuwanzen an ihren Herrn, der das Maß hatte und als Maß mit seinem Maßband (des Abstands zu uns wegen!) mitten in der Mitte stand, keinen Zoll zurückweichend, und herumspähte wie ein zertifizierter Beutegreifer. Ich kann ihm hier ein gutes Zeugnis ausstellen, dem großen Humanisten und Menschenfreund. Wen er wohl zuerst sah oder zu sehen glaubte? Wem seine Augen trauten, der war auch anwesend. Das lag ganz in seinem Ermessen, wen er wahrnahm und wahr machte. Und danach Schicksalsfäden abschneiden nicht vergessen! Sonst kommen die Gespenster, verschonen einen aber zu Lebzeiten, und wenn wir tot sind, kommen wir dann alle gemeinsam wieder zurück.

(Josephinum – Medizinische Universität Wien)

Bei mir konnte er es kaum glauben, daß ich überhaupt da war, ich war ja nicht viel im Vergleich mit allem, was da kreuchte und nicht entfleuchte, eine halbe Portion bestenfalls. Ein Niemand, dessen Natur es war, immer auf dem Bauch zu kriechen, schon gewohnheitsmäßig, deshalb bemerkte man mich gar nicht, jedenfalls nicht, bevor ich den aufrechten Gang draufhatte. Was diesmal nicht verlangt war. Da muß ein andrer Gang rein. Na, geht hier endlich was weiter? Gemach! Die Natur geht nun mal nicht in ein Einsiedeglas, auch nicht, wenn man vor Wut über ihre Zerstörung siedet, um böse Keime aus dem Glas zu vertreiben, bevor das gute Obst reinkommt. So. Ich robbe also los, würme so vor mich hin, den Sieg im Anschleichen zu suchen, einmal wenigstens zu siegen, das war mein Sinn. Das war auch ganz in Mamas Sinn, aber für sie sollte das öfter passieren, mehrmals am Tag, wenn möglich, und natürlich sollte immer sie die Siegerin sein. Wie Schein, allerdings unsichtbar, sogar für die liebe Sonne, überziehe ich also diesen Boden mit mir, wälze mich vorwärts übers Spitalgelände, mit dem sich keiner Mühe gegeben hatte, jedenfalls nicht so, wie wir uns hier damit abplagen müssen. Sich oder irgendwas andres in die Furchen zu säen, durchs hohe Gras, durch Gebüsch und durch Dreck und ein wenig Abfall gehts also dahin, soso, lala, immer noch über saure Wiesen und trockene, brotlose Steppe schleiche ich mich heran, halb zog mich keiner, halb sank ich nicht hin, wer bezahlt mir das eigentlich? Ach, danke, das ist schon bezahlt. Wer hat sich denn da wieder übernommen? Also ich zahle es jedenfalls nicht, ich zahle es lieber diesem Gelände heim, das sich hinter mir jedoch mühelos wieder aufrichtet. Nein, also dieses Gras – da legst di nieda! Dafür bezahlen muß vielleicht meine liebe Mama, keine Ahnung, die mit mir lieber Schlitten fuhr, als sich vor jemand in den Dreck zu schmeißen. Also für mich zahlte die Versicherung der Gemeindebediensteten, doch meine Krankheit war gratis, wenn auch nicht für mich. 

Was hatte mich dorthin geführt, und vor allem: wer? Sage mir, Kind, wieso du stundenlang von einer Wand zur nächsten rennst wie ein besoffener Schmetterling und dir jedesmal das Kopferl anhaust, das doch für andres gedacht ist, für Besseres? Ist das nicht etwas eintönig? Was für einen Sinn soll dieses Tun haben? Sein und Haben? Was hast denn schon wieder, warum heulst du jetzt? Ein paar Jahre früher, und der Herr Professor hätte dich einfach weggemacht und aus. Wir hätten uns viel erspart, alles, was uns selbst nicht erspart geblieben ist. Er hätte dich auf Transport geschickt, aber nicht weit. Gegen Thailand ist das gar nichts, nicht einmal gegen Caorle oder Jesulo! Es ist gleich nebenan. Oje, ich spiele mich schon wieder auf und spiele meine übliche Bandleier ab. Niemand hätte mir was getan, ich hätte nämlich gar nicht erst geboren werden dürfen! Ich wäre sofort verboten worden. Für die anderen gilt: Ein paar Worte auf einem Überstellungsschein, und schon heißt es einsteigen! Wer einsteigt, muß auch wieder aussteigen, klar, sonst können die andren gar nicht erst fortfahren und werden abgewürgt, bevor noch der Triebwagen angekoppelt werden kann. Und überhaupt: Daß wir dein Krixikraxi dort von der Mauer wegwischen müssen, wo du mit Bundstiften (der Bund dieser Familie wurde wirklich vom Teufel gestiftet!), ohne unser Einverständnis und ohne daß wir dich gesehen hätten, denn wir hätten das unterbunden, die Wand bemaltest, zumindest ein Stück davon, bevor wir dir in den Arm fielen, das ist eine Zumutung. Mama hatte den passenden Mut dazu. Warum hast du das bloß getan, gegen Gottes und Mamis Gebot? Die Wand ist dadurch entwertet, kapiert? Diese Wand war teuer! Also das wäre das letzte Mal gewesen, daß jemand für sowas zahlen muß. Reißen Sie diese Mauer ein!, nein, das machen wir nicht, dafür ist sie wieder zu klein. Und ein wenig stützt sie natürlich das ganze Haus (eins von unseren Häusern ist echt einmal gekippt, ist das zu glauben? Nein, aber Sie müssen es trotzdem, weil ich es sage), das kommt sonst in den Keller runter, um zu schauen, was dort verborgen ist. Das zahlt sich nicht aus. Wer hält es denn länger als einen halben Tag im Keller aus? 

Eine geschlagene Stunde lang gings also los, gegen mein Körperhäuschen, eine Tracht Prügel, die hab ich für was anderes gekriegt, aber hier paßt es halt so gut, wer hätte gedacht, daß diese Wand so wichtig wäre? Schreie hallten, Drohungen fielen zu Boden, weil sie zu schwerwiegend fürs Stehen waren, alle folgenden Rechnungen wurden dann anstandslos, nein, umstandslos beglichen. Von meinen Stellvertretern auf Erden, ich war noch nicht geschäftsfähig. Selbstheimzahler bitte schön, Nettozahler! Bevor es ein andrer tut, der gar nicht merkt, daß man ihm was heimgezahlt hat. Vorher hat man mich nicht mehr gesehen und nachher auch nicht. Wenn Sie schon fragen: auch dazwischen nicht. Doch an meiner Kunst, unvollendet, da oft gestört, an dieser längst geschleiften, zu etwas Neuem, aus Atomen wieder neu gestalteten Zimmerwand sollt ihr mich erkennen, es muß aber nicht sein. Es war diese Wand, gegen die ich sprach und immer noch spreche, wenn ich wieder mal um Gnade bettle.

Als man mich dann endlich sah, auf dieser verdreckten, verdorrten Wiese, fest verklebt mit mir selbst, untrennbar, auch in Gedanken, eins mit mir, vereinigt und verunreinigt (das ist ja nicht wie bei den verwöhnten Klimaklebern, die sofort nachgeben), als ich sie durchs dürre Gras dahinzog, meine Spur sowie die Spur meiner Gedanken, folgen Sie ihnen nur ja nicht!, die führen zu nichts, war ich da, angekommen und und auch wieder nicht. Ich konnte nicht anders, gleichzeitig jedoch war ich wiederum nicht unter den Augen dieses Herren Menschen gelandet. Das ist der Sinn, wenn ein Wesen, eher ein Unwesen, sich anzuschleichen versucht ans Leben, es ist ohnedies nur dieses eine Mal passiert. Ich sage es im Chor: Nie wieder! Es hat keine Waffe zwischen den Zähnen, dieses Kind, es ist vielleicht animiert wie in den Heidifilmen oder der Bienemaier, aber nicht armiert. Obwohl es unbewaffnet war, mußte es trotzdem irgendwo einschlagen, sollte es zumindest eine einschlagende Wirkung haben! Um sich anzukündigen, stille, kein Laut, die Engel haben ja alle abgewinkt. Deshalb war ich dran. Später kann das ein jeder. Unbeobachtet kommen und genauso wieder gehen. Zum Beispiel mit einem schnellen Sportwagen in die Grube fahren, das kann doch nicht so schwer sein! 

Es muß also da rein, das arme Kind, wie mich mein Vater manchmal nannte, ich sagte es schon weiter oben, bin aber von mir selbst so gerührt, daß ich es noch mal bringe, vielleicht haben Sies ja auch vergessen. Ungeordnet rein ins geordnete Leben, mit dem man irgendwie zurechtkommen muß, während andre immer zu spät kommen dürfen und dennoch rechtzeitig vorhanden sind, wenn man sie braucht. Aus größter Unordnung (bei uns hat es ausgeschaut, das können Sie sich nicht vorstellen!). Und vorher noch zugerichtet werden: Welche Hilfe kann man da anbieten? Das ist die große Chance, die klopft an deine Tür! Es ergreift sie nicht, das dumme kleine Mäderl. Es werden Wurzeln aus trockener Erde gezogen, ein Keim sollte aber schon vorhanden sein, Blumen sollen nämlich auch hier erscheinen, warum kommen die nicht, wenn man sie ruft? Sie kommen erst später, wird mir signalisiert, hoffentlich achten auch die Blumen auf ihren Einsatz! Na dann! Dieses Kind ist unberufen schon da, es ist ihm nichts passiert, es ist einfach nur da. Wir raten der Wiese: Schön zu sein bedarf es wenig, doch wer schön ist, der ist noch lang kein König. Hat hier aber schon einen winzigen Prinzling gefunden. 

Also: Was hat es dann für einen Sinn, sich überhaupt anzuschleichen durch trockenes Buschwerk und Hunde-Stomabeutel, wenn man dann erst recht nicht wahrgenommen wird? Warum eigens kommen, nur um wieder zu gehen? Weshalb kommen, ohne daß was gegangen ist? Weil es befohlen ward, dort zu liegen, wo man sie liegen sehen sollte. Und was jetzt? Wie gehts weiter mit ihr? Welches Medium sollten die Mittelmäßigen nehmen, wenn es schon mich nicht brauchen kann? Zu Fleiß schaut keiner her, die Lieb heftet auch nicht fleißig die Augen, es guckt wieder mal kein Schwein auf meine Höchstleistung. Wer? Na, der Herr Professor schon gar nicht, der ist das ja gewöhnt, daß man eher auf ihn schaut. Heute schaut er zur Abwechslung einmal her, aber nicht zu mir. Warum schaut denn sonst keiner, falls man endlich kommt? Da will wieder mal niemand dabeigewesen sein? Wer soll es dann bezeugen, wenn keiner schaut? Das tut weh. Herr Professor, etwas mehr Aufmerksamkeit wäre angebracht, wenn auch nicht an mir, klar! Dort hält sie nämlich nicht. Falls man nicht Wahrsagerin sein kann, obwohl man doch wahr spricht, na, dann passiert auch weiter nichts. Doch keiner erkennt es wieder, was man sagt, es gibt keinen Erfahrungswert und auch sonst keinen Wert, und mit Worten werde ich sowieso niemand mehr gewinnen können in der Tombola des Lebens, hat man mir einmal gesagt. Da muß ich schon mehr einsetzen. Den Einsatz wenigstens sollte ich zurückkriegen können! Auf dem Forum lacht einer, ein andrer hält eine Rede. Einmal habe ich sogar diese hübsche Geldbörse aus Plastik gewonnen, nein, hübsch war sie nicht, sonst hätten ihre Stifter ja draufgezahlt! Die hat noch jahrelang mein kärgliches Taschengeld vor der staunenden Öffentlichkeit geschickt verborgen. Statt der kleinen Münze für den Fahrschein, bar auf die Kralle, habe ich mir damit Schokomaronis gekauft und mein Leben riskiert, als ich, um die Beförderungskosten zu sparen, aus der fahrenden Tram, dem Dreizehner, der mich unversehrt hätte heimtragen sollen, in voller Fahrt abgesprungen bin.

Nein, sagen Sie. Was Sie nicht sagen! Ihr Einsatz wird nicht belohnt werden, niemand kann überhaupt erkennen, daß Sie was eingesetzt haben, es schaut alles ganz unberührt aus. Na ja, auch dein Leben ist so gut wie unsichtbar verlaufen, es dauert noch nicht lang, niemand konnte sich so recht an dich gewöhnen, mein Kind! Wenn Sie schon fragen: Nein, Sie mich auch nicht! Jetzt kommen Sie daher! Wie soll man denn erkennen, ob Sie überhaupt je was riskiert und Spaß gehabt haben mit den armseligen Nummern, die Sie herumgeschoben, nein, eher vor sich hergeschoben haben, weil Sie noch etwas mehr Zeit brauchten, bitte um Verständnis? Aufgeschoben ist leider oft aufgehoben. Ist das Ihr Ernst? No risk, no fun, das ist Ihnen doch wohl geläufig, oder? Sie haben sich für sich selbst eingesetzt? Das zählt nicht. Wir haben diesen Einsatz gar nicht registriert, obwohl längst Registrierkassenpflicht für Kleinunternehmen angesagt ist. 

Es war nicht einmal böse Absicht. Das war keine Absicht, bitte um Entschuldigung. Da lag zwar so ein Haufen herum, was soll das wieder sein?, also Ihr Einsatz war das nicht! Wir haben nun zur Kenntnis zu nehmen und abzuheften, wie Sie bei der Wehrmachts-, nein, Weihnachtsaufführung als Puppe Luzia auf Ihren Ballettschuhen, mit denen Sie damals prahlen konnten, herumgetrippelt sind, also auf- und wieder abgetrippelt und dann gleich über die paar Stufen getrippt sind. Knie aufgeschlagen wie ein Ei. Aber im Spital, wo wir uns ja bereits aufhalten, wird man doch noch einen Streifen Hansaplast finden, oder? Ich bin die Puppe Luzia, haben Sie gesagt, das mußte ich, das war verlangt, ich glaube, so gings weiter, ich war ja froh, daß man überhaupt etwas von mir verlangt hatte, und memorierte es ständig, damit ich es nicht vergaß. Inmitten des großen Vergessens ringsum hatte ich mir das abverlangt, bloß damit ich dort vorkommen durfte. Sogar meine Rolle wurde erst später reingeschrieben, man hatte mich nämlich ursprünglich vergessen (meinen Ursprung hat man mich oft nicht vergessen lassen), direkt auf meinen Leib hatte man sie mir geschrieben, kaum, daß man mich bemerkte. Vorher gabs keine Rolle für mich, und welcher Knabe hätte auch eine Puppe Luzia gespielt? Wer hätte an meiner Stelle gesagt: Ich bin für brave Mädchen da. Gesagt, getan. Den schlimmen bleib ich ferne, die habe ich nicht gerne. So schrieb es mir der Herr Professor ins Stammbuch, doch mein Stamm brauchte gar kein Buch. Was dieser Stamm stemmen kann, füllt nicht einmal ein dünnes Heft. Auf diesem Stamm wächst nichts mehr, dafür kann ich heute problemlos garantieren. 

Dies hier ist ein einmaliger Originaltext, ein zweites Mal würde ihn keiner mehr hervorbringen wollen, diese Puppe spricht!, vom Geistesmenschen und Geisteskrankheitsprofi wurde ihr die Rolle auf den Leib geschrieben. Eigens für mich eine ganze Rolle, nur mir allein zugedacht! Ich mußte sie nur noch abwickeln, das erste Mal in meinem Leben, daß ich ein eigenes Sprechen bekommen hatte, wenns auch nicht von mir war! Welch unverhoffte Ehre! Und alles in gereimten Versen, die mit Knütteln auf mich einschlugen, ich konnte sie nie mehr vergessen, Sie sehen ja, ich kann sie immer noch, ich hab es noch drauf! Extra ganz allein für mich, um meinetwillen waren sie hervorgebracht, geknüllt, geknittelt und herausgewürgt worden, die Verslein, kein Versehen, nein, eigentlich nur einer, ein Vierpfünder, nein, ein Vierzeiler! Danke, Herr Professor, für meine Stimme, daß sie dort ertönen durfte!, später durfte ich sie immer nur abgeben. Mehr kann ich nicht dazu sagen, werde es aber trotzdem tun. Regen Sie sich wieder ab! Also ich persönlich hätte dies hier so nicht geschrieben, ich hätte es etwas mehr ausgeschmückt, ungefähr so wie dort, he, Sie schauen ja in die falsche Richtung! Nur mich hatte der große Mann im Auge, allerdings ohne mich zu sehen, er, der nie geboren, er, der immer war, der immer noch überall im Mund geführt wird, wenn Menschen an sich und vor allem an anderen versagen, weil sie die andren gar nicht sehen. Sogar in Schweden lassen sie ihn manchmal heraus, seinen teuren Namen, um ihn in viel zu kleine Mädchen einzufüllen. Mich allein jedoch hatte er im Auge, als er diese Zeilen für eine Puppe schrieb. Eigens für mich also geschrieben vom Herrn Professor A., mir auf den Leib, der später tatsächlich groß werden durfte und nicht in die Kinderklappe zur Abschiebung geschmissen wurde. Meine Mama brauchte mich ja noch. O Gott, die hab ich jetzt glatt vergessen! Würden Sie das alles glauben? Nein. Das ist Ihnen zu hoch. Das macht böses Blut, das jetzt aus diesem blöden Stamm schießt, als wäre der ein verletztes Gefäß, vom Schöpfer persönlich auf einer Scheibe gedreht. Tönendes Erz? Moment, ich frage mal in der Küche nach, ja, haben wir, kommt gleich! 

Und damit hatte er mir eine Rolle auf den Leib geschrieben, die mir heute fehlt, die Rolle einer Gehpuppe. Der professorale Prophet hat schon geahnt, daß aus mir nie was werden würde, jedenfalls nichts Großes. Und gerade heute spricht man wieder vermehrt von ihm, der immer wieder seine Rolle abspulte, für so viele, diese Rolle hatte er immer bei sich, über seine Lebenspanne hinaus, als er irgendwann dann doch gestolpert war über längst Vergangenes, dann lag er da! Das wäre aber nur sein eigenes Grab gewesen, da tut stolpern nicht mehr weh, man fällt weich, man merkt es gar nicht, es ist einfach lächerlich! Den Toten gehts doch gut, die haben es hinter sich! Na, vielleicht sehen das nicht viele, aber ein paar werdens schon sein, die sich da wieder wichtigmachen. Diese Krankheit verkünden so viele von sich, die Welt wäre von Krüppeln erfüllt, die lebhaft mit den Flügeln schlagen und Wind machen, damit man merkt, wie sie sich von der stumpfen Menge abheben, die sich um sie kümmern soll. Was das wieder kostet! Lassen Sie mich überlegen, ja, die Beweise sind schlagend genug: Dieses Kind ist krank, da müssen Sie nichts mehr dazu sagen, das sehen wir schon selbst mit freiem Auge. 

Jetzt kommen Sie daher! Na ja, aber von den anderen ist doch noch gar nichts zu sehen! Da kam ich so einfach des Wegs gekrochen, einsam wie ein Veilchen, die aber auch immer zu mehreren auftauchen, und so verschwand ich auch wieder, wie Hundekacke im Sackerl. Damals schon dieses endlose Theater wegen irgendwelcher Krankheiten, nicht erst demnächst!, wie man so sagt. Heute sind ja alle krank, und gern auch noch! Man wird dadurch erst interessant. Sie haben recht, man kann es auch anders sagen, kann man immer, aber ich kanns nicht, ich habe alle Gelegenheiten verpaßt: Für die Töchter, nein, nicht meine, ich habe keine, für die gespannte Nachwelt, der werde ich jetzt einmal was erzählen, gnade Gott! Ich bin jedoch keine, die eine Reise macht. Ich bin eine Schreibtischtäterin. 

Eine von den beiden hieß Mariechen, Goldmariechen war wohl gemeint. Die andre? Weiß ich nicht mehr, frage nicht! Für die beiden Funkenmariechen, diese sprühenden kleinen Stars, jede einzelne eine Hauptrolle!, Jahr für Jahr das gleiche Theater. Also, hören Sie mir zu, ich bin Zeitzeugin, Zeit wirds!, zwei Stück Hauptrollen rollten über uns hinweg, bis dort kein Gras mehr wuchs. Ich glaube, hoffe und liebe nicht, es war für jede von ihnen eine großartige Verwirklichung aller Träume, nicht nur der eigenen, und das ausgerechnet in einem Spital, wo die Ärzte regieren und sogar an Menschen schuften, bei denen es gar keinen Sinn hat. Ich hätte vielleicht Kreide für meine Wand nehmen sollen, fällt mir bei dieser Gelegenheit ein, die hätte man spurlos beseitigen können. So wirds das nächste Mal gemacht, jawohl.

Ich komm einfach nicht davon los, und Sie kommen mit mir auch nicht weiter. Warum sollte es Ihnen besser gehen? Da standen die Mägdelein nun, knietief in sich selbst, nicht knieweich, nicht kreidebleich, man hatte ihre Gesichter ja schön bemalt, zu jeder Weihnachtszeit, die einen Gott werden ließ, standen sie bereit. Sie blühten, kann ich Ihnen aus eigener Anschauung sagen, wie Weihnachtskekse auf Christbäumen, wo man sie hingehängt hatte, egal, dort sah man sie sofort, alle anderen verschwanden buchstäblich in diesem steil bestuhlten Hörsaal, in dem man nicht nur hören, sondern auch sehen sollte. Mit nichts dazwischen. Wenigstens einmal im Jahr kommt der dran! Wo man nichts andres sehen sollte, bis in die hintersten Reihen. Duftig standen sie da herum, unter uns Professorentöchtern, solang der Vorrat reichte, was, nur zwei Stück?, wie Schaumrollen, bei denen die weiche Fülle von außen gestützt werden mußte, sonst wären sie einfach nur Schaum auf den Wellen gewesen, verschwindend, wenn man ihn nur anbläst.

Daß diese Kinder alle, beim ersten Blick in den tiefen Spiegelgrund, nicht mehr wie welke Blätter zu Boden stürzten, das war reines Glück. Die Zeit hatte sich inzwischen gewandelt, unter Zwang, aber immerhin, sowas geht nicht von selbst oder wie von selbst oder von heute auf morgen. Manches dauert sogar immer noch an. Die Kinder damals gingen nicht von allein, man mußte sie schon stoßen, Kinder machen nie was von selbst außer Blödsinn, man hatte doch dazumals keine Ahnung, wofür man der Liebe Nahrung und Nahrung solo verwenden konnte, und zwar für Kinder, die Essen gar nicht erkannt hätten, wenn es vor ihnen gestanden wäre, da wäre sie vergeudet gewesen, diese lebenserhaltende Maßnahme, in diesen schweren Zeiten! Die Ewigkeit weiß sowas, sie weiß es immer noch, sie ist ja ewig. Vergangenheit und Zukunft sind ihr eins. Was lange gewährt hat, wird dafür auf ewig gut werden. Hat man nichts zu essen, muß man halt die eigenen Kinder fressen. Nahrung fürs Nichts. Warum sie verschwenden? Man kann ihnen das Essen vorenthalten, man kann sich damit einschmieren, man kann andre wieder einseifen, Wasser ging aufs Haus, Eier kamen aufs Haar, ein altes Naturmittel, mit Eiern kann mans ja machen, ohne daß sie sich wehren, schmeckt so fein! Man kann dafür sie erhitzen, diese Kleinen, lasset sie zu mir kommen, sagt Jesus, ist ja nur für ein einfaches Experiment! Von dem haben wir dann doch alle was! Man kann sie kryonisieren, das geht auch. Aber aufpassen, daß sie sich nicht erkälten, wenn man im Winter das Fenster nicht schließt, damit Lungen, noch nicht ganz ausgereift, sich selbst entzünden und das ganze Haus niederbrennen. Und damit sich kein Reif anlagert. Es ist ein Ros entsprungen, also mir nicht.

Man konnte sie auch einfach unbenutzt wegschmeißen, unberufen, und die Berufung verlieren wir auch noch. Doch diese Kinder mitsamt ihrem ganzen Kinderkram, zur Weihnachtszeit, die nur ihnen gehört, die mußten halt abgehen von der Lebensbühne, von den Brettern, die nicht ihre Welt bedeuteten, egal, runter mußten sie trotzdem und aus. Die mußte man gar nicht erst aushungern oder mit dem Schlauch oder dem Spielzeug-Feuerwehrauto abspritzen, ja, das kann man auch, aber irgendwann ist Schluß mit ihnen. So hat man es früher gemacht. Und gut wars. Wir haben damals nicht gelebt, wir sind nicht schuld, wir waren gar nicht da. Diese Menschen haben gelebt, aber auch nur kurz. 

Diese Zeit war dann, später, als wir alle, na ja, nicht alle, wieder fest spielten und herumstolzierten, zum Glück vorbei, wie uns gesagt wurde, wenn auch nicht so unwiderruflich, daß es ein Glück gewesen wäre. Es kam ungerufen und unberufen eine nagelneue Zeit, niemand wurde mehr ans Kreuz genagelt. Einer hat uns genügt, ein Ausländer, der zum Glück auch im Ausland geblieben war, so konnten wir ihm Worte in den Mund legen, ohne daß er sich wehrte. Damit die Kinder wußten, zu wem sie flehen gehen sollten. Dort hängt das Kreuz, hier hängt der Hammer. Da durften sogar Kinder wieder leben, man glaubt es kaum, da durften Mütter sogar für ihre Kinder leben, wie leider meine eigene, die nur für mich lebte und mich aussaugte und ausspuckte, wie man es bei Schlangenbissen macht, und selbst dort ist es unangebracht und kann einem schaden. Irgendwas mußte sogar sie essen, diese selbstlose Frau, der ich ihr Selbst geben durfte. Und meins gleich dazu. Das war die Rolle ihres Lebens. Man kann sich dabei selbst was holen, das ewige Leben sogar, wenn man an sowas glaubt. Mama hatte sich, glaub ich, mit mir sich selbst zurückgeholt, denn sie hatte sich verirrt, glaub ich, und ihre Bestimmung verloren, und zwar eine große Künstlerin zu werden, wenigstens im Nebenberuf, das wäre das mindeste. Egal. Vergiftet wird man so und so, nicht so wichtig. Warum macht man sowas? Frösche kann man wenigstens aufblasen, um sie auf unsre Kosten, auf Kosten unsres kostbaren Atems, zu vergrößern. Wir müssen das selbst machen.

Nein, ich bin noch nicht fertig, legen Sie das noch nicht weg, auch wenn es Sie schon in den Fingern juckt, bloß weil es immer so knüppeldick daherkommt und dann nie einschlägt, bleiben Sie noch bei mir, ich verstehe Sie ja, für das bißchen gefrorene Wasser brauche ich meine Axt gar nicht und kann Sie daher nicht einmal unabsichtlich treffen! Von mir geht keine Gefahr aus, also zumindest jetzt nicht mehr. Hören Sie der Vergangenheit noch ein bisserl zu, so war das anno dazumals: Wir, das anwesende Patientenmaterial, das zumindest einmal im Jahr jemand andrer sein durfte, und zwar jeder jemand andrer, so viele andere!, das Material also dehnte sich aus, blähte sich auf, wurde zur Blüte getrieben, wir wuchsen in unsre Rollen hinein und kamen danach, gedrückt und gebückt, wieder raus. Man kam aber nicht weit, nur ins Spital, wo man eh schon war. Ja, ja, wir spielten tapfer weiter, wenn auch in kleinen Nebenrollen, in welchen wir manchmal steckenblieben, stets in den Hauptrollen die beiden naturbelassenen (sie brauchten nichts andres als Natur!, paßt schon!), mit ihren Stimmgabeln und Stimmgaben hell klingenden Professorentöchter, wenn man sie denn anschlug, diese beiden, welche ich bereits hundertmal, es gibt darauf ja keine Strafzölle, eingeführt und wieder ausgeführt habe. Keine Sorge, das kommt noch mal, da kommt noch mehr! Wie? Was sagen Sie? So seien Sie doch endlich still! Ja, mich meine ich! So, für diese paar Anschläge brauche ich jetzt mindestens noch eine zweite Wand, die ich beschmieren kann. Wenn man also die Stimmgabel anknipste und dann die Gabel auf den Teller schlug, um ein wenig drauf herumzukratzen, ertönten sofort, in unvollendeter Harmonie, doch immerhin, jene zwei angemessen maßgearbeiteten Engelsstimmen. Glockenhell, wie man sagt, aber Glocken tönen nicht hell, fast nur Obertöne da, kein Hauptgericht. Zu Weihnachten waren Hauptrollen natürlich sehr gefragt, der Jesusknabe war schon vergeben, den konnte man unmöglich toppen, heiraten auch nicht, außer man ging ins Kloster, von Ochs und Esel konnte man sich aber noch eine Scheibe abschneiden. 

Man könnte in dieser Angelegenheit gelegentlich auch mal andre fragen, die damals dabei waren, jeder wird Ihnen dasselbe sagen, aber nicht mit meinen Worten, die gebe ich nicht aus der Hand, im Gegenteil, ich hol mir sogar welche, die mir gar nicht gehören. Da hatten sie also eindeutig einen Vorsprung, die Mädeln, spätere Schönheit nicht ausgeschlossen, die sich all die Jahre, in jedem Stück, alle beide, meist gab es dafür auch zwei, zwei Stimmen (meine leider nicht dabei, sonst wärens drei), also ihre zwei Stimmchen untereinander aufteilen mußten, es hat ja jeder nur eine, hier auch, aber jede von denen zählte doppelt und zahlte doch gar nichts in diesem Allgemeinen Psycho-Krankenhaus der Stadt Wien. Jede von ihnen hatte ihren eigenen Platz, keinen gefährlichen wie Sir Galahad in der Tafelrunde, einen Platz, den sie im Stamm, nein, auf dem Hochsitz, der ganz oben draufgenagelt war, einnehmen durften, ein Platz, tabu für die restliche Marmeladebrot-Bruderschaft, viele passen dort nicht hin. Wenn da alle kämen! Wäre auch ich von einem ordentlichen Stamm, hätte ich bessere Wurzeln und mich eventuell selbst ebenso ordentlich vermehren und lauthals über die Steppen des Landes vernehmen lassen können, ich sagte es schon, aber anders, so wie ich es halt konnte. So, reichts langsam, geht da einmal was zamm?, dies sprach einst eine Frau im Zoo Hellabrunn zu den beiden Matschie-Baumkängurus, die monatelang völlig reglos, einander innig in Liebe umarmend, auf ihrem Ast saßen. Daß zweimal was zusammengeht, hätte ich vielleicht auch geschafft, beim dritten Mal wäre sie aufgegangen, die Bindung, und ich wär auf die Schnauze gefallen, denke ich mir, hätte man nicht dauernd so auf mir herumgehackt. Mein Mundwerk müsse man separat erschlagen, sagte meine Mama immer. 

Doch ich flog schon dahin, in den Wald, wo die Stämme gierig an mir rissen oder nach mir schlugen. Auch meine Skier haben sie mir weggenommen. Wenigstens diese einfache Erzählung sollte ich doch hinkriegen, aber nein, die kriegt eher mich kaputt. Ich kann das nicht.

Die Adreßanhänger für all diejenigen, die keinerlei richtige Anhänger hatten, waren inzwischen verrottet. Die gemeinen, Sie sind natürlich nicht gemeint!, Kinder längst gradewegs auf den Spiegelgrund landverschickt und ohne Sport, der sie nur abgenützt und ihnen nur genützt hätte, in die weitläufigen ewigen Jagdgründe verwiesen, die wären uns dort nicht begegnet, die kleinen Gespenster. Die trieben sich lieber auf den Steinhofgründen herum. Oder auch nicht. Ich sage Gründe deshalb, weil es keine gab. Es wurden aber welche erfunden, andre Gründe erfunden, vorgegeben, und man richtete sich danach, man wußte schon, wohin es zur Richtstatt gehen sollte. Ein paar Einsiedegläser mit ihren Gehirnen, schwimmend in trüben Gewässern, habe ich noch persönlich, also natürlich als eine unter vielen, viel später am Zentralfriedhof beerdigt. Es war eine schöne Feier, das zu sagen, darauf lege ich Wert und habe den Wert schon öfter auch höhergelegt und mich selbst tiefer. Doch dort wurden keine Hauptrollen vergeben. Wir standen alle daneben. Weil wir etwas zu besorgen haben und weil wir deshalb immer so besorgt sind und auf den Ladenschluß achten, sind wir immer noch hier, noch vor unsrer großen Zeit, die, ohne sich zu wehren, wieder niederkommen und wiederkommen wird, und das gern! Bin schon da!, so schlimm kann ich also nicht gewesen sein, sagt die Zeit und streckt sich nach der Decke, die weich ist wie himmlische Wolkenscharen. Wir Kriecher konnten natürlich nicht mehr mit diesen Kleinen spielen (die konnten ja nicht einmal mehr alleine spielen, und klein wären die ja auch nicht geblieben), die irgendein Herr längst hatte zu sich kommen lassen. Das Himmelreich, das ihrer war, das ihnen versprochen war, haben sie inzwischen, hoffe ich, bekommen, alle Formulare waren ausgefüllt, korrekt waren diese Leute, da gibts nichts in schneeweißen Taschen herumzusuchen. Überstellungsscheine waren ausgefüllt, stocksteif lagen sie in ihren Irrwegbetten, die Kinder, den Weg gaben andre vor. Von Zimmer zu Zimmer gingen weiße Kittel, tun sie immer noch, ihre Freiheit war so groß wie der Tod. Sie hätten die Lebenden beneidet. Um ein Eis mußten sie nicht bitten und betteln, das Eis kam persönlich zu ihnen herab, inmitten von Geröll und Schutt, ist das ein lustiges Zutalrutschen!, doch fragen können wir sie nicht danach, die Kindlein alle. 

Spielen, ja, spielen, endlich im grünen Bereich, so waren sie denn schullandverschickt worden, die lieben Kleinen ohne Grund und ohne Spiegel, marsch hinein in die Katzenwelt Schrödingers, ich weiß aber nicht, wo sie noch leben könnten oder eindeutig tot wären, verbannt aus ihrer Kindheit in diese ewigen Gründe, die nie genannt werden, in Streifen voll Schutt und zerfetzten Leitungen, in denen man noch lange danach Jagd auf sie machte. Grundlos, das kann ich Ihnen flüstern. Die Folgen gehen in der Landschaft herum, der auch nichts mehr übrigbleibt. Sie hat nichts mehr von sich. Andre aber schon. Nicht jeden Tag, freitags schon, feiertags nicht, da halten wir uns nur für die Touristen offen. Recht haben wir! Und sie sind das genauso gewohnt, die Anhänger des Angedenkens, die manchmal von ihrem Lieblings-Gedenkort gröblich verscheucht werden, weil ein Führer, nein, eine neue Führung kommt. 

Das war also gegessen, wir sind eh wieder im Vergangenen, wieso schon wieder?, endet das denn nie?, wir waren doch vorhin schon dort, wieso müssen wir denn schon wieder hin, weshalb können wir nicht gedankenschnell woanders sein? Warum nur? Weil ich es sage! Nur ein kleines, ungezähmtes Spitalsgelände hatte man für uns ausgelegt, lange unbenutzt, Jahre später, ich kann es nur wiederholen, aber für uns Schleicherln noch gut geeignet. Gezähmt sollten ja wir werden. Sonst hätten wir vielleicht auch noch einen Gratisaufenthalt im Land der seligen Geister verlangt, ewigkeitsbeglückt über den Wassern zu schweben und zu singen, die leichten Kähne nahten nicht mehr, damit wir entfliehen hätten können, nein, die Nachen auch nicht, die sind alle in unsrer Nähe abgesoffen. Wir haben sie nicht gesehen. Wir warens nicht, die Nachbarn warens. Natürlich nicht die nächsten, die wären ja noch greifbar, eher weiter weg. Meine Frage ist: Ob man sich vor der Ewigkeit so sehen lassen konnte? Nicht mehr unser Problem. Ich bin bald dort, werde aber nicht berichten können, dort zahlt mir nämlich keiner was dafür. Die Ewigkeit ist ein Raum aus Zeit, hat jemand gesagt, aber über was andres, halt ein andrer Raum, wo es für sie, die Kleingeister, nein, die kleinen Geister, keine Spiegel zur letzten und allerletzten ausführlichen Begutachtung samt der dazugehörigen Verschriftung durch irgendeinen Eiferer wie mich mehr geben würde. Wenn Sie hier kein Haar finden, kämmen Sie mich halt, kämmen Sie dann auch die Suppe, dann kriegen Sies gewiß raus. Und hauchen Sie nicht auf diesen Spiegel, man sieht ja gar nichts. 

So, ihr werdet jetzt schonend hierher verpflanzt, warum?, weil ich es sage!, genau hierher, hier werdet ihr immer wieder eingesetzt, was, schon wieder, jetzt reichts aber?, allerdings!, auf los gehts los mit den eifrig hervorschießenden Trieben! Ja, liebe Kinder, liebe Geburtstagskinder, einmal hat jedes von euch einen eigenen Geburtstag, mehr werdens aber nicht, gemma gemma, nicht stehenbleiben und blöd schauen, wo euer Essen herkommt und wo es gerade bleibt und ob es auch wirklich echt bio ist, es gibt keins, und wohin es mit euch geht, einfach weitergehen, da gibts nichts! Schon lang zu Aschehäufchen seid ihr gemacht, Staub wart ihr ja bald, wie wir alle, doch ein paar mickrige Organe haben in naturtrübem Wasser überlebt und sind Jahrzehnte, nicht Jahrtausende, wie es ursprünglich geplant war, sind also später wieder über uns gekommen, in dem einzigen Wässerchen, das ihr trüben konntet, ihr Kinderlein kommet, paßt zur Weihnacht, und wieder gehet (paßt immer, und nicht etwa als Wiedergänger kommet)!, damit ihr nicht mehr so viel Platz einnehmt, der eventuell wieder für einen Krieg gebraucht wird, ein Feld der Ehre, geformt aus Dreck, man weiß ja nie, und bis dahin womöglich an andere vergeben, verpachtet, ihnen nachgeschmissen, das geht so nicht, Herr Professor. Und du, also ich, kannst dich auch bei der Nase nehmen! 

Jeder anständige Krieg verschafft auch Ihnen im Handumdrehen mit der Fernbedienung Platz. Auf ein Neues! Wir haben viele Programme, nach denen dann andre leben sollen. Ja, der Stamm vom Herrn Professor hatte Früchte getragen, mir blieb und bleibt hier nur die Abschweifung in meinem so gar nicht ausschweifenden Leben (dafür muß ich nicht herumkommen, ich bin schon da, sagt die Kartoffel des Bio-Besondersnahversorgers in der Werbung!), ich muß zugeben: Zwei allerliebste Kinder, damit konnte keiner konkurrieren, kein andres Kind, kein Greis konnte das. Diese zwei Wunder-Kinder haben es voll gebracht, sie haben für uns alle die Kastanien aus dem Feuer geholt und uns wieder unschuldig gemacht, absolviert, also die Absolution erteilt, absolut!, Wunderkinder, wie es nur noch der Jesusknabe war, allerdings Jahre vor uns, und sogar der durfte aufwachsen, wenn auch nicht allzu lang. Was sie heute noch können, die Töchter, und ob überhaupt, das weiß ich nicht. Es wird Ihnen aber immer wieder verraten in den besseren Seiten des Wunderwelt-Netzes. 

So trabten die beiden also in die Manege, geputzt, geschmückt, den Kopf hochwerfend wie Sterbende, nein, Strebende, die eher hochtrabend sind und niemals ihren Text vergessen hätten; ja, ihren Text konnten sie immer, die Mädeln. Sie waren präpariert worden, also nein, das nicht, die nicht, auch nicht als Lampenschirme oder Buchumschläge, sie hatten es halt drauf, hatten zu Hause geübt, der Autor war anwesend. Ihren Tod konnten auch sie noch nicht kennen. Keiner kann das. Das freut mich heute noch für sie. Wer zu früh kommt, wird nicht bestraft, von niemandem. Ich sollte nicht so aus dem Nähkästchen plaudern, wo ich doch gar nicht nähen kann. Möchte wissen, was mich denn sonst so zusammenhält. Das Klebeband fürs Rücksendepaket, in dem ich etwas heiß Ersehntes und dann gnadenlos Abgelehntes zurückschicke.

Also wo ist der jetzt wieder hin, dieser Stamm, jetzt ist plötzlich wieder Sommer hier, das halten Sie schon aus!, ein paarmal halten Sie Sommer locker aus, wenn auch diesmal ein altes, vergangenes Jahr, da ich noch klein und nicht gebrechlich war (erst noch gebrochen werden mußte). Der Stamm, aus dem ich sproß, ist jetzt hin, wahrscheinlich weil ihn keiner goß, mein Stamm ist dezimiert, man hat ihm Äste abgehackt, höchstens im Anschleichgarten des Psycho-Spitals, dort gäbe es vielleicht noch welche, um solche wie uns zu verbergen, na, grade so eben. Und dort gab es damals auch diverse andre Stämme, den Stamm der Medizin hebe ich hier ausdrücklich hervor, was er nicht nötig hat, ob sie alle germanisch waren, weiß ich nicht, damals vielleicht. Sehr divers oder kontrovers, wie andre Leute, die es sich aussuchen können, die heute noch sprechen oder für immer schweigen dürfen, waren sie sicher nicht. Zwei schwarze Rößlein weiden auf der Wiese, sie kehren heim zur Stadt in muntren Sprüngen, ich eins davon, immer vorneweg, eins von etlichen kleinen Schlachtrössern, deren Seele vom Pepihacker geschlachtet worden war. Große Sprünge konnte ich später nicht mehr machen. Noch recht munter waren wir damals, ein Kind waren wir halt, jedes einzelne von uns, ein paar größere dazu, nein, ich würde sagen: Die meisten waren schon älter als ich. Alle, alle auf die Weide dieses ehrwürdigen Krankenhauses geführt, wo jemand wie ich nicht gesehen wurde und auch die andren oft nicht, doch ich, ich, ich wurde als allererste nicht gesehen!, Erste!, bin so stolz!, diesen Titel beanspruche ich für mich, denn nicht vorzeitig gesehen werden sollte der Held der Geschichte unter den Augen der Macht, die nur dem Ersten wirklich wohl will, nein, nicht wirklich, am besten, man wird überhaupt nicht gesehen. Alles paletti. Der Zweite ist schon Ersatz, sein Einsatz wird lang nicht so gefeiert. Und ich hatte zur Weihnachtszeit sogar zwei Sätze bekommen! 

Nicht gesehen zu werden, das ist ja der Sinn jedes Anschleichens, man tut es, und dann schleicht man sich wieder, möglichst ungesehen, aber dann ist es wurst, die eine Hand weiß nicht, was die andre macht, und Hand ist das auch keine. Gesagt, getan. So lassen Sie mich doch weitererzählen, nein, schreien Sie nicht so, daß Sie das nicht wollen!, Sie wissen doch noch gar nicht, wie es ausgegangen ist! Aber Sie, Sie können es nicht sagen!, höre ich schreien. Ich kann immerhin die Worte unterscheiden. Ich wollte, ich könnte es besser erzählen, dann wäre es jedesmal ganz neu für Sie. Schau an, da blühen Büsche, einmal im Jahr auch Flieder, ganz wild, einen Gartenzaun hat der noch nie gesichtet. Wer hat ihn je so früh gesehen wie ich! Alles andre haben sie schon zweihundertmal gehört, aber noch nicht gesehn. So. 

Ringel, Ringel, Reihe, 
sind der Kinder dreie,
sitzen unterm Hollerbusch,
machen alle husch, husch, husch!

Beim letzten Husch gehen die Kinder in die Hocke und verschwinden dann im Boden.

Also, auf gehts! Nein, noch nicht!, zuerst runter auf die Knie, streckenweise auf den Bauch, obwohl Mama nicht wollte, daß ich mich schmutzig mache. Und als ich endlich da war, draußen im Freien, nach schweißtreibender Kriecherei und Katzbuckelei vor den Gemeinheiten der Natur, wie hab ich mich bemüht, mich klein zu machen für den Machthaber, noch kleiner!, als müßte auch ich in ein Einsiedeglas hineingehen; als ich also voll Staub und Dreck angekrochen kam, passen Sie auf, jetzt kommt mein großer Jammer, meine tönende Klage, jetzt kommt das alles endlich, der Höhepunkt kommt, ich würde es Ihnen nicht sagen, würden Sie es selber merken!, immerhin kommt er noch, da ist er schon, guten Tag, was soll an diesem Tag gut sein?, meine alte Leier ertönt schrill, kein Wunder, daß ich damit keine Hauptrolle kriege, nämlich, stellen Sie sich das vor: Als ich endlich kam, da wurde mir keineswegs die Ehre irgendeiner Aufmerksamkeit zuteil, die einem jeden zusteht, der es schafft, immer zu kommen, wenn er will!, wirklich nur einen kleinen Ehrenpreis hätte ich mir gewünscht, vielleicht sogar nur mündlich, eine Belobigung; andre kriegen es schriftlich oder eine ganze Viertelstunde Ehrung, ich war aber höchstens eine Viertelportion, also bitte, beachten und bewundern Sie mich heute, heute habe ich jede Menge Zeit dafür und genieße es, schauen Sie, wie ich mich erholt habe!, beachten Sie bitte meine Wunde!, die ich hier recht gut kapitalisiere, na ja, gut ist übertrieben, eine Dauerverletzung, die Sie trotzdem nicht anerkennen wollen, obwohl ich es jetzt schon zweihundertmal gesagt habe, wie oft denn noch!, beim heiligsten Herzen Jesu tun Sies ja auch, Sie bewundern es, je nachdem, wer es gemalt, geschnitzt oder in Blei gegossen hat, manchmal recht spät kommt sie, die Bewunderung, aber immerhin. Alles gerät in Bewegung. Bitte beachten Sie jeden wie mich, falls Sie noch etwas Zeit haben, nein, natürlich nicht jeden, nur mich!, wenn er sich erfolgreich ans Zentrum angewanzt hat, um sich gebührend zu präsentieren, was mir aber nicht gebührt hat. 

Viertens: ALLES DANACH, HEUTE, ES TAGT

Meine Zeit ist inzwischen doch recht zusammengeschmolzen, in einer einzigen Sekunde Ewigkeit, die sonst für die Liebe reserviert ist, werde auch ich im Ziel angekommen sein. Hier aber war ich die einzige Erste, inmitten stärkster Konkurrenz, inmitten von Triften und Matten, welche nicht einmal die eigene Umzäunung wert waren! Eindeutig! Einmalig! Dies erwähnt nach meiner Einschätzung, obwohl ich gar nicht schätzen mußte, ich war als Erste da, denn außer mir sah ich niemand sonst, nur noch den Kinder-Chefgott, der jedoch gerade woandershin blickte, vielleicht ja nur auf seine Uhr. Er aber bemerkte mich gar nicht. Er hat mich gar nicht gesehn! Ich war eine einzige Heimlichkeit im Garten, aus unserem Heim, das dermaßen angefüllt war, daß man kaum das Klavier finden konnte. Nach meiner, nach jedes Menschen Beurteilung hatte ich hier allerdings die Nase vorn und nicht hinten. Ganz klar. Doch das Zentrum hält nicht, der Falke findet die Hand nicht mehr, die ihn mit weißen Marmeladenbroten (mit Marille) oder den braunen mit übel gequetschten Sardinen gefüttert hat. 

Die Dinge fallen auseinander, ich falle durch, ich bin durchgefallen, durch alle Blicke hindurch hab ich mich gebrannt, doch nicht einmal ein Brandloch blieb übrig, sie gingen wie die Scheinwerfer eines Leuchtturms (raus aus eurem Wurmloch, ihr Blicke!) über uns hinweg. Darf ich vorstellen: die Blicke des Falkners, ich nenne ihn so, weil er Augen wie ein Falke hatte, aber das einzig Richtige immer übersah, also, was soll ich Ihnen sagen, die gingen einfach über mich hinweg, sie fanden mich nicht, diese Mitte hielt nicht, und die sollte doch ich sein!, ein Mittelpunkt!, genauso wie Mama es hielt. Wohin gingen denn die Blicke, wieso nicht zu mir, halt, bleiben Sie hier! Sie fielen eher, als daß sie gingen, die Blicke, überzeugungslos, eine Überzeugung brauchten sie nicht, zwei genügen, ich und Mama, zwei Blicke genügen für fast jedes Auge, ich meine ja nicht Übererzeugung; o Erz, dich brauchen wir noch, du bist uns wichtig geworden, wohin fallen sie, die Blicke, immer nur sie, sie fallen zum Beispiel an meiner statt auf die beiden Söhne des Asklepios, die sind auch im Spital, nein, auf die nicht, diese Nattern; sie treffen einander also, nicht die Söhne, die kennen sich zu gut; diese, nicht meine Blicke meine ich. Nicht meine Blicke, die nicht heilen können und das auch nicht wollen, sind gemeint, wo kämen wir sonst hin! Wie soll ich sagen, die Zweiten werden die Ersten sein: Der Blick des Herrn, unseres Herrn Professors, galt ganz ihnen, den Söhnen, nicht der einzigen Saaltochter, nur den Söhnen mit ihrem schweren Besteck, keine Ahnung, er fiel auf sie, der Blick, sein Rauschen im Meer, sein Rascheln im Gras, sein Klingen im Ohr, sein Summen in der Luft, alles fällt, diese Hand da nicht, sonst alles. 

Früher hätten sie noch versucht zu flüchten, die Kinder des Landes, nicht zu verwechseln mit den Landkindern, in ihrer männlichen Form auf Felder gestreut, die weibliche Form streut sich selber aus, wie Kuchenkrumen, um jemand anzulocken, jetzt wurden sie also endlich erkannt und belohnt, die Söhne, die noch nicht unter dem Feld der Ehre gelandet waren, diese Ehre hatte ihnen die neue Zeit versagt, welche, auch schon angebrochen, achtlos herumbröselte, schauen Sie, wie die plötzlich von überallher auftauchten aus dem Nirgends, wo sie sich mit anderen Habenichtsen unterhalten hatten, die vor der Zeit sterben mußten. Die Blicke der Heiligen Dreifaltigkeit, vereint in einem einzigen Menschen, fielen nicht auf mich, der sie gebührt hätten, sie fielen gebührenfrei auf jeden anderen, brachen also nicht über mich herein, weder um zu heilen, noch um mich zu kränken, so eine Gemeinheit! Heilen tun andre hier, hören Sie, das ist ein Spital!, woher ich weiß, daß es sich so verhielt? Weil ich dabei war, ungesehen, aber immer dabei, als sollte ich meinen Tod zu Lebzeiten endlich erfahren, weil ich immer so neugierig war, halt immer Erste sein wollte, auf Mamas Geheiß immer Erste, aber Zweite, wenn schaffend erreicht, auch gut, nicht sehr gut, aber gut. 

Es wurde mir so eine Ahnung von Tod vermittelt, das Denkmal des Bogens, Oida!, wird mir augenblicklich überreicht, da steht schon mein Name drauf, doch ich kenne den Tod immer noch nicht. Mein Gestehungsdatum habe ich schon. Ich sage aber nichts. Was fällt mir ein? Jetzt habe ich schon mehr Ahnung. Bald werde ich ihn näher kennenlernen, den Gevatter. Ich bin aber die meiste Zeit gar nicht recht anwesend. Mein Oberstübchen wird grade ausgemalt, müssen Sie wissen. Entsetzliche Katastrophe: Ich habe kein Klo mehr! Kein Wunder, daß die Todesboten ausgerechnet mit mir ihre Scherze treiben und falsch zustellen, was doch einmal sowieso einem andern gehören soll. Ich wäre ja gar nicht mehr da.

Andere durften sich meinem Wort entziehen, viele durften das, obwohl ich mit Worten recht freigiebig und umgänglich bin. Und auch mein Anblick wurde ihnen nicht gegönnt. Ungesehen, unerkannt und überspannt war die Leine der Profi-Aufmerksamkeit, ja, Herr Professor, von der ich losgeschnitten w0rden war, noch bevor ich ankommen konnte. Vorsicht, ich falle!, ich falle schon seit vorhin!, na, das ist noch nicht lang, ja, dieses Kind ist auch gefallen, bedecken Sie Ihr Haupt mit einem Helm, damit Ihr Elektrofahrzeug Sie auch erkennt, wenn Sie es besteigen, denn ohne diese Kopfzier, na ja, Zier ist zu viel gesagt, ohne die dürfen Sie vielleicht bald nicht mehr fahren, und schon ist es soweit! Nein, doch noch nicht. Was die erst anrichten könnte, die Aufmerksamkeit!, die kann sichs immer richten, erst recht, wenn sie sich dreht und Sie drunterliegen und unterliegen! Die läßt Sie noch nicht in den Tod hinab, na, dann warte Sie halt noch ein bisserl! Die Kuh, die immer Aufmerksamkeit verdient, hat Hörner und vertreibt oder vernichtet Menschen auf der Alm. Sie haben bereits Ihren Helm erhalten, halten Sie ihn in Ehren, einen zweiten werden Sie nicht mehr brauchen. Hören Sie zu und vor allem, schauen Sie, da sind so viele Tote, ihre Körper und Köpfe sind ganz ungeschützt, schauen Sie also lieber woandershin! Ihre lieben Verstorbenen werden Sie sowieso nicht finden, und die haben doch eigens Fotos von Ihnen mitgenommen! Deren Rauschen, das Rauschen der Totengebeine unter ihren Decken einfach verschwunden, die Decken brauchen sie jetzt auch nicht mehr, sie müssen nicht mehr zugedeckt werden, auch du nicht, mein Lieber, wo bist du? Wär schön, wenn du noch wandeln könntest! Bleib, wie du bist! Du bist es nicht. Da bist du auch nicht. Nein, und die dort drüben sinds auch nicht, all die anderen Verglichenen, nein, Verblichenen. Sie sehen wohl nicht recht, sie sind es doch!, sind sie es doch?, nur etwas verändert, die Kleidung ist noch dieselbe, an der kann man sie unterscheiden, und sie tragen ihre Herzen auf den verwitterten Zungen! Doch hinein ins pralle Leben, woher kommen plötzlich diese düsteren Gedanken, die gar keine Gedanken sind, noch nicht jedenfalls? Ich muß sie erst formen. Geben wir ihnen doch Namen, dann fühlen sie sich gleich wohler! 

Da kommen sie schon angekrochen, die Restbestände an Kriecherischen und Kriegern, immer noch vorrätig, höchste Zeit, aus allen Richtungen, ich war schon da, wie gesagt wird, wie ich es Ihnen doch sage!, wie Banane nicht, die kommt aus dem Ausland, wie Tomate und Kartoffel im Supermarkt der Regionen aber schon, jetzt erst recht!, alle kamen jetzt daher und machten uns froh, anstatt das mit anderen zu tun. In verschiedenen Stadien der Erschöpfung und des Verfalls, so tröpfelten sie sich herein, ergossen sich, die jungen Herren, auf die kams an, sie sind der Lebenden Beste, manch einer auch Bestie genannt, aber die vergessen wir sofort wieder, auch im Tod sind sie noch die Besten, Respekt! Die schaffen das, nur die. Sie schaffen uns ab, noch immer, sie schaffen uns Alte ab, die Jungen jedoch bleiben, viele von ihnen Meister des Bösen, wir unterliegen ihnen doch sowieso, was bleibt uns übrig, die Zeit nach dem Schaukeln der Wiege zu lang. Jetzt sind einmal die Mädeln dran, nach langer steinerner Ruh, die wollen sie natürlich, ihre Herren, jederzeit, bitte gerne, aber doch nicht diese!, bitte andre, noch jüngere, wenn möglich, gesündere, wenn möglich, bessere, stärkere Frauen, damit meine ich nicht ihre Gestalt, also ihre Umrisse, wenn möglich, in denen der Köder noch steckenbleibt, anstatt sich durchs verwelkte Fleisch durchzubeißen, oft ganz ohne Zähne. Und keiner beißt an! Ich habe lange zugeschaut: keiner! Ohne Fleiß kein Preis. Hören Sie, das ist doch eine Oma! Tja, heute schon, aber noch nicht lang. Heute Oma und Ausschuß, ausgeschlossen, daß ich Ausschuß sein soll, nur noch von kleinen Kindern geliebt, die ich aber nicht liebe! Ich bin keine Omama, und trotzdem sagt man das zu mir. 

Bloß war ich damals, im Hort des Heilens, die einzige, das einzige Mäderl, na sowas, ein Alleinstellungsmerkmal, so süß damals noch, noch nicht ausgepreßt wie später dann, es wär auch damals nichts herausgekommen. An meinem Lächeln zerrten viele, das ist für diese Kohorte so üblich, doch es wollte nicht erscheinen, nicht ohne seine Waffen. Glauben Sie mir: Ich erscheine gleich, muß mir noch Augenbrauen und Lippen neu machen, da hat der Schöpfer gepfuscht!, dafür erscheine ich immer selbst, bereit für ein Selbstie! Dachte ich. Dafür mache ich heute nichts als blöde Witze, die auch nicht neu sind. Sie lassen uns nicht ruhen, die Knaben, die viel Glück und Schneid wohl haben, um dereinst ihr Wohl und ihre Wahl zu haben. Ich sage es Ihnen hier durch die Butter, damit mein heißes Messer schön reingeht in diesen Menschenmatsch. Die Flut von Blut schwillt an. Der Schlamm verklebt schon alles, damit man einen Teil von ihnen, den Tapferen, die jedes Land braucht, ungesehen, notfalls in einem Krieg, das ist der letzte Ausweg, der Notausgang, beiseiteschaffen kann. Es gibt die Menschen ja mehrfach, kein Wunder, daß man sie zum Patent angemeldet hat, sie haben sich bewährt, dieses Modell hat sich durchgesetzt, nicht jenes, das aus Afrika kam, wie soll ich sagen: obwohl der einzelne doch jeweils einmalig ist! Doch langsam fällt es auf, wenn etliche fehlen. 

Es fehlt etwas, es fehlt eine ganze Masse, sie wurde dem Land entnommen, in dem sie alles zu suchen und auch zu finden hatten. Sie sind unsere Zukunft, keinem wohlgesinnt, die armen Toten, es war eine solche Arbeit, sie herzustellen!, und jetzt sind die einfach nur sauer. Sie haben aber auch nicht gehalten, was sie versprachen. Sogar Gott hat uns ja mit dem ewigen Leben bedient und damit belogen. Seither suchen wir sowas. Ach, wenn Tote doch wieder wandeln könnten, dann würde ich es auch dir empfehlen, mein Lieber! Und doch fehlt ihr Teil an Licht, unter dem schwachen Strahl einer Handy-Taschenlampe fehlt ein Teil und ein andrer auch noch, und den Knochen fehlt ihr Fleisch, und dem Fleisch fehlt die Stütze. Und dem Körper fehlt die Spritze. Und mir fehlt die Spitze, ich meine, daß ich an die Spitze komme, wie Mama es für mich so umsichtig plante, sah sie doch in ihrem Umkreis keine wie mich. Es tut mir so leid, endlich, zu spät, doch hier habe ich eine Stelle, an der ich das sagen kann. Die Frauen produzieren ja immer noch, wenn derzeit auch manche auf Teilzeit umstellen mußten. Die jungen Herren, die immer so an unseren Nervensträngen zerren, sie mähen das Land, damit Menschen im Feld angebaut und wieder neu produziert werden können. Und damit keiner sich ungesehen anschleichen kann. Gewonnen! Erste! Hab jetzt keine Lust, es besser zu sagen. Das können Sie selber machen. Sie haben Platz genug, wenn auch nicht hier. Sie könnten Bäume ausreißen und tun es auch. Manche Felder lassen sie brachliegen, hier ist schon eins! Ja, ich, wo bleibe ich? Ach ja, hier bin ich doch! Ich muß schon sagen: Gesucht haben Sie mich nicht gerade. 

Ich mache sinnlose Kilometer hier! Na, wenn das so ist, wenn mein Einsatz Ihnen nicht gefallen hat, Zeit, ihn zu verschwenden, hatte ich jetzt genug, dann schweige ich halt still, wie der Tag über den Müllhalden, die wir immerhin auch selbst erzeugt haben, ein Exportschlager, nein, der Müll kommt doch importiert, er kommt durch Importe wieder herein, wir haben noch Platz für ihn. Ich hab keine Zeit mehr. Und freiwillig kommt zu mir auch kein Freund mehr, denn ich habe keinen. Wenn ich noch immer nicht angesehen werde, ich sage jetzt nichts mit ansehnlich, dann geh ich halt. Freuen Sie sich nicht zu früh!

Nein, der letzte kommt auch nicht, kein Freund kommt, obwohl ich ihm vorhin etwas auf den AB gesprochen habe, abgesprochen hatten wir nichts; genausogut könnte ich in ein Abortloch sprechen, und mein Freund ist er auch nicht mehr. Ich rede hier und rede, doch vergebens war alles, das seh ich schon, auch das, was ich erst noch sagen wollte, schon jetzt vergeblich! Sie werden mir noch nachweinen, bevor ich da bin. Wie mein Anschleichen in der Wildnis der Spitalswiese, eher eine Brache, keine große Sache, wenn Kinder verschwinden sollen. Das ist überall so. Wir wissen jemand, mir fällt grad der Namen nicht ein, den wir rufen können, doch der ist auch nicht mehr da. Er ist vielleicht in dieser Pizzeria, wo die Kinder zu Medikamenten verarbeitet werden, damit andre so jung werden wie sie schon sind, wenn man fest an ihren Menschenköpfen saugt. 

So lang vertrauten Umgang pflegten wir mit keinem, bis niemand eine Heimkehr ohne Umleitung oder Umgehungsstraße mehr versprechen konnte, eine mehr wäre schon gut. Alles ist überfüllt, wir sind ja immer schon da gewesen und haben was zurückgelassen, wir Entfesselungskünstler. Uns kann man nicht eindämmen, da kann man ja noch eher einen Damm eindämmen, der das eigentlich selbst besorgen sollte. Es wird Ihnen eigens leicht gemacht, nicht erkannt zu werden, es kennt Sie ja auch keiner. Sie konnten sich nicht profilieren, denn Ihr Profil würde ihm nicht gefallen, obwohl es sorgfältig verfaßt wurde, ja, über Ihre Verfassung hat man auch gelogen. Ihr Herr würde nicht Gefallen dran finden, wer immer das ist, na, dann hätte er Ihnen eben etwas andres geben müssen. Und schon verfassen Sie ein neues Profil! Man sieht sich. Der Herr sieht sie, seine Geschöpfe, wie sie da im Dreck herumkriechen, wie sie da aus dem Gestrüpp hervor robben, die Burschen in ihrer Freiheit des Umgehens miteinander und mit anderen. Sie können, aber sie müssen nicht. Sie können immer, doch sie wollen nicht. Was sollten sie überhaupt umgehen, da sie nicht mit uns Umgang haben wollen?, da kriegen wir sie schon herein, jeder der festen Überzeugung, Erster zu sein, wo doch ich das schon war! Jetzt ist es heraus. Ich habe es aber schon öfter gesagt. Vorhin war das doch auch schon, Moment, ich muß etwas zurückblättern. Die Henne war vor den Eiern da! Für mich ist das klar. Wo ich also schon da war und auf den Lorbeer wartete, der definitiv dort nicht wuchs. Nicht für mich. Ich habe dort nichts angebaut. 

Der Herr Professor Doktor Tod schaut nun betont sachlich in eine andre Richtung, das macht er nicht absichtlich, er ahnt noch nicht einmal, daß dort ein kleiner Mensch grad ins Gras beißt, obwohl er viele Kinder, anderen Kindern ganz ähnlich – man könnte sie glatt verwechseln und irrtümlich gesunde, die sogar Abzählreime konnten, umbringen! –, auf Transport geschickt hatte. Der war es doch gewöhnt, daß Menschen sich in nichts auflösen und man nicht mehr auf sie zu achten braucht. Er hatte die Liste mit der Zuteilung ins Unendliche, wo nichts wächst, aber auch niemand essen muß. Wie praktisch, kein Wunder, daß er auch Sie damals nicht erblickt hat auf dieser Wiese! Niemand hätte er so wenig erblicken wollen wie Sie! Ja, ich meine mich, sage es aus Gescheitheit und Bescheidenheit aber nicht, diesmal nicht, das geschah im Jahre Schnee und der von ungünstigen Wettern und Wetterumschlägen enthäuteten Stürme. Keine Spur von Ihnen hat er gesehen! Das sagen Sie! Und Sie sagen natürlich zu mir: Pudeln Sie sich nicht auf, da sind schon ganz andre als Sie unbemerkt geblieben! Sagen Sie! Wer denn, wer denn?, na, wer denn, spucken Sies aus! 

Und schon kommen sie, schon wieder, Tote kommen, also bei mir kommen die immer, die waren schon so oft da und wollen endlich woandershin reisen. Ich zahle ihnen nichts dafür, doch sie kommen trotzdem, aus Trotz?, Tote, die aus unerfindlichen Gründen von den Steinhofgründen, wo es ihnen schon zu laut wird aufgrund reger Bau- und Abbautätigkeit, zu sich selbst zurückkehren wollen, in ihre Karkassen wieder hineinschlüpfen. Das wär was für sie, damit wieder etwas Fleisch an ihre Ripperln kommt, geschmiegt an saures Kraut. Tote also tun das auch, fermentieren, nur essen sie das Zeugs nicht, obwohl es die Verdauung erleichtern könnte, die kommen Ihnen alle einmal zurück, das sage ich Ihnen! Warum sagen Sie das andauernd? Na, weil es wahr ist! Geh bitte!, so toll war Ihr Leben auch wieder nicht, daß Sie ein Recht auf seine Rückkehr erkämpfen wollten! Einmal war schon zuviel! Sie sollten am Abend nicht so lang lesen! Schon Papa hat mir das gepredigt, es würde später meine Heiratschancen dämpfen, so seine Befürchtung, ich würde dereinst nicht abhauen und ihm auf ewig bleiben. Da ist er lieber selbst gegangen. 

Das Böse, das einer tut, kommt gern wieder zu ihm zurück, so wird gesagt, manche werden zu guter Letzt dennoch in, nein, auf den Arm genommen, also ich nicht, es beehrt ihn gern wieder, das Böse, zum Beispiel gleich heute. Nie wird sein Zauber gebrochen werden. Schon wieder klopft es an. Gleich werden wir es im Handtelefon erblicken. Das hat grad sein Fenster geöffnet und schaut zu uns heraus anstatt hinein. Oder halt später, später noch einmal fragen?, was auch immer. Tote, die dort, wo sie einst waren, auf Heimaturlaub nur noch Staub finden, Rauch, Asche, nicht einmal Nahrung, die so nötig wäre, was sollen die denn machen in dieser Trostlosigkeit, aus der sie nie mehr aufwachen und aufwachsen sollen? Also, was sollen wir tun, was sollen wir jetzt machen? So machen Sie halt etwas anderes! 

Sehen Sie: Nicht einmal als Tote wollen wir zu Ihnen kommen, also zu mir, ich spreche mich gern mit Sie an, da fühle ich mich bedeutend, alle andren aber auch, doch ich meine immer nur mich, zu der ich höflich bin, sonst zu niemandem, das ist so meine Art. Leben Sie alle wohl, die vorübergehend als Behausung mir gedient haben, und werfen Sie die Schlüssel in den Briefkasten! Sie, unsere liebe Frau, mein lieber Mann!, Sie, die man aber nie in Kirchen findet, Sie sind so alt, das ist schon mehr als tot, das ist jenseitig. Das ist die Seite, für die ich mich entschieden habe. Dann glückt auch das Anschleichen, so machts wieder Spaß mit ihm, sagt eine Dame in der TV-Werbung, die ihre Brüste vor sich herträgt wie die hl. Agathe, zu ihrem Mann, der ein naturheilendes Mittel eingenommen hat, damit er wieder einen Ständer kriegt, er weiß bloß noch nicht, was er draufstellen soll. Da bietet sich die Dame ihm an. Ich wäre am liebsten immer schon dort, wo mich niemand gesucht hätte. Das ist ja noch viel unangenehmer hier als ich dachte, wo bin ich?, selbst verlöschende Tinte im Buch des Lebens, niemand mag es lesen, und niemand braucht es zu tun. Man kann es auch gar nicht mehr. 

Mit List versuchen Sie, sich noch Leben zu erschleichen? Auch hier meine ich mich, obwohl ich mich dafür schäme, so oft dranzukommen. Kommt drauf an, womit. Das spinnerte Licht kommt und kommt nicht, falls Sie sich gefragt haben, weshalb Sie mich nicht sehen. Sie können es nicht. Wären Sie wirklich tot, liebe Frau, nein, nicht: Unsere Liebe Frau!, dann ginge es einfacher, da müßten Sie nicht mehr mit Worten arbeiten, nicht mehr erbschleichen bei anderen, um sich Worte anzuschaffen und gleich zu sichern und zu versichern. Wenn mein Wort Fleisch würde, wären Sie doch die erste, die davonrennt! Werfen Sie Ihre Worte weg, die sind pfui!, da sie zuvor schon ein andrer hatte, das Gackerl im Sackerl trägt er behutsam, das ist mein Lieblingsbild, aber reinschauen möchte ich nicht. Ich halte es an ausgestreckter Hand, die keiner ergreifen mag, von mir weg. Also ich will jetzt eine Option, wer an meinen Körper rankommt, ich vergebe diese Chance, keiner will sie, einer sagt doch glatt zu mir: Eine Option? Da arbeiten ja schon Würmer an Ihnen! Igitt! Was soll da ich noch machen! Oder Sie sind einfach nur Asche, also nichts, davon aber ein kleiner Haufen. Nichts besonderes. Besser, Sie gewöhnen sich jetzt schon dran, liebe Omama nicht im Apfelbaum, sondern im Bambuswald, sagen Sie uns, denn zur Sicherheit kommen wir nur zu mehreren zu Ihnen, damit Sie uns nicht vernaschen, sagen Sie, wie war sie denn so, die Vergangenheit? Sagen Sie es uns doch! Und dann halt noch einmal! 

Warum, verhaßtes Leben, hältst du mich hier noch fest, ich brech dir gleich die Finger? Also bitte! Sie sind es doch, die sich an mich klammert!, antwortet mürrisch das Leben. Die Brösel der Schnitzelsemmel, die es grad vertilgt, sprühen ihm vom Kinn, so muß es über sich selber lachen. Jetzt habe ich es beleidigt, das Leben. Feste Nahrung werden für die, die uns nährten? Na, sicher nicht! Wasser für die, die brennen und gelöscht werden wollen von ihrem Begehren? Na, sicher nicht! Im Laufe dieses Sommers noch muß diese Stadt gefällt werden, und zwar, weil sie niemandem mehr gefällt (das mit gefallen war diesmal das letzte Mal, versprochen), und wärs nur, weil ich keine Gelegenheit mehr bekommen werde, die Touris aber schon, welche ihre Aufnahmen davon machen, damit sie nicht noch einmal kommen müssen. Sie glauben, sie seien Ausnahmen, weil sie das, was sie sehen, als erste gesehen und aufgenommen haben, diese Stadt, meinen Sie die?, welche sich mit einer stählernen Ummantelung verhüllt, mit vielen teuren Ummantelungen des Immo-Kaisers, welcher inzwischen gefallen ist. Mir zum Beispiel würde ein schöner neuer Mantel schon genügen. Ich aber vielleicht nicht dem Mantel. 

Darf Kleidung das? Darf sie sich fotografieren lassen, damit man sie begehrt? Mir würde das nicht genügen, und meinem Partner, den ich nicht mehr habe, auch nicht. Wie sagen Sie? Eine Granate? Ein Hohlmantelgeschoß diese Frau, oder eher eine Blindgängerin? Ich würde sagen: Hauptsache, sie kann überhaupt noch gehen, egal, ob sie aufpaßt, wohin. Niemand weiß von seiner Wiederkunft, und die, die wieder da sind, wissen nicht, wo sie inzwischen waren. Und was sie dort tun wollten, das überlegen sie später, nachdem sie dem Todesgerät, das eigens angeschafft wurde, um Radwege zu säubern, lange genug in sein Fensterchen geblickt haben. Na, dann schauen Sie halt woandershin, diese Umgebung ist doch auch schön, oder? Sie hätte sich überhaupt nicht auf dieses elektrische Moped setzen sollen, auf dem sogar noch ein Zweiter Platz hat. So fängts schon mal an. Zwei Verlorene in einer Allee, wo Bäume sich aufbäumen, nein, beugen müssen.

Allein kommen, zu zweit gehen, anstatt gebückt zu schleichen wie ich, ein beliebiges, wenn auch unbeliebtes Kind, damals auf der Spitalsweide, auf die ich treulich geführt und von der ich beschämt wieder abgeräumt wurde: abtreten! Marsch! Andere wieder dürfen immer fahren, haben aber keine Spur dafür, die beanspruchen schon die Radfahrer. Das wünscht man sich, das wünschen sich die meisten, da ist jedes warnende Wort umsonst, daß man beim Fahren nicht telefonieren oder liebe bleibende Worte ins Gerät schreien oder schreiben darf, damit nichts auf einen hinweist. Könnte man sich Heilbehelfe beschaffen oder den Körper im ganzen an einen ruhigen Ort, er kann ruhig auch etwas eng sein, auslagern, man würde sofort wieder zu ihm hinfahren. Es gäbe kein Halten mehr. Bei nächster Gelegenheit. Man hängt schließlich an seinem Lieblings-Liegeplatz, an seinem Anlegeplatz, wo das Geld leider immer weniger wird. Machen Sie sich nichts vor, sondern ein schönes Wochenende! Lassen Sie sich doch mit heißem Wasser und Schlamm verwöhnen, genau, in dieser Therme, im Namen des ganzen Heers, das Sie losgeschickt haben, das zu Ihrem Entsetzen aber nie kommt, obwohl man es Entsatzheer nennt, wie man es einst gegen die Türken zusammenstellte. Sie wissen schon, was ich meine, so oft, wie Sie es schon gehört haben! Die Türken sind geblieben. Es kommt ja nicht einmal ein einziger von den Unsrigen zum Beispiel nach Simmering, wenn dort auf dem schönen großen Friedhof keiner unserer lieben Toten ruht. Das Grab von Opa habe ich aufgelöst, er selbst war das schon lang, und alle andren, die dort drinnenlagen, auch. Sie wollen dort doch gar nicht hin!, geben Sies zu, wozu brauchen Sie gleich ein ganzes Heer, wenn Sie eh dort nicht hin wollen, sondern lieber in Hütteldorf bleiben? In wechselnden Besetzungen gibts das immer noch, das Kämpfen, jeder Einsatz zählt fürs Feld der Ehre, wo Sie gar nicht erst zugelassen sind, nicht einmal zum Schleichen und Kriechen! Jeder dieser Einsätze ein Besatz an Ihrem Narrensaum. Wo war ich?, leider immer noch hier, wie zum Beispiel jetzt, jaja, schon gut, also ich finde ja, das Entsetzen vor Körpern sollten Sie sich abgewöhnen, Körper gibts hier nicht, und wenn, dann nicht für Sie! Die kriegen Sie woanders, aber wozu?, Sie haben doch schon einen! Seien Sie zufrieden mit dem, den Sie haben, mit Ihrer relativen Unversehrtheit, die immer so nach Begehren rast, das doch nur Unordnung stiftet. Ein eigenes haben Sie ja nicht.

Die Heere kommen höchstens noch vorbei, um Sie, eine gefallene Stadt, zu betrauern, die gehört jetzt den Russen, und Sie betrauern, daß Sie noch nicht einmal Platz hatten zu fallen! Ja, muß ich denn im Stehen sterben? Das ist unzumutbar. Eine Frechheit! Wenn Sie das nächste Mal meinen Tod verkünden, schauen Sie bitte zuvor nach, wo ich mich aufhalte, und halten Sie mich dort fest, damit ich nicht vor dem letzten Augenblick der Wahrheit noch gesehen werde! So wie ich bisher immer festgehalten wurde, aber nicht vom Leben, nein, das kommt jetzt nicht mehr, das Leben, also freiwillig nicht. Ich versteh es gut. Die Trauerwagen wurden schon angeworfen, jetzt ist es zu spät für alles, ach was, das müssen Sie mir nicht eigens sagen: Was stöbert eine Kreatur wie Sie noch auf der Welt herum? Sogar die Abfälle sind schon im Meer, wieso Sie noch nicht? Na, weil ich nicht bis zum Meer fahren kann! Hier werden Sie nur Rohlinge finden, die noch hoffen, daß ihnen jemand eins aufbrennt, daß es was spielt auf ihnen, einen tollen, spannenden Film, und daß auch Sie leben können wie im Film. Also daß sich halt noch was abspielt. So meine ich das. Da hau ich doch den Hut drauf, nein, nicht diesen, der gefällt mir nicht.

Na ja, was soll ich noch sagen, besser nichts mehr, immer wenn ich hier sowas sage, kommt noch mehr, auch das muß ein Ende haben, daß ich dauernd hier so plappere; bedenken Sie aber, daß es eine Göttin ist, die spricht, eine reine Nichtexistenz, bald körperlos, das ist auch der Grund, weshalb Sie mich nicht verstehen können, glaub ich. Gehen Sie halt darben, weil Sie nicht kochen können, und dann gehen Sie sterben! Schauen Sie, ich gewann nicht die Unsterblichkeit, ich gewann nichts beim Lotto, außer dieser einen kackbraunen, aalschlüpfrigen Geldbörse, nein, wenn Sie schon fragen: das Leben auch nicht. Das ewige Leben war natürlich schon vergeben, obwohl ich immer eher zu früh als zu spät komme. Klar, das haben sie sich zuerst gesichert, diese Pestbeulen, die mir so auf die Nerven gehen. Meinen Sie mich? Ich soll dazugehören? Da gehört aber was dazu! Das sagen Sie mir einfach so ins Gesicht?, na, einfach ist das nicht! Sie trauen sich was!, antworten Sie. Nur ein baufälliges altes Haus, eine gute alte Haut, die sich sogar den Worten eines Herrn Doktor nicht mehr entziehen wollte, wenn er nur käme und ich nicht zu ihm hin müßte!, eine, die noch hofft, mit einer recht endzeitlichen Diagnose beschriftet zu werden, damit das alles einen Sinn hat, denn sie ist, obwohl sie alles vollschmiert, letztlich ein unbeschriebenes Blatt geblieben, offen für jede Krankheit und den nichtsnutzigen Tod, die da beide ungebeten daherkommen, sie ziehen sich schon die Schuhe an, und Ihre neuen haben Sie sich auch umsonst gekauft. Der Doktor muß dann nur noch dahinterkommen, was das ist, was an mir nagt. Wir alle sind offen für alles.

Glauben Sie mir, obwohl dies hier nichts als Worte sind, die da kommen, mehr kommt einfach nicht heraus, und käme es, wäre es nicht einfach. Wie wollten Sie je was andres als Worte kriegen, klar, daß Sie sich da wundern, wieso da immer noch was kommt. Es verfault mir unter den Händen. Das soll eine Krankheit sein? Wie konnten Sie nur so hinfällig werden, gar ab und zu hinfallen? Sie werden sich noch was brechen! Brechen Sie sich nichts ab, brechen Sie lieber allein auf! So, jetzt sind Sie mir in die Falle gegangen, wenigstens einer! Vielleicht, weil Sie sich ja mit Worten nichts mehr anfangen können? Sie wollten schöneren Lohn? Jetzt ist es zu spät. Da sind Söhne, die Sie vernichteten? Jetzt ist es zu spät. Andre Söhne, die Sie baten, Sie zu vernichten? Na, dafür haben wir vielleicht noch etwas Zeit. Immer waren die vor Ihnen da, das muß an Ihnen liegen! Das sagen Sie mir so ins Gesicht? Unglaublich! Andre, die gar nicht erst kamen? Etliche, die rechtzeitig gewarnt wurden? Dies überstandene Elend nagt noch an Ihnen, dabei haben Sie es doch überstanden, oder? Das wollten Sie auch wieder nicht, und auch noch soviel davon? Dann hätten Sie es sich vielleicht überlegt, wären Sie nicht dermaßen zum Fürchten gewesen. Dann hätten Sie den Schleier vor Ihren Lidern weggewischt und die Kleider fallengelassen und danach auch noch Ihr Mäntelchen aus Haut in den Sturm gehängt, den Sie eh selbst erzeugt haben, geben Sies zu, daß Sie immer so viel Wind machen um nichts! Dann hätten Sie sich halt nicht mit dem Klammerbeutel pudern lassen sollen!, dann, ja dann wäre davor oder danach ein gutes Gespräch sich vielleicht noch ausgegangen, bei dem der eine gut reden hat, der andre aber dauernd auf die Uhr schaut, in schöner Sicherheit, daß die Zeit nicht ablaufen wird, ohne daß er ihr das Zeichen dazu gibt, ein letztes Wort, ausnahmsweise diesmal nicht das Ihre. Die armseligen Zeichen der Zeit hat er natürlich die ganze Zeit übersehen. Das kann ich nicht, ich bin Ihnen nahtlos und drahtlos eng verbunden. 

So, der Ablauf wäre also geregelt, er gilt nur für Sie, Sie müssen gar nicht so schnell laufen, wie Sie auch sitzen oder liegen oder Ihre Anliegen vorbringen könnten, bevor Sie für immer schweigen müssen! Im Tod haben Sie zwar viel Konkurrenz, aber nicht allzu lange. Ihrer ist jedenfalls reserviert, der, den Sie bestellt haben, hat leider ein andrer gekriegt, die Ärztin ist schon aus Innsbruck unterwegs, dieser jedoch gehört Ihnen allein. Natürlich liegt der wieder total abseits, wie gewünscht, bitte sehr, auch dort wollen Sie also allein sein? Aber das können Sie doch überall sein! Also wir hätten uns sowas nicht gewünscht. Machen Sie nicht soviel Lärm dabei wie einst Mama, die das ganze Heim zusammengeröchelt und niedergeatmet hat, als der Todesengel schon auf ihrer Brust saß und sich die Nägel feilte, er hatte noch etwas Zeit vor seinem Auftritt. Als ich zum zweiten Mal starb, habe ich doch viel Zuspruch erhalten, die Leute wollten mir echt den Weg verwehren, den man mir zu gehen vorgeschlagen hatte. Was Sie davor von uns noch zu erdulden haben werden, jetzt, da wir nun doch noch etwas Zeit haben, ahnen Sie schon. Wollten Sie nicht noch was schreiben, vielleicht was Kurzes, obwohl es eh schon zu viel ist? Die berühmte Gnadenfrist, aber von Gnade sehe ich weit und breit nichts. Wie meinen? Was sagen Sie? Helfende Hände werden sich erst nach Ihnen ausstrecken, wenn Sie schon recht gehschwach und gezwungen sind, dort auszuharren, wo Menschen in Bettenregale eingeschlichtet und gekühlt werden, bis sie Eiswürfel sind, die aber immerhin noch Getränke verbessern können. Das sagen jetzt aber Sie! Ich? Ich komm auch noch dran! 

Und da kommen Sie schon, stürzen sich vom Himmel, höre ich da, und: Sieht eh keiner, niedriger tun Sies ja nicht! Da schlägt Sie aber sogar noch der Herr, der sich eigens aus der Stratosphäre abseilte, doch ganz ohne Seil, um seine Meinungen unter die Leute zu bringen. Das probieren Sie doch auch die ganze Zeit! Wenn Sie dabei nicht wenigstens aus dem Fenster springen, wird Sie keiner hören, und Sie werden vielleicht gar nichts mehr sagen können! Sie dürfen aber auch auf eine Trittleiter steigen! Schon das würde Ihnen helfen, auf andre hinunterzuschauen, die Ihnen die Rüstung raubten, wie Sie hier so herumliegen und klagen und gleichzeitig tüchtig angeben, wie üblich. Was Sie angeben, stimmt nur zur Hälfte, die andre fehlt, Sie sind doch nur auf diesen kleinen Schemel gestiegen, um oben mit dem Swiffer Staub zu wischen, Staub, der nur von Ihnen selber kam, von Ihren morschen Knochen. Der Tod scheint Ihre Uniform zu sein, kein Wunder, daß Sie so oft sterben oder zumindest davon reden. Wie gern hätten Sie sich da geschämt, obwohl Sie gar nicht schuld waren, geschämt erst mal vor Ihnen selber, und dann vor allen anderen, wenn die eilige Hilfskraft kommt, in der Nacht, wenn sie die Decke hebt, damit sie Ihnen nicht auf den Kopf fällt, und mit einer Taschenlampe auf Ihren Hintern, auf Ihren Schlüpfer leuchtet, ob dort alles in Ordnung ist, ob da nichts rausgeschlüpft und Sie sich nicht naßgemacht haben, ohne sich zu waschen.

Unsere Schützlinge, bewacht und beschützt gleichzeitig, beides geht, kein Vergleich. Die wir jagten, die jagen uns jetzt selbst. Es kommen immer neue aus dem Boden, diesem Kraftspender, schon der Antaios war seinerzeit recht zufrieden mit ihm. Einer schützt den andern vor dem andren andern. Gefesselt dort, wo jede Waffe fehlt, weil es nicht lohnt, sie abzuschießen in dieser Wildnis, in der Sprenkeln von Uniformen auszumachen sind, bevor auch ihre Träger ausgeknipst werden. Die Taschenlampen fallen ihnen aus den Händen, die Helme vom Kopf. Du, Herr, dem ein freies und gesundes Denken fremd, dem Denken überhaupt fremd und unnötig, wie hast du uns alle ungesehen beschlichen, bis wir uns wieder mal knacken hörten, das waren die Sprünge, die wir nicht machen konnten, wie in Eisen, wie in Eisenbeton. Das war doch schon einmal, oder irre ich mich? Wo soll das gewesen sein? Hier? Keine Ahnung. Weit kann es nicht gegangen sein. Und ihr, die ihr nichts andres gelernt habt, als Befohlenes zu tun, egal, wer befiehlt, egal, was an uns begangen oder was wir begangen, es vermischt sich alles, unter Schmerzen ertragen müssen es immer andere, na ja, wir schon auch ein bisserl! Das haben jetzt aber Sie gesagt! Andere sagen es auch, die selbst begangen werden von Geschossen und Zurückgeschossen und den eisenhaltigen Grüßen, die ein andres Land ihnen sendet. Wer bringt uns jetzt bei, klug zu sein und uns abzusetzen? Nicht einmal setzen können wir uns in diesem zugigen Warteraum. Sogar den besitzen schon andre. Entschuldigung, es ist vier Uhr früh, da herrscht das Entsetzen, nicht das Sich-Absetzen. Die Absätze der Todesmaschinen steigen, jeder will eine haben, eine für sich allein, damit er alle andren umbringen kann. Dies hier jedenfalls führt nirgendwohin. Es geht überhaupt nichts weiter. Unsterblichkeit gewinnen? Nein. Dann wenigstens ein Geldbörserl aus Plastik gewinnen! Besser als nichts, auch ohne daß was drin ist.

So schleppen wir uns dahin, uns gönnt ja niemand mehr Erfreuliches, wir müssen uns selber einrichten lassen, vom Lutz-Möbelhaus oder den Schweden, allein auf Marmorklippen hockend, weil die Couch nicht rechtzeitig geliefert wurde. Dort findet uns dafür keiner, weil wir dort bereits waren, aber derzeit nicht mehr anzutreffen sind. Wir sind vorsichtig. Wir warten dort, verlassen nicht unsren himmlischen Hochsitz, sonst kriegen wir den schönen Platz beim Fenster nicht wieder, dort sitzt dann eine andre, die unter sich läßt wie all diese greisen Konzertbesucher, nach denen man dauernd die Stühle neu polstern lassen muß, gefährliche Plätze, auf denen daher kein einziger Mensch sitzen mag, aber muß. Auf seiner Karte steht eine Nummer, an die er sich halten muß. Alle andren Plätze sind schon besetzt, und diese Bahn ist längst abgefahren.

Wie die streitet um ihren Platz, den eh kein andrer beansprucht?, das können Sie sich nicht vorstellen! Sie will zum Fenster, wo sie sieht und gesehen wird, Beschlüsse verkünden und Schlüsse ziehen darf. Schau ihr ins Antlitz, vielleicht verläßt sie dir zuliebe doch noch ihren angestammten Platz und geht mit einem Herrn mit, einem bewehrten Schnitter, obwohl sie sich nie mit einem simplen Landarbeiter zufriedengeben würde, der Garben bindet, sich selbst an sie aber keinesfalls binden mag. Dem Erwählten wird inzwischen die Zeit nicht lang, er hat sie sich schließlich aufgehoben und abgeschlossen, vielleicht kommt was Besseres nach! Die Frau wartet immer noch, nein, Sie können sich nichts davon mitnehmen, sie wartet ja selbst wie diese Insel Malle oder Kalle oder so. Die Frau wartet immer noch. Die wartet glatt noch, doch glatt ist das nicht immer gegangen. Sie weiß schon nicht mehr, auf wen, aber sie wartet und malt sich Sachen aus, zahllose, zeitlose Sachen. Das gilt für alle: sich aufheben, aber gleichzeitig verschleudern. Oder ganz absperren und mit den lieben, vertrauten Medikamenten in einen Dialog treten, um sich dann endgültig selber abzukapseln. 

Sieh an! Die Klippen jetzt aus Stahl, dazu Sichtbeton, durch den man nichts sieht, darüber Tonnen von Erde, das brechen wir auf, das brechen wir alles auf, wir Cracker, auf die keiner Appetit hat, wir brechen jetzt auf, das war noch gar nichts, was Sie gesehen haben. Was tut ihr uns an, die wir sowieso Nichtse sind, Habenichtse und Seinsnichtse, wir zahlen ja schon, wir haben es verstanden, durch List und Zwang genötigt zu kämpfen, was wir nicht wollen. Was schleppt ihr uns fort? Wir sind keine Beute, wir machen sie! Wir sind Aussätzige, nein, Ausgesetzte sind wir auf unseren eigenen Hügeln und diesen blöden Inseln, jeder sein eigener Hügel, keiner seine eigene Insel, alle wollen lieber hoch hinaus. Doch die Bunkerbrecher nehmen uns schon aufs Korn, wie Drohnen umschwirren uns Bienen, Königinnen sind zwar keine mehr zu finden, aber bitte, wenn Sie wollen, gebe ich die Königin auch noch! Nein, Ihnen nicht! Heere werden gesucht, sie zu bedienen, gegen andre Heere. Ja, gilt denn das Recht unseres einzigen Gottes noch was? Nur dieses Recht gilt, der andre Gott soll sich verpissen, ich sage lieber nicht, welcher, sonst bin ich dran. Wer keinen hat – auch gut. Bitte, das sind meine letzten Worte, schmeißen Sie sie nicht einfach so weg!

Bestraft werden alle, alle, und erbarmend gedenkt keiner des anderen, das ist wie mit Kain und Abel, ohne Wenn und Aber. Wir brauchen dich auch nicht, du lieber Gott, dir glaubt eh keiner mehr, da wir ja an deiner statt hier stehen, der Heimstatt meines leeren Geschwätzes (immer ruf ich ihn an, wenn mir nichts mehr einfällt), und wärs am Gipfel, ja, das ist der Gipfel!, 17 Minuten für ein ganzes Land!, da wir also diese hübschen, glänzenden Waffen bekommen haben und bei uns gut ausgebildete Leute wohnen, die zufällig Schützen sind, das haben sie gelernt. Die können damit umgehen. Von unserem Irrwegbett aus prunken wir vor dem Heer, dem eigenen und dem fremden. 

Echt jetzt? Der Krieg gewinnt? Und die falsche Seite auch noch! Wo ich doch soviel Besseres zu bieten hätte? Sie können es sich ja einmal anschauen, nur schauen, mehr verlange ich gar nicht. Das ist Ihnen fremd? Daß man von etwas besessen ist? Von sowas Zerbrechlichem wie einem Körper? Oder einem andren Körper, vielleicht diesem hier? Haben schon gewählt? Der aber nur sekundenlang aufscheint und dann vergeht, weil er weggewischt wurde. Sowas haben Sie noch nie gesehen? Gefrorne Tropfen wie Honig fallen Ihnen aus dem Wimpernkranz? Wie geht das, fragen Sie? Na, Sie sehen ja, daß es geht! Und fremd erscheint es Ihnen nur, weil Sie eine Eigene, eine Leibeigene noch immer nicht sein dürfen, immerhin besitzen Sie ja noch Ihren Leib, wie Sie angeben. Sie haben sogar die Gebrauchsanweisung dazugelegt, wie zuvorkommend! Ich? Bin ich schon wieder dran? Nicht ums Verrecken will ich da noch mal raus! Kommt da etwa jemand? Ist da vielleicht schon jemand, der auf mich gewartet hat? Nein, der nicht. 

Natürlich wollen Sie jetzt jemand anderen finden, der sich genauso anschleicht wie Sie damals im Jahre Schnee, nur sieht man ihn noch nicht. Wer soll das denn sein? Ich warte geduldig mit meinen paar Brettln! Ich warte trotz allem, also weil dieses Kind danach ein Leben lang trotzen wird, sich mit seinem immer größer werdenden Körper zurücklehnt und wartet, ob endlich wer kommt, der sie wenigstens über sich selbst hinwegtrösten wird, diese Arbeit sollte er sich schon machen mit ihr! Na, der Professor wartet schon auch, dabei bin ich längst da, mit dem Elfibein auf meinen Tasten spielt schon das Licht, es ist also wieder Tag. 

Aber das ist doch der Zweck des Ganzen, damit wir nicht zu früh antanzen, damit wir Sie am ausgestreckten Arm verhungern lassen! Jeder von uns genauso ein einsam Zurückgelassener, bloß kann er es nicht glauben. Das gibts doch nicht! Drängen Sie sich nicht vor! Wir warten alle hier, bis wir aufgerufen werden, bis die Flugzeuge fertig betankt und mit Näglein besteckt sind mit ihrer Last unter der Decke, bis die Schiffer endlich fertig sind, bis wir alle fertig sind und um Segen, gute Luft, gutes Wasser flehen, bloß damit dann wieder die Geschosse hindurchpflügen können mit Rossen des Himmels, und auf gehts! Rauf gehts mit Karacho, runter gehts mit noch mehr Krach, wir können einen Entschluß fassen und dann einen besseren, es hängt auch vom Wetter ab, nein, inzwischen nicht mehr, es hängt von nichts mehr ab. Wir starten von überall und kommen überall hin. Zu mir? Nein, zu mir nicht, an mir hängt nichts mehr. Und ich starte auch nicht mehr durch. Ich warte lieber noch ein bißchen, wie vorhin. Da ist auch niemand gekommen, kein Nagel zu meinem Sarg, für den ich die Brettln schon dabei hatte. Es macht mir nichts aus. Und ich mache mir auch nichts mehr aus. 

Wir fliegen über Gipfel hinweg, aber wir fliegen auch unter dem Radar und unserem sinnlosen Reden hindurch in die Erde hinein, wir werfen was in diese liebe Erde hinein, die uns gestern noch einen Ruheplatz geboten hat, uns heute aber austreibt aus verriegelter Nacht, zusammen mit dem Frühjahrsgemüse, dessen Wohl von tausend Dingen abhängt, aber da kommt es jedenfalls, da kommt es, oder? Ich warte immer noch, wo bleiben Sie denn? Da kommt endlich das dazu passende tüchtige Wetter! Ja, die Tageszeit kommt schon auch, nur keine Eile im Narrenhaus! Willkommen im Sturm, der endlich meine Flammen löschen soll! Achtung, ein Probeblitz wird geschickt: Sobald wir uns rufen, kommen wir eilends nach, kein andrer wird uns je rufen; wir hören nur auf uns, wissen aber nicht, wo wir sind und wo wir aufgehalten werden. Das Gerät hat uns nicht angezeigt, Mannometer, geht uns das auf den Zeiger! Sind das Glockenblumen? Ich fürchte, nicht! Oder nur dröhnende Glocken, die endlich schweigen, weil man sie zu Ostern nach Rom fliegen ließ, keine Ahnung, jedenfalls sind sie nicht da, obwohl gar nicht Ostern ist, oder doch? Wie eine kaputte Uhr, die wenigstens zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt, die aber auch oft die falsche ist, wenn man sich heimleuchten lassen und etwas Musik dabei hören will, die noch ein bißchen nachklingen soll, bis es wieder hell wird unter den Lidern der Fenster. 

Ist das etwa die Lichtung, diese frei zugängliche Fläche im Wald, welche für die Erschlossenheit und die Zudringlichkeit des Daseins sowie dessen Ausstoß gedacht ist, die uns aber genausowenig erleuchtet werden wird? Man wird uns im Dunkeln verstoßen. Ist das unser Felsgemach? Behausung, angefüllt mit Jammer? Geh bitte! Immer hab ich gedacht, daß Vögel mich hochheben und durch die Lüftung, nein, die Lüfte entführen würden, wenn ich mich meines Leibes und meines Landes schäme, aber nein, der Schwung geht nach unten, unter den Vögeln dahin, und dann hinweg, fort. Machtlos sind wir. Wie sollen wir die Tage weiterleben, selber umnachtet, wie wir sind? 

Keinem Menschen nah werden wir in Zukunft hausen, bitte, das sind doch keine Menschen, die sowas machen, Menschen in einem Computer zu Tode quälen, also wirklich! Das Reisebüro hat sie heuer nicht vermittelt, und jetzt wissen sie natürlich nicht, wohin. Die Kettenfahrzeuge zerbrechen ihre Ketten, und das Haus zerbricht uns unterm Arsch. Die Schmerzen sagen uns einsilbig, nein, ein paar Silben mehr brauchen sie schon, sie sagen, wir werden an und mit ihnen zugrunde gehen. So wie wir geboren wurden, doch damals haben wir jemand anderem tüchtig weh getan. Das wollen wir doch wiederholen, oder? Die Nahrung sagt: Nah bin ich nicht, mich bringst du nicht mehr nach Hause! Das süße Bio-Schweinderl, inzwischen selbst gegessen, sagt: Gell, Bauer, deswegen sind wir alle so gesund! Der kräftige Arm fragt: Wen soll ich fassen, wen soll ich loslassen? Die List des Piloten sagt: Was soll ich ersinnen, damit das alles einen Sinn hat, da wir eigens für den Tod die Treibstoffzufuhr unterbrochen haben? Wieder ein paar mehr weniger! Man merkt es gar nicht. Dabei zählt angeblich jeder einzelne. Der Sinn fragt: Warum auf mich selber richten, wo ich doch andre treffen kann, wie Leid tausendfach entsteht, das alle, alle, alle zum Schaden mir ersonnen. Ich räche mich doch so gern, bloß gehen mir die Kandidaten dafür aus! Ich setz mich hin und warte, weil mich jemand hinhält. Das ist so hinterhältig!

Also wo bleib ich in den künftigen Zeiten, welcher durchtriebene Mensch wird mich finden, es mit mir treiben und mich dann handhaben wie einen Flitzebogen, nachdem er endlich abgeschossen hat?, nein, um Gottes willen, nicht davor? Was für einen Sinn sollte das denn haben? Männer sagen alles, was recht ist. Alles, was recht ist, wir haben nur einen Befehl ausgesandt und ausgeführt zum gemeinsamen Wohl all unserer Freunde. Ihr Raubtiervölker, die im Gebirg sich von Harmlosem nähren, und du, Gebirge, das du schon in Auflösung begriffen bist, obwohl du nicht begreifst, weshalb, ihr schmeißt gefälligst nichts auf unser Haus runter, kapiert, da ist noch wer und noch mehr drinnen! Außerdem lohnt es sich nicht. In unseren Ferienorten sind zwar Häuser, aber die stören keinen außer denen, die keine haben. Den Zutritt haben wir lang euch verwehrt, jetzt braucht ihr uns nicht mehr zu fürchten, schmeißt also nichts weg, kommt nicht selbst herein, sättigt nicht eure Lust am Fleisch von Versehrten! Was soll ich noch befehlen? Ach ja: Scheidet eher vom Dasein, als euch von uns eine Scheibe abzuschneiden, und verfügt allgemein darüber, was der Schoß der Erde euch freiwillig gibt, bevor sie endgültig umgegraben ist von diesen blöden Geschossen, für die ich das alles hier veranstalte. Keiner versteht, wieso, denn hier fallen sie ja nicht.

O Stimme, ersehnte, endlich erklingst du, damit irgendwer gehorcht deinem Gebot. Ich bin dir zu folgen bereit und bitte nicht um mein Leben. Das hat schon zu lange gezögert, jetzt darf es gehen. Leb wohl, Behausung, danke für alles und herzliche Grüße an keinen. Treu hast du mir gedient, ganz schön lang auch noch, ich dir ja auch, für diesen Bau mußten wir alle sehr sparen!, aber jetzt brausts schon gewaltig vor meinem Felsen, ich muß mich losreißen, kalt ist es in dieser Truhe, ich muß mich loseisen, zu sehr vom Tau benetzt wurde mein Haupt in meinem Versteck, das nun keins mehr ist. Selbst das Wasser ist es nicht mehr selbst, es ist zu Eis erstarrt und muß abgetaut werden, damit die Nahrung es bequemer hat. Haben Sie schon zu oft meiner Stimme klagenden Ruf vernommen? Will mich jetzt ein andrer einvernehmen? Also ich sag nichts, obwohl ich viel Geld verdienen könnte mit dem, was ich nach meinem Tod so alles gesehen haben werde. Den Widerhall des nächsten, ich Übergangene warte jetzt schon auf ihn, schicke ich Ihnen zurück, sobald ich da bin, okay? Der Fels hat sich dafür aber auch beworben. Sie wollen ihn jetzt schon haben, Ihren Untergang, Ihren Absturz? Sie wollen, daß ich gehe und gleichzeitig auch schon wieder ankomme? Ich sage Ihnen: Und wenn ich heute wüßte, daß ich morgen sterben muß, würde ich mir heute noch eine Zahnkrone aufsetzen lassen. Egal, was mir über die Ohren rutscht, ich verlaß euch jetzt auf jeden Fall, dreimal hat der Hahn gekräht, das ließ sich nicht verleugnen, die Polizei ist bereits da und holt ihn ab, das war schon Lärmbelästigung?, die Hennen sind verzweifelt. Und ich verleihe mir selbst glückliche Fahrt ans Ziel, das ich nicht kenne, sicher wird es mir jemand verleiden, ich werde versuchen, dies mitzuteilen. 

Woher kommt das ganze Gestrüpp, das verhungerte Gras, der ausgedörrte Boden, woher kommt der ganze Dreck hier, durch den ich kriechen, mich möglichst ungesehen anschleichen muß? O Gott, jetzt bin ich gekommen, und nur ich habe es bemerkt. Alle plus einem, doch auf den kommts an!, haben in eine andre Richtung geschaut. Wer hat das alles so gefügt? Dieser eine? Einer ist keiner! Der wirft lieber den ersten Stein. Weshalb ich das erwähne? Da ist doch überhaupt keiner mehr! Und wer fügt mich jetzt in mein Schicksal ein als letzten Stein, als Schlußstein, der Tisch quillt ja schon über? Diesen Ferienort wollte ich doch vorhin verlassen, wieso bin ich schon wieder da? Weil es billiger wird, wenn man zweimal stirbt? Beim zweiten Mal ermäßigt, den Seniorenpaß hab ich schon lang. Mir wird alles ermäßigt, sogar meine letzte Frist. Bei Nachfrage gilt nur dieser Ausweis, der eher ein Verweis ist, beachten Sie bitte das Verfallsdatum! So. Der Stein ist gefallen, nicht hinein in mein Leben, sondern obendrauf. Das Bild war schon voll, bevor der Stein geworfen wurde. Doch da liegt er jetzt. Wenn er schon mal da ist, kann er bleiben. Wie die kandierte Kirsche auf die Torte des schwarzen Waldes? So ungefähr. Na, dann bin ich ja beruhigt. Dürfte ich bitte noch um schützendes Geleit auf der Fahrt bitten? Ich darf nicht? Na, dann geh ich halt einfach los. Und aus.

Dank an Prof. Dr. Herwig Czech von der Medizinischen Universität Wien. Und nachdem ich den Balken im Auge des Dichters entfernt habe, sind da noch vom letzten Mal Splitter von Dylan Thomas und William Butler Yeats übrig, die mir in meins gestochen haben. Ja, Philoktetes von Sophokles auch dabei, weiß aber nicht so recht, was er da soll. Und noch ein paar Brocken sonstiges, diese eine Sekunde, bis es raus ist, warte ich auch noch ab, dann geh ich aber wirklich.


Veröffentlicht am 05.02.2026 auf elfriedejelinek.com